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Kommentar zu Özil-AbschiedJahrzehntelange Integrationsbemühungen im deutschen Fußball werden durch diese Geschichte gefährdet

Das Vorgehen des DFB gefährdet jahrelange Integrationsbemühungen in Deutschland. Özils Auftritt mit Erdogan war aber dennoch keine gute Idee.

 

Die Wogen gehen hoch, seit Fußballstar Mesut Özil verkündet hatte, der deutschen Nationalmannschaft den Rücken zu kehren. Seit dem umstrittenen Foto mit ihm und dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan fühle er sich vom Deutschen Fußball-Bund (DFB) im Stich gelassen und "rassistisch angefeindet".

Und tatsächlich war und ist das Vorgehen des DFB, unter Präsident Reinhard Grindel, untragbar. Vor der WM wurde der Vorfall totgeschwiegen, danach wurde in den Chor jener eingestimmt, die Özil für das frühe Ausscheiden verantwortlich gemacht haben. Der deutlichste Satz aus Özils "Abrechnung" macht betroffen: "In den Augen von Grindel und seinen Helfern bin ich Deutscher, wenn wir gewinnen, und ein Immigrant, wenn wir verlieren..." Damit spricht Özil wohl vielen Menschen mit Migrationshintergrund (und das nicht nur in Deutschland) aus dem Herzen, die sich nicht akzeptiert fühlen.

Özils Erklärung ist zu wenig

Schuldlos an der Affäre ist Özil aber nicht. Seine (viel zu späte) Erklärung bzw. Rechtfertigung für sein Foto mit Erdogan ist schlicht zu wenig und lässt zahlreiche Fragen offen. Zum Vergleich: Nationalspieler Ilkay Gündogan, der sich ebenfalls fotografieren ließ, gab noch vor der WM eine Erklärung ab. Dennoch: Wer sich offenen Auges für den Wahlkampf des türkischen Staatsoberhauptes missbrauchen lässt, der muss sich auch Kritik gefallen lassen. Das Vorgehen des DFB ist damit aber noch lange nicht zu rechtfertigen.

Der Vorfall hat eine Konsequenz, die viel dramatischer ist, als der Verlust Özils für das Team oder ein eventueller Rücktritt (Forderungen danach gibt es bereits) von Grindel. Die jahrzehntelangen Integrationsbemühungen und -erfolge im deutschen Fußball werden durch diese Geschichte gefährdet. Der DFB, der sich "Integration" seit jeher auf die Fahnen schreibt und mit Özil bislang ein Vorzeigebeispiel an der Hand hatte, hat seine Bestrebungen zu Lippenbekenntnissen werden lassen. Für den Sport ist das fatal. Denn die Einbindung von Jugendlichen mit Migrationshintergrund in Vereine kann ein wichtiger Beitrag zur Integration sein.

 

 

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