Harter Schlag Meghan & Harry gegen das Königshaus: Ein Krieg der Welten

Das Interview mit Harry und Meghan ist ein harter Schlag für das englische Königshaus. Aus den Angeln hebt es die Monarchie auf der Insel aber nicht.

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Die Sussexes fallen aus dem königlichen Rahmen
Die Sussexes fallen aus dem königlichen Rahmen © AFP
 

Dieser Schlag hat gesessen. Diese Worte verwinden die Royals nicht so leicht. Vor einem globalen Millionen-Publikum haben Königin Elizabeths Enkel Harry und dessen Frau Meghan, mit etwas Hilfe von Oprah Winfrey, ihr Herz ausgeschüttet über „die Firma“ und über den Rest der Familie in London. Über das, was ihnen dort widerfahren ist. Was sie zum Aufbruch in die Staaten, zur Flucht aus dem Vereinigten Königreich zwang.

Allerlei hat man, in der lang und bang erwarteten Talkshow Winfreys mit Meghan und Harry, zu hören bekommen. Dass Meghan verzweifelt war; dass die Familie sie nicht gegen üble Attacken in Schutz nahm; dass Prinz Charles, als sich sein Sohn Harry bei ihm beklagen wollte, nicht ans Telefon ging.

Am Ende blieb dem Paar nur ein radikaler Akt der Selbstbefreiung. So weit die Story dieses Interviews, verkauft in über 70 Länder der Erde. Was von der großen Oprah-Show Melodramatik war und was berechtigte Bitterkeit über die Behandlung der „Sussexe“ in London: Das sucht man nun mühsam auseinander zu klauben in einem verdatterten Königreich.

Rolle der Frauen

Viel Zweifel hat jedenfalls niemand daran, dass Meghan auf rassistische Töne stieß in „der Firma“, bei Teilen der britischen Presse und vor allem in den sozialen Medien, nach ihrer Ankunft bei den Windsors. Und besonderen Respekt für Frauen, die sich von vorgegebenen Rollen absetzen wollten, hat die britische Monarchie eh nie gehabt. Das war schon Kern des Diana-Dramas, das Meghan nun in Erinnerung ruft.

Für ein Königshaus, das bis heute äußerst traditionellen Vorstellungen von Pflicht, Selbstverleugnung und Unterordnung verhaftet ist, war eine ehedem selbständige US-Filmschauspielerin, die von ihrem Celebrity-Status nicht lassen wollte, eh von Anfang an eine Herausforderung gewesen. Hollywood und Glanz-Auftritte auf der „großen Bühne“, jenseits zugewiesener Kron-Verpflichtungen, waren für Familienmitglieder aus der „zweiten Reihe“ schlicht nicht eingeplant.

Royale Fehltritte: Die größten Skandale im britischen Königshaus

Mit dem Interview, das sie der BBC 1995 gab, erschütterte die 1997 tödlich verunglückte Prinzessin Diana vor 26 Jahren die Monarchie. Über 200 Millionen Menschen verfolgten weltweit, wie sie ungewöhnlich offen über das Verhältnis ihres Gatten Charles mit Camilla Parker-Bowles und ihre eigenen psychischen und gesundheitlichen Probleme sprach. Elizabeth II. soll empört gewesen sein, dass ihre Schwiegertochter außerdem Charles’ offen Tauglichkeit
für den Thron anzweifelte.

(c) AP

In der Ehe lief es scheinbar davor schon gar nicht rund: 1996 kam es zur Scheidung zwischen Prinz Charles und Diana. Bereits sieben Jahre davor drang ein sehr unangenehmes Telefonat des Prinzen mit Camilla an die Öffentlichkeit. 

Die Sager des Queen-Gatten bei offiziellen Auftritten, die oft in Beleidigungen mündeten, füllen Bücher. Derzeit erholt sich der 99-Jährige nach einem Eingriff im Spital, wo er nicht viel Aufhebens um seine Person will.

(c) AFP (VICTORIA JONES)

Auch Prinz Harry sorgte in der Vergangenheit bereits für Schlagzeilen: Bei einer Faschingsparty 2005 schlug der Prinz besonders über die Stränge. Er erschien in einer Nazi-Uniform mit rot-schwarzem Hakenkreuz am Oberarm.

Prinz Andrew musste sich 2019 wegen seiner Freundschaft mit dem US-Sexualstraftäter Jeffrey Epstein zurückziehen. Ihm wurde vorgeworfen, Sex mit einer 17-Jährigen gehabt zu haben, die von Epstein dazu gezwungen worden sein soll.

Prinz William scheint hingegen ein richtiger Vorzeige-Enkel der Queen zu sein. Trotzdem leistete auch er sich einen Fauxpas: 2017 wurde er dabei erwischt, wie er im Skiurlaub mit seinen Kumpels einen Tanz mit einem australischen Model wagte.

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Dass sich in einem so starren Rahmen keine Kompromisse finden, dass keine Teilzeit-Rollen zur Verfügung stehen würden, war schon im Vorjahr, als Harry und Meghan nach einer Alternative zum Leben bei Hofe suchten, schnell abzusehen. Nun haben die „abtrünnigen“ Royals den Bruch auch bildlich vollzogen, auf spektakuläre Art.

