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KolumneDirk Stermann: Marko Arnautovic? Der stört doch nur!

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Dirk Stermann
Dirk Stermann © (c) APA/GEORG HOCHMUTH (GEORG HOCHMUTH)
 

Marko Arnautovic war zu Gast in meiner Fernsehsendung und schrieb auf einen Ball ein Autogramm für meinen kleinen Sohn. Sein erstes Autogramm. Am nächsten Morgen überreichte ich ihm den Ball. Er freute sich, bis er das Autogramm sah. „Da hat jemand draufgemalt“, sagte er ärgerlich. „Kann man das wegmachen?“ „Das ist ein Autogramm von Marko Arnautovic“, sagte ich. „Das ist toll.“ „Nein, das ist schmutzig“, antwortete er und begann verzweifelt, seinen neuen Ball zu putzen. Es war sein erstes Autogramm und er ist offensichtlich noch nicht in einem Alter, in dem er so etwas schätzen kann. „Viele Kinder wollen ein Autogramm von Marko Arnautovic. Der ist ein ganz toller Fußballer“, beharrte ich. „Der soll auf seinen eigenen Ball etwas draufmalen“, sagte mein Sohn, der sich auch nicht darüber freuen konnte, dass der Teamstürmer seinen Namen mit auf den Ball geschrieben hatte. „Für Anton“ stand über der Signatur.

Wann beginnt es, dass man Autogramme sammelt und wann hört das auf? Ich hatte als Kind eine Autogrammkarte von Franz Beckenbauer, auf die ich selber „Für Dirk von Franz Beckenbauer“ geschrieben hatte. Ich hatte nämlich nur eine leere Autogrammkarte bekommen. Mit Unterschrift, selbst wenn ich sie selber gefälscht hatte, war sie natürlich wertvoller. Ich nahm die Autogrammkarte mit in die Schule, um vor meinen Freunden anzugeben. Niemand hatte eine Unterschrift von Beckenbauer. Ich war kurz ein Star in meiner Klasse, bis jemand sagte: „Der Beckenbauer schreibt wie ein Kind!“ Da machten sich alle über Beckenbauer lustig, was ungerecht war, denn der konnte ja gar nichts für seine Kinderschrift.
Vor einigen Jahren hatte ich eine Veranstaltung im Burgtheater, bei der unterschiedlichste Künstler für irgendeinen guten Zweck auftraten. Unter anderem auch der Schriftsteller Henning Mankell. Ich wusste, dass meine Tante ein großer Fan des Schweden war und deshalb erzählte ich meiner Mutter davon. Sie bat mich inständig im Namen meiner Tante um ein Autogramm von Mankell.

Es gibt wenige Dinge, die ich mir vorstellen kann, die so unangenehm sind, wie fremde Prominente anzusprechen. Ich saß also in der Kantine des Burgtheaters und sah am Nebentisch Henning Mankell. Ich zögerte. Je länger ich wartete, umso unwohler wurde mir. Sollte ich tatsächlich wie ein nerviges Groupie zu ihm gehen und ihn in seiner Ruhe stören? Nein. Aber wie sollte ich meiner Tante und meiner Mutter erklären, dass ich ihren großen Wunsch so negierte? Also stand ich auf und räusperte mich. „Entschuldigung, ich weiß, ich will Sie nicht stören, obwohl ich’s ja schon tue, aber meine Tante ist ein großer Fan von Ihnen.“ So, jetzt war es raus. Henning Mankell strahlte mich an. „Endlich“, sagte er auf Englisch. Endlich spricht hier jemand mit mir. Mir ist so unglaublich langweilig. Wie heißt denn Ihre Tante?“ „Monica“, sagte ich. „Oh, gerne. Darf ich ihr etwas schreiben?“ Und er nahm einen Stift und schrieb ihr einen Text auf eine Serviette, der von der Länge her als Kurzgeschichte durchgehen würde.
Meine Tante war glücklich und Mankell war es auch gewesen.

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