AußensichtDie Luftschlösser des Bürgermeisters

Erwin Zankel über kühne Träume und die ernüchternde Wirklichkeit in der steirischen Landeshauptstadt.

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© olding Graz/Strohecker
 

Graz wird nach den Gemeinderatswahlen nicht wiederzuerkennen sein. Zwar nicht sofort, aber doch in den Jahren danach. Dann soll eine Metro 200.000 Fahrgäste am Tag in Minutenintervallen unterirdisch befördern und Graz endlich mit Wien gleichziehen, weil nicht einzusehen ist, dass nur dort eine U-Bahn fährt. Auch der Autoverkehr soll in der Tiefe verschwinden. An beiden Ufern der Mur sollen Tunnel gebohrt werden, ganz nach dem Vorbild von Paris mit seinen Schnellstraßen entlang der Seine. Die Herrengasse, seit jeher die zentrale Achse von Graz, soll zu einer prachtvollen Allee umgestaltet werden, wie überhaupt das Zubetonieren der Vergangenheit angehören soll, weil 20 Prozent der versiegelten Flächen Grünraum werden …

Kommentare (6)
Zooropa
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Ungerecht

Ich finde Ihre Einschätzung, sehr geehrter Herr Zankl, ungerecht.

Graz war in meiner Jugend der Hort der (un-)gepflegten Rückständigkeit, der Provinzialität. Nagl hat in den letzten 20 Jahren das Gesicht dieser Stadt, und damit auch in gewisser Wiese den Horizont seiner BürgerInnen, verändert . Graz moderner, internationaler gemacht. Ja, es waren sehr visionäre Projekte dabei. Aber wie soll Fortschritt gelingen ohne Vision und Tatendrang? Neinsager und Zauderer gibt es in Graz wahrlich genug, denen nie die Ideen ausgehen warum etwas nicht geht.

Ich verstehe, dass viele Menschen "nostalgische" Gefühle haben und sich - zumindest partiell - das "alte Graz" zurück wünschen. Ich glaube aber, dass es eine gefährliche Illusion ist, dass eine Stadt in einem so dynamischen Wirtschaftsraum stillstehen kann. Dass es immer "besser geht? Geschenkt!

Und was die Metro betrifft: Ja, das ist groß gedacht, aber sollen wir die nächsten 40 Jahre weiter klein-klein jedes Jahr 5 Meter Straßenbahnneubau feiern, der keine Verbesserung bringt? Graz braucht eine leistungsfähige ost-west und nord-süd Achse. Wenn der Bund mitzahlt, wäre die Metro eine echte Jahrhundertchance für die Entwicklung von Graz. Und wenn es bessere Ideen gibt, bitte her damit, aber nichts machen ist keine.

checker43
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@Zooropa

Im Gegenteil, die Metro ist viel kleiner gedacht als jede andere Verkehrslösung, die über die Stadtgrenzen hinausdenkt. Sie ist auch klein und unvisionär gedacht, weil sie den Status Quo, also den Autos möglichst keinen Platz wegzunehmen, fortschreiben will.

MoritzderKater
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Ach bitte, zählen sie doch auf,....

...... was ihnen ad hoc an Errungenschaften einfällt, von denen wir Bürger wirklich etwas haben und das keine Unsummen verschlungen hat?

MoritzderKater
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Vielen Dank für diesen Beitrag !!!

Endlich werden die Luftschlösser zum Thema gemacht, endlich hat jemand >> Herr Zankel << die abstrusen Ideen beim Namen genannt.

Als Einwohner der Stadt, hatte man schon seit Jahren das Gefühl, man lebt in einem Bereich, wo der Bürgermeister nur auslotet, was er den Menschen in Graz noch alles zumuten kann. Von einer *Schnaps-Idee* zur anderen.

Der 26. September wird diesem Treiben hoffentlich ein Ende setzen.

stprei
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Einseitig

Ich finde den Kommentar etwas einseitig, zumal einige Versäumnisse von den Ressort-Stadträten kommen.

Bei der Bim hat sich viel getan (Reininghaus, Smart City), viele Strecken wurden grundlegend modernisiert und in Puntigam steigert man die Leistungsfähigkeit mit einem zweiten Gleis. Die Anbindung des Bahnhofs hat den Pendlern viel Komfort gebracht und damit zum Umstieg angeregt. Die Naherholungsgebiete an der Mur sind bei der Bevölkerung beliebt.

Die Murgondel wurde leider aufgrund des harten Widerstands der anderen Parteien fallen gelassen, persönlich hielt ich das für keine schlechte Idee, ein einfaches Transportmittel von Gratkorn/Gratwein bis Gössendorf zu errichten, das Leute schnell direkt in die Stadt transportiert.

Die UBahn ist ein Kaliber, das nur gemeinsam mit dem Bund kommen kann, ob Gewessler hier an Bord ist, wird sie vor der Wahl nicht sagen, zumal das die Parteiräson verbietet.

Die Innenstadtentflechtung West war für 2020 angekündigt, wurde auf Frühjahr 2021 verschoben und ist noch immer nicht da. Kahr gibt hier zu wenig Tempo vor, was wohl auch wahltaktische Gründe hat.

redlands
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Großartiger Beitrag!

Man hat in Graz die Wahl zwischen einer Luftblase oder einer anderen. Die konkrete politische Arbeit in den letzten, zumindest zwei, Jahrzehnten ist klar mit einem Nicht Genügend zu bewerten bzw. weist ein NULL-Ergebnis aus, ausser für die jeweiligen Akteure und deren Günstlinge selbst. Ein weiteres Sinken der Wahlbeteiligung wird hieraus ausfließen, denn entgegen der Annahme unserer werten Volksvertreter in Graz sind bei Weitem nicht alle Grazer zu blöd, um dieses vollkommene Versagen bzw. das offene Verar...en der Bevölkerung nicht zu erkennen. Man wird es auf Corona schieben (weil so einfach) und bedauern...und es wird weitergehen wie bisher. NICHTS wird sich ändern (obwohl ja plötzlich ALLE DASSELBE WOLLEN !!!....- eine einzige Peinlichkeit u. Provokation bzw. Beleidigung jeglicher Intelligenz). Die einzige Antwort, welche diese Dam- u. Herrschaften verdient hätten wäre, das NIEMAND (und damit meine ich KEIN(E) EINZIGE(R)) zur Wahl geht! Aber ich glaube selbst dies würde der aktuelle Politikergarde nur 5 Minuten zu denken geben...is ja Wurscht - meine Gage krieg i sowieso....