Zeitordnung und PandemieKonrad Paul Liessmann: Aus den Fugen

Die Zeiten geraten durcheinander: Die Erfahrung der Seuche macht uns zu Zeitgenossen des 14. Jahrhunderts, die Klimaveränderung lässt Fortschrittsorientierte zweifeln. Die zerrissene Welt schreit nach Intervention. Doch von wem?

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In Graz findet dieser Tage die Veranstaltungsreihe „Out of Joint“ statt, das Literaturfestival des Steirischen Herbstes. Der griffige Titel verweist auf eines der berühmtesten Zitate der Weltliteratur: „Die Zeit ist aus den Fugen“, klagt Hamlet nach der Begegnung mit dem Geist seines ermordeten Vaters, und er bejammert das Schicksal, das ihn dazu nötigt, alles wieder einzurenken. Furchtbar! Ein Einzelner gegen den Strom der Zeit! Keine Frage: Hamlet litt an einer typischen intellektuellen Selbstüberschätzung. Zerrüttet waren lediglich die Familienverhältnisse des dänischen Prinzen. Doch er sieht darin sofort die Krise einer Epoche. Sein Versuch, eine neue Ordnung herzustellen, scheitert. Am Ende von Shakespeares Tragödie sind alle tot.

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hobelgeorg
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cx

cx

zweigerl
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konservativ out?

Konservativ ist möglicherweise die einzige noch mögliche Haltung, die man zu den (verschwindenden) Dingen einnehmen kann. Sie verschwinden im Fluss der Zeit. Die Zeit selbst ist ontologisch "ein sonderbar Ding" (nicht Augustinus, sondern Hofmannsthal hat das gesagt) und besitzt als Weltzeit die Eigenschaft, nicht verbraucht werden zu können. Alles andere wird immer rascher wegkonsumiert von der gierigen Spezies, die sich auf der Erde als planetarische Monokultur breitmacht.