FrauenlebenSelbst die UNO schaut nicht hin

Beschämend, dass im aktuellen Menschenrechtsbericht der UNO das Wort Frau gerade einmal 20 Mal vorkommt.

 

Die UNO hat eine lange Liste mit Verstößen gegen die Menschenrechte vorgelegt. In mehr als 50 Ländern weltweit sind die Rechte der Menschen bedroht oder werden brutal missachtet. Verantwortlich dafür seien „beschränkte“ Politiker, sagt der UNO-Hochkommissar für Menschenrechte Said Raad al-Hussein bei der Vorstellung seines Jahresberichts in Genf, just einen Tag vor dem Internationalen Frauentag. Das Wort Frau kommt in seinem ellenlangen Bericht gezählte 20 Mal vor. Das ist beschämend.

Kein Wort davon, dass Witwen in Indien von der Gesellschaft ausgestoßen werden, weil sie als unheilbringend gelten; mit dem Tod des Mannes verliert auch die Frau in den unterentwickelten Teilen des Landes ihr Leben. Kein Wort in diesem aktuellen UNO-Bericht von der Situation im Jemen, wo 62 Prozent der Frauen Analphabetinnen sind, Genitalverstümmelungen auf der Tagesordnung stehen und Vollverschleierung normal ist.

Kein Wort von Pakistan, wo das Leben von Mädchen wenig zählt und sogenannte „Ehrenmorde“ zum Alltag gehören. Kein Wort vom Tschad, wo selbst zehnjährige Mädchen zwangsverheiratet sind oder vergewaltigt werden, häufig von Soldaten der Armee.

In Jordanien, dem Land, aus dem der UNO-Hochkommissar stammt, sind nur 16,2 Prozent der Frauen berufstätig. Auch dort sind „Ehrenmorde“ normal, und die Täter werden selten strafrechtlich verfolgt. Im Iran ist die Frau per Gesetz weniger wert als der Mann; ohne Erlaubnis des Mannes erhält die Frau keinen Pass.

All diese Daten und Fakten stammen vom Global Gender Gap Report, der jährlich analysiert, in welchen Ländern der Welt es den Frauen am schlechtesten geht. Die UNO hat offenbar nicht hineingeschaut. Im Bürgerkriegsland Syrien werden Frauen willkürlich verhaftet, gefoltert, vergewaltigt. Im aktuellen UNO-Bericht ist Syrien zwar ein großes Thema, es geht um die Belagerung von Ost-Ghouta, wo 400.000 Zivilisten ums Überleben kämpfen. Dass es sich bei der Mehrheit um Frauen und Kinder handelt, wird nicht gesagt.

In der Elfenbeinküste sind 40 Prozent aller Frauen genitalverstümmelt, im Norden des Landes sogar 85 Prozent. Kein Wort von Mali, wo Zwangsehen und Genitalverstümmelung zum Leben der Frauen gehören. Die gute Nachricht: Österreichs Außenministerin macht nun eine Million Euro für Hilfsprojekte in Afrika für weibliche Opfer von Genitalverstümmelung locker.

Sogar dem UNO-Hochkommissar ist die Genitalverstümmelung in seinem Bericht einige Sätze wert. Selbst die „MeToo#“-Debatte wird in einem Absatz abgehandelt. Es wäre also unfair, ihm zu unterstellen, Frauenthemen kämen gar nicht vor. Aber es ist beschämend, dass der Experte für Menschenrechte schlussfolgert: „Es braucht Courage, um für Frauenrechte aufzustehen.“ Was es braucht, sind UNO-Hochkommissare, die einfach dort hinschauen, wo Frauen leiden, denn diese haben ohnehin die schlechteste Lobby.

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