Geschätzte Leserin,
geschätzter Leser!
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Das Bild hat uns der Kärntner Landeshauptmann Peter Kaiser vorenthalten, aber es existiert - wie Kaiser von EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker umarmt und geküsst wird. Letzten Donnerstag traf Kaiser mit Juncker in Brüssel zusammen. Es war nicht das erste Mal. Abgesehen von der herzlichen Begrüßung, die den EU-Kommissionspräsidenten ein etwas schrulliges Image verleiht, zeigte sich Juncker topinformiert. Er lobte Kärnten für die Bewältigung der Hypo-Heta-Haftungskrise und zeigte sich erfreut über die Entwicklung des Bundeslandes zu einem Hochtechnologie-Standort. Dank der finanziellen Unterstützung, die es für die Forschungsachse Süd - Burgenland, Steiermark, Kärnten - von der EU gibt, ist Südösterreich im europaweiten Ranking der Forschungs- und Entwicklungsregionen weit aufgestiegen. So ist Kärnten jetzt unter den Top-15 der 276 EU-Regionen; eine in Österreich wenig beobachtete, unterschätzte Entwicklung.

Auch bei anderen Österreich betreffenden Themen zeigte sich Juncker auf dem aktuellen Stand, wie den Nachnominierungen von Natura-2000-Gebieten in letzter Minute bzw. in den letzten Tagen des vergangenen Jahres. Ob das gegen Österreich eingeleitete Vertragsverletzungsverfahren eingestellt wird, konnte oder wollte Juncker dem Kärntner Regierungschef nicht sagen. Kaiser ist diesbezüglich jedenfalls optimistisch gestimmt aus Brüssel heimgekehrt.

Warum dieser Ausflug in der Morgenpost zu Juncker? Weil unser Brüssel-Korrespondent Andreas Lieb für heute ein großes Porträt über den EU-Kommissionspräsidenten geschrieben hat. Was waren Junckers Verdienste, was ist ihm nicht gelungen, was ist ihm misslungen? Der Luxemburger ist seit 2014 Präsident der EU-Kommission, der 31. Oktober wird sein letzter Arbeitstag sein. Er ist auf jeden Fall ein großer Europäer; der "Küsser-König" sei ihm nachgesehen. Morgen soll Junckers Nachfolgerin gewählt werden. Ob es Ursula von der Leyen schafft, ist ungewiss. Diese Zitterpartie analysiert Kollege Lieb heute ebenfalls.

Die neue Woche wird jedenfalls im Zeichen der EU-Politik stehen. In Brüssel entscheidet das EU-Parlament über Ursula von der Leyen. Und in Österreich soll am Donnerstag die neuerliche Nominierung von Johannes Hahn als EU-Kommissar über die Bühne gehen. Im Unterschied zu von der Leyen scheint die Mehrheit für Hahn im Hauptausschuss des österreichischen Nationalrates gesichert.

Eine angenehme, erfolgreiche Woche wünscht Ihnen
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Antonia Gössinger