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Formverlust der DemokratieMehr als eine Million Wähler rufen ihren eigenen Wahlsonntag aus

Das kollektive Hochamt ist keines mehr: Mehr als eine Million entziehen sich dem Wahlsonntag und rufen ihren eigenen aus. Ein Stil- und Formverlust der Demokratie.

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© APA/ROBERT JÄGER
 

Heute ist Wahltag. Wobei: Es ist nicht gesagt, dass man das noch so sagen kann. Das Wort suggeriert einen aus dem demokratischen Alltag herausgehobenen Tag, den man mit einer gewissen Festlichkeit gemeinsam begeht und dessen Ritus man als Kollektiv lebt und teilt, als sichtbares Zeichen bürgerlichen Wollens. Das drückte sich früher darin aus, dass sich die Wähler sonntäglich kleideten und der Fußweg zum Wahllokal einem Hochamt glich, dem ein feierlicher Ernst innewohnte. Der Gesetzgeber unterstrich ihn, indem er für diesen Feiertag der Demokratie ein Alkoholverbot erließ. Der Souverän sollte bei der Stimmabgabe bei Verstand sein und im Vollbesitz der geistigen Kräfte und Sinne.

Kommentare (17)

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hcandussi
4
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Sehr geehrter Herr Patterer!

"Vor diesem Hintergrund darf und muss man fernab kulturpessimistischer Spießigkeit bedauern, dass dieser stille, edle Imperativ eines gemeinsamen Formbewusstseins schleichend verloren geht, ..." ... weil - nicht zuletzt unterstützt von der Kleinen Zeitung - weitgehend sinnentleerte Rituale wie das Aufsteirern oder die Airpower an seine Stelle getreten sind.
Also: Wenn Sie in der Nutzung der Wahlkarte schon den beginnenden Untergang des alpinen Abendlandes erkennen, was ich für höchst überzogen halte, sollten Sie Ihre Botschaften eventuell selbst hinterfragen.
Noch erstaunlicher in Ihrer heutigen Sonntagsbotschaft ist nur der Hinweis, dass WahlkartenwählerInnen ihre Stimme schon abgegeben haben könnten, bevor der letzte Rülpser des Wahlkampfes verhallt ist. Vielleicht ist es besser, sich sein Urteil über die zur Wahl stehenden Parteien bereits während der Legislauturperiode zu bilden als in der "Phase fokussierter Unintelligenz"?

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Mein Graz
5
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Zu wählen ist das Recht des Österreichers.

Warum sollte es zelebriert werden? Ich habe auch das Recht auf einen Reisepass und gehe in Freizeitkleidung aufs Amt um einen zu beantragen. Ich habe das Recht, mich in Österreich aufzuhalten und das zelebriere ich auch nicht täglich mit Maßanzug bzw. Dirndl.

Ob ich meine Stimme am Wahlsonntag abgebe oder schon 2 Wochen vorher macht für mich kaum einen Unterschied: ich messe nicht an Worten (der Wahlwerbung, in Diskussionen) sondern an Taten aus den letzten Legislaturperioden.

Ja, ich entziehe mich vielleicht dem Wahlsonntag, nicht aber der Wahl - und das ist doch viel wichtiger, als ob ich in Jeans oder aufgebrezelt im Wahllokal erscheine. Dies überlasse ich den führenden Politbonzen, die sich dabei sehr gerne auch den Kameras stellen.

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ultschi1
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Online wählen

wäre wohl auch kein Problem.

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archiv
6
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Wahllokale in Gaststätten ..... - und Datenschutz?

Wie ist das mit den diversen "Videokameras etc." in einigen Wahllokalen?
Sind Aufnahmen/Aufzeichnungen am Wahltag in diesen Wahllokalen erlaubt?
Welche "Datenschutzmaßnahmen" in diesem Zusammenhang gibt es?

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lichtenberger
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Wahlkarten

Verstehe nicht warum man in Österreich nicht online wählen kann, wie in Lettland schon seit vielen Jahren

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VH7F
4
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Wahlgeheimnis?

Österreichische Lösungen finden fast immer Lücken im Datenschutz? Dafür müsste man das Amtsgeheimnis zur Gänze aufheben.

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wedef1
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Geschliffen Formulieren

Sind wir doch froh, dass es bei der Kleinen neben Patterer auch weitere Redakteure (Sittinger, Krause, Baumhackl, Melichar z. B.)gibt, die nicht nur einfach berichten, sondern auch noch mit der Deutschen Sprache umgehen können, und somit geschliffen und zum Teil auch hintergründig Formulieren können. Das macht doch einen Kommentar, eine Glosse abgesehen vom Inhalt nur lesenswerter.

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gerbur
6
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@wedef1

Das sind aber minimale Ansprüche an Zeitungsmacher, dass sie mit unserer Sprache "umgehen" können.

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Sehel1
5
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Vorbei

sind auch die Zeiten als man sich fein gewandet allsonntäglich in den Kirchen traf.
An der Form liegt nicht viel, ohne Inhalt ist sie tot.
Warum sollte das Wahlvolk inhaltschwerer und formidabler zur Sache schreiten als ihre Volksvertreter? Haben sie eine Freude am Wolf im Schafspelz, am in Form gegossenen jungen Wirtschaftsvertreter etc?
Meine hält sich in Grenzen. Könnte auch nackt zur Wahl schreiten, trau mich nur nicht, aber wählen gehe ich. Zum Feiern ist mir wahrlich nicht zu Mute. Schönen (Wahl)Sonntag noch.

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katmax
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Unterschiedlicher Informationsstand

Was den unterschiedlichen Informationsstand und den Verweis auf die Geschehnisse der letzten Woche betrifft: Die Wahlentscheidung sollte meiner Meinung nach weniger von der finalen TV-Diskussionen bzw. vom aktuellen facebook-Spot etc. beeinflusst sein sondern mehr von der längerfristigen Arbeit der Legislaturperiode. Also Leute, nicht verblenden lassen!

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gerbur
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Auf gehts Lemminge!

Kickl und Kurz warten schon auf Euch an der Klippe!

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VH7F
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Wahltag um 2 Wochen vorgezogen

Intensivwahlkampf damit gänzlich uninteressant. 2 Wochen kein österreichisches TV gesehen, es war schön.

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alberewrm
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Vor diesem Hintergrund darf und muss man fernab kulturpessimistischer Spießigkeit bedauern, dass dieser stille, edle Imperativ eines gemeinsamen Formbewusstseins schleichend verloren geht, weil der Imperativ und die Servicierung des Ich, das den pflichtbefreiten Sonntag hochhält, an seine Stelle getreten sind.

Ahhh, genau ...

Wie lange bastelt man an einem derartigen Satz und warum?

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Miraculix11
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Ein Profi wie Patterer bastelt nicht an so einem Satz

Der schreibt ihn so schnell wie jeden anderen.

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alberewrm
6
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"edle Imperativ eines gemeinsamen Formbewusstseins"

Ist tatsächlich professionell oder doch nur unnotwendig gespreizt?

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alberewrm
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Schade,

dass ich als Amateur ewig zum Lesen und Verstehen brauche. Aber mir geht der traditionelle Wahlsonntag mitsamt Kirchgang auch nicht ab.

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alberewrm
10
21
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Persönlicher Feiertag

Solange es nicht die Persönlicher Feiertag-Koalition wird, passt es.

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