Atomsstreit mit NordkoreaKim erhöht den Einsatz

US-Präsident Donald Trump hat im Atompoker um Nordkoreas Atomwaffenarsenal den Bogen überspannt. Pjöngjang reagiert noch vergleichsweise mild. Aber was nun?

 

Es wirkte so schön: Nordkoreas Diktator Kim Jong-un wacht eines Morgens auf und ist ein völlig veränderter Mensch. Er sieht überall Friedenstauben und verspricht gleich, alle seine Atomwaffen zu verschrotten. In harmonischen Gesprächen mit dem Präsidenten der USA, gestern noch sein Erzfeind, gelobt er eine Öffnung des Landes.
Wer ihn so verstanden hat, muss alle Mitteilungen Nordkoreas durch die rosa Brille gelesen haben. Es war von Anfang an klar, dass Kim seinen Sonderstatus als Herrscher über eine Atommacht behalten will. Er hat allenfalls Konzessionen bei Waffenproduktion und -tests angeboten. Die USA haben ihm diese Andeutungen aus der Hand gerissen und sie gleich als Maximalangebot eines morgen schon atomwaffenfreien Korea gedeutet. Trumps Sicherheitsberater John Bolton hatte schon davor fabuliert, alle nordkoreanischen Massenvernichtungswaffen bald in die USA abtransportieren zu lassen.

Dabei lief Kims Begründung für das Angebot inhaltlich auf das Gegenteil hinaus: Das Entwicklungsprogramm sei abgeschlossen, die Waffenkammer gut gefüllt. Nordkorea sei jetzt eine Atommacht. Kim hat allerdings nie angeboten, vorhandene Bomben aufzugeben. Doch das Missverhältnis zwischen dem, was Kim bisher offeriert hat, und dem, was gerade die USA aus seinen Worten herausgehört haben, wurde in den vergangenen Wochen immer größer. Aus US-Sicht schien klar zu sein, dass die Nordkoreaner keine Wirtschaftshilfe erhalten, wenn sie ihr nukleares Arsenal nicht abbauen.

Trump hatte sogar schon damit geprahlt, dass er die Nordkoreaner praktisch im Alleingang bezwungen habe. Auch das ist eine Verhandlungsstrategie – aber eine ziemlich grobe.

Es war klar, dass Kim das nicht einfach schlucken würde. Wenn er das beste Geschäft für sich und sein Regime herausholen möchte, muss er auf diese öffentlichen Äußerungen der US-Führung allergisch reagieren. Alles andere wäre bereits ein Zugeständnis. Angesicht der Vorwegnahme eines diplomatischen Siegs der USA durch Donald Trumps Team erscheint es sogar erstaunlich, dass Nordkoreas Machthaber nicht viel heftiger geantwortet hat.

Es kann nun gut sein, dass Trump seinerseits hinschmeißt, um keine Verhandlungsmasse aufzugeben. Doch dann könnte der Friedensprozess in Nordkorea scheitern, bevor er überhaupt begonnen hat. Doch wahrscheinlich ist, dass der Prozess trotz allem weitergeht. Der Rückzieher vom Mittwoch bringt eher wieder etwas mehr Realismus in die Situation. Trump, der Geschäftsmann, kann Kim gegenüber immer noch Kompromisse machen, um zu einem Abschluss zu gelangen. Der wichtigste Faktor ist die Zeit: Abrüstung, ja – aber über wie viele Jahre gestreckt?

Kim kann immer dann zustimmen, wenn keine sofort überprüfbaren Ergebnisse gefordert sind. Schließlich kann er dann seine Meinung immer noch ändern und sein Atomprogramm unter einem Vorwand wieder anfahren.

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