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MorgenpostAusruhn überm Abgrund

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Die Endzeit-Installation von Martin Roth im Kunsthaus Wien © KK
 

Guten Morgen!

Am Wochenende inmitten alter Papierberge ein vergilbtes Magazin zum 50er von Gerhard Hirschmann gefunden. Es ist eine Art Bilanzschrift, zusammengetragen von geistigen Wegbegleitern. Hirschmann, am Wochenende beigesetzt, verließ damals, 50-jährig, die steirische Politik. Das Heft trägt den Titel „Geht nicht, gibt's nicht. Tatkraft und Intellektualität in der Politik“. Beim Nachlesen bei einem Gedicht von Wolfgang Bauer hängengeblieben. Er hat es eigens für den Freund geschrieben. Ich reiche das rare Fundstück weiter, zugedacht allen, die sich an Weggabelungen befinden, von den Sondierern abwärts.

„Denk den Gedanken nicht bis an sein letztes Ende, (aus Angst, du könntest es nicht tun) auf dass die Qual dir Lust nun spende, dich überm Abgrund auszuruhn!“
 
Mit Dank für mutige Taten,
sehr herzlich,
Wolfgang Bauer, 2003

Gestern ein langer Wien-Tag, milder Herbst, man konnte noch auf Wolldecken im Freien sitzen, das taten viele. Hintergrundgespräche mit Verschwiegenheitspflicht, Quartalssitzung der APA, deren Genossenschafter die Zeitungen sind, Nachbesprechung des Wiener Salons mit Nationalbank-Präsident Robert Holzmann (weiblicheres Publikum!) und am Abend eine berührende Ausstellungseröffnung im KUNST HAUS WIEN. Eine Endzeit-Installation von Martin Roth.

Der Künstler, Sohn der bekannten steirischen Unternehmer-Familie, ist vor wenigen Monaten in seinem Lebensmittelpunkt und Schaffensraum New York unter tragischen Umständen verstorben. Er wurde 41. Die Eltern sind da, die junge Witwe, viele Freunde aus England, Amerika und aus Graz. Im Juni, wenige Tage vor seinem Tod, war Martin Roth in Wien, um die Ausstellung vorzubereiten, der Vater saß am Lenkrad. Sein Recycling-Unternehmen wirkte mit und steuerte den Schutt bei, zweieinhalb Tonnen schwer. Er füllt den Boden der Kunsthaus-Garage aus: apokalyptische Trümmerlandschaft, aus der zerborstene Teile antiker Statuen emporragen: ausgestreckte Unterarme oder bloße Hände. Dazwischen als Brechung das vereinzelte Grün blütenloser, wilder Pflanzen. Natur als Überlebende. Aus unsichtbaren Boxen sind Vogellaute zu hören. Sie imitieren technisch hergestellte Geräusche, die an Klingeltöne oder Sirenen erinnern: Abgesang menschlicher Zivilisation, die nur noch Nachhall ist und fernes Echo. „In October 2019 I listened to animals imitating humans“. So heißt die Ausstellung, Greta als Soundinstallation, nur halt dichter, erwachsener und vorausgedacht (Lesen Sie dazu im Blatt als Widerhaken den Anti-Apokalyptiker KP Liessmann).

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