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MorgenpostPflege kostet: Wer hat den Mut zur Wahrheit?

Der Morgenpost-Kommentar aus der Chefredaktion.

© APA/HARALD SCHNEIDER
 

Guten Morgen!

"Wenn sich das eine oder andere Jährchen noch ausginge, das wär fesch", pflegte der Vater zu sagen, als er mit etwas über sechzig wohlverdient in Pension ging und an die Lebenskurven seiner Elterngeneration dachte. In ein paar Tagen wird er 87. Er hört und sieht sehr schlecht und kann die Käfer nicht mehr erkennen, die sich zu Hunderten über seine Erdäpfelpflanzen im Garten hermachen und die Blätter kahlfressen, bis nur mehr die nackten Stängel übrigbleiben. Es kommt ihm langsam die Welt abhanden, daraus leitet sich seine niedrige Pflegestufe ab. Davon abgesehen verteidigt er sein Autarksein, auch dort, wo er an Grenzen stößt. Nicht viele in seinem Alter erfahren die Gnade, es tun zu können und fallen zurück in die Abhängigkeit und Hilfsbedürftigkeit von Kindern. Diese Umkehrung, das sind für alle harte Reziprozitäten, für die Pflegenden wie für die, die der Pflege bedürfen.

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