Notizen eines Vaters„Im Zweifelsfall schreib 17!“

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Als unsere Tochter Anna die dritte Klasse der Volksschule besuchte, hatte sie eine überaus engagierte, fröhliche Lehrerin, die sie sehr gerne mochte. Trotzdem hatte sie keinerlei Ehrgeiz, ihre Aufgaben möglichst schön oder vollständig richtig zu erledigen. Während ihre große Schwester auch im Gymnasium noch bunte Zierleisten malte, weil sie offensichtlich Freude an schön geführten Heften hatte, beschränkte sich Anna aufs Notwendigste. Schon ihre Arbeitshaltung gab Aufschluss über ihren Eifer: Sie machte ihre Hausübungen prinzipiell im Liegen, und zwar auf dem Teppich im Esszimmer, den Kopf lässig und entspannt auf die linke Hand gestützt.

Irgendwie erinnerte sie an eine kleine Patrizierin im alten Rom, die statt an einer Weintraube an einem Bleistift knabberte. Ihre Tätigkeit für die Schule erfolgte meist unter mehr oder weniger interessierter Anteilnahme ihrer beiden jüngerer Geschwister. Daher brauchte sie infolge zahlreicher willkommener Unterbrechungen oft den halben Nachmittag.
Annas Meinung nach sollte nicht nur von Schüler-, sondern auch von Lehrerseite möglichst wenig Zeit und Energie für etwas generell so Überflüssiges wie Aufgaben aufgewendet werden. So verstand sie gar nicht, dass ihre Lehrerin Rechenfehler durch das Symbol eines stilisierten Auges („Schau genau!“) kennzeichnete: „Überleg einmal! In der Zeit, in der die Frau Lehrerin mir alle diese Augerln hinmalt, könnte sie genauso gleich die Rechnung ausbessern.“

An manchen Tagen ging ihr die Arbeit nicht recht von der Hand. Einmal wollte sie – offenbar in einem Motivationstief steckend – ihren älteren Bruder Benedikt einspannen, der ihr lediglich den hilfreichen Rat gab, im Zweifelsfall die Zahl 17 hinzuschreiben: „17 stimmt bei Volksschulrechnungen meistens.“

Unvergesslich ist mir der Tag, an dem ich Zeuge eines kurzen Dialogs zwischen meiner Tochter und ihrer Mutter wurde. Tochter (gelangweilt): „Mama, wie viel ist eigentlich 21 minus 6?“ Mutter (abgeklärt): „15.“ Tochter (triumphierend): „Siehst, ist doch gut, dass ich frag‘, ich hätt‘ 16 geschätzt.“

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HASENADI
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Lieb,

das Gangerl!