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Im Zentrum"Geschlagen, weil das Schnitzel nicht am Tisch stand"

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In der ORF-Sendung "Im Zentrum" wurde am Sonntag das Thema "Gewaltschutz für Frauen" diskutiert
In der ORF-Sendung "Im Zentrum" wurde am Sonntag das Thema "Gewaltschutz für Frauen" diskutiert © Screenshot ORF/Im Zentrum
 

Guten Morgen!

Betroffenheit, Evaluierung, Schulterschluss, Beteuerungen, Runder Tisch, Ankündigungen. So läuft das in Österreich üblicherweise, wenn etwas falsch gelaufen ist – oder wie in diesem Fall, wenn schreckliche Ereignisse in Serie passieren. Elf Morde an Frauen wurden in diesem Jahr schon durchgeführt. Die Täter: Männer. Meist Partner oder Ex-Partner. VertreterInnen von vier Ministerien (Frauenministerium, Justizministerium, Innenministerium und Sozialministerium) sowie 18 Organisationen (Einrichtungen für Opferschutz, Täterarbeit etc.) werden am Mittwoch für einen Runden Tisch zum „Gewaltschutz für Frauen“ zusammenkommen. Die kolportierten 90 Minuten Zeit dafür klingen wie eine Verhöhnung. Aber immerhin wird geredet. Die Schubladen sind voll mit guten Ideen. Mehr Geld soll es auch geben.
 
„Es gibt nicht die eine Erklärung für Mord an Frauen“, sagte Frauenministerin Susanne Raab (ÖVP) am Abend in der ORF-Sendung „Im Zentrum“. Sie appelliert an Frauen, „die Hilfe des Staates auch in Anspruch zu nehmen. Wir müssen Frauen auch zu Wegweisungen ermutigen“. Für Andrea Brem, Geschäftsführerin der Wiener Frauenhäuser ist ein Problem noch immer evident: „Es wird permanent den Frauen die Schuld gegeben.“ Viele hätten nach wie vor Angst, häusliche Gewalt anzuzeigen. Gewalttäter kommen davon, wenn sich ihre Opfer der Aussage entschlagen. Warum? Weil sie etwa in Zivilprozessen „Angst haben, ihre Kinder zu verlieren“. Brem berichtet von unfassbaren Einstellungen, die sie bei Scheidungen zu hören bekommt. „Etwa dass die Frau es verdient hat, geschlagen zu werden, weil das Schnitzel nicht am Tisch stand.“ Einig sind sich die DiskutantInnen, dass Opferschutz und Täterarbeit nicht gegeneinander ausgespielt werden dürfen. Es gibt immer ein Opfer und einen Täter, mit beiden müsse man arbeiten.
 
Justizministerin Alma Zadic (Grüne) kann sich eine Verschärfung des Waffengesetzes vorstellen. „Auch bei Wegweisungen braucht es die Abnahme von Waffen. Jemand der gefährlich ist, hat keine Waffe zu tragen.“ Alexander Haydn von der Männerberatung Wien glaubt nicht, dass damit das Problem gelöst wird. Wer jemanden ermorden wolle, „wird eine Waffe finden oder die Hände benutzen“. Doris Bures (SPÖ), Ex-Frauenministerin und zweite Nationalratspräsidentin, sieht in der „Stärkung der Rolle von Frauen in der Gesellschaft“ einen Schlüssel. "Wo die Gleichberechtigung fortgeschritten ist, sinkt die Bereitschaft, zu Hause auf die Frau einzudreschen“, betont Zadic. Raab verspricht „Gleichstellungspolitik auf allen Ebenen“.
 
Wie also rauskommen aus der Spirale der Gewalt? Mehr Geld, Ehe- und Familienrecht reformieren, Fallkonferenzen intensivieren, bessere Zusammenarbeit von Behörden und Organisationen, mehr Anti-Aggressionstraining für Männer, lauten einige der Vorschläge. Ob sie wieder in diversen Schubladen landen, wird sich zeigen. „Wir brauchen einen Gegenentwurf zur toxischen Männlichkeit. Hin zur Caring Masculinity“, fordert Haydn. Männer, die sich kümmern. Männer, die fürsorglich sind. Eine Selbstverständlichkeit, möchte man meinen. Für zu viele offenbar noch immer nicht.
 
Einen fürsorglichen Wochenstart wünscht

Kommentare (3)
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ASchwammerlin
1
6
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Die Wahrheit getraut sich wieder niemand auszusprechen

nämlich die importierte männliche Gewalt. Mehr als die Hälfte der Täter hatte Migrationshintergrund und kommt aus Ländern, in denen immer noch ein archaisches Rollenbild existiert, das Männern alle und Frauen kaum Rechte zugesteht (Afghanistan, Syrien, Ägypten, Irak) Zugegeben, es waren auch Einheimische unter den Tätern (Bierwirt), aber auch diese dürften ein ähnliche psychopathische Einstellung gegenüber Frauen in ihren kaputten Gehirnen tragen

mobile49
0
5
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90 minuten

zeitplan für ein so extrem wichtiges und brisantes thema .

derzeit kann man wirklich soooo vieles nicht glauben , was man zu hören und zu lesen bekommt .

ach ja , es ist ja kein wahltag in unmittelbarer .............. ironie off

mobile49
0
4
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anscheinend ist dieses thema auch

der "allgemeinheit" wurscht

und das ist das fatalste daran !