Gegensatz der Kulturen

Ihre neue Basis, in den USA, hebt den Gegensatz der Kulturen nur noch deutlicher hervor, die sich da aneinander stoßen. Hier ein durchaus amerikanischer Anspruch auf Selbstverwirklichung, auf persönliche Geltung, auf finanziellen Erfolg. Dort die „alte Welt“ der Windsors, die einen solchen Ehrgeiz und überhaupt private Bedürfnisse in ihren grauen Mauern immer erstickte – wie man schon aus der TV-Serie „The Crown“ zur Genüge weiß.

Großes Interview bei Oprah: Seelenschau von Harry und Meghan

Das Interview von Herzogin Meghan und Prinz Harry brachte nicht die befürchteten persönlichen Angriffe auf die königliche Familie. Trotzdem schockierte das Paar mit einem Blick hinter die Kulissen des Systems Königspalast. Ausgewählte Zitate zu Fotos von Harry und Meghan.

(c) AFP (JUSTIN TALLIS)

"Meine größte Sorge war, dass sich die Geschichte wiederholt."

(Harry über Parallelen beim tragischen Tod seiner Mutter Diana zu der Behandlung seiner Frau Meghan)

(c) AFP (ADRIAN DENNIS)

Es habe Bedenken und Gespräche darüber gegeben, "wie dunkel seine Haut sein könnte, wenn er geboren wird."

(Meghan über Rassismus gegenüber ihr und ihrem Sohn Archie)

(c) AFP (JOE PUGLIESE)

"Sie haben von Beginn unserer Beziehung an angegriffen und so sehr zum Rassismus aufgewiegelt, deshalb hat sich unser Risiko verändert."

(Meghan über Rassismus der britischen Boulevardmedien)

(c) AFP (JOE PUGLIESE)

"Ich fühle mich wirklich im Stich gelassen, weil er durch etwas Ähnliches gegangen ist."

(Harry über die Enttäuschung gegenüber seinem Vater Prinz Charles)

(c) AFP (DANIEL LEAL-OLIVAS)

"Ich kenne die Institution (Monarchie) nicht, deshalb wurde uns gesagt, wir sollen schweigen."

(Meghan zu Einschränkungen ihres Lebens durch den Palast)

(c) AFP (DOMINIC LIPINSKI)

"Ich habe aber das, was meine Mutter mir hinterlassen hat. Und ohne das hätten wir das nicht geschafft."

(Harry über seine finanzielle Situation, nachdem der Königspalast die finanzielle Unterstützung für ihn einstellte)

(c) AFP (DANIEL LEAL-OLIVAS)

"Ich wollte einfach nicht mehr am Leben sein. Ich dachte, es würde die Situation für alle lösen."

(Meghan zu ihren Selbstmordgedanken angesichts des immensen Drucks im Königshaus)

(c) AFP (JOHN STILLWELL)

"Ich denke, das Highlight für mich ist, ihn hinten aufs Fahrrad auf seinen kleinen Kindersitz zu setzen und ihn auf Radtouren mitzunehmen."

(Harry über seine Lieblingsbeschäftigung mit Sohn Archie)

(c) AFP (BEN STANSALL)

"Es ist ein Mädchen."

(Harry darüber, dass Meghan und er nun ein Mädchen erwarten)

(c) AFP (ADRIAN DENNIS)
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Ganz unkritisch sehen auch viele Briten diesen Szenenwechsel natürlich nicht, den Oprah Winfrey so perfekt inszenierte. Dass „die Sussexe“ ihre Assoziation mit der Krone für ein neues Leben lukrativen Medien-Entertainments nutzen wollen, stößt auch in Harrys alter Heimat manchen Leuten bitter auf.

Ihre royalen Titel hätte man beiden „Aussteigern“ schon lange nehmen sollen, hört man immer wieder. Auch dass ein Paar, das in solchem Luxus lebt, vor einem weltweiten Publikum derart selbstbezogen über seine Kümmernisse klagt, hat Fragen laut werden lassen. Zumal in einer Welt grotesker Armut und echter Katastrophen, die sich abspielen jenseits gepflegter kalifornischer Gärten oder der Mauern des großen Windsor-Parks.

Kritik

Unverständlich bleibt Kritikern des Königshauses freilich, warum die Windsors nun wieder zu den ältesten und gröbsten Mitteln gegen die neue Herausforderung greifen und eine Art Schauprozess gegen Meghan veranstalten wollen, wegen angeblicher Schikanen und Ruppigkeiten. Das verschärft nur, statt entstandene Klüfte zu überbrücken, die Konfrontation.

Schlimm genug, finden reformwillige Royalisten, dass man die einzigartige Chance verspielt habe, eine verkrustete Monarchie mittels Meghan und Harry aufzufrischen, ihr eine globale Note und neue Multikulti-Vielfalt zu verleihen. Auch der Rest der Nation weiß schließlich, dass die demnächst 95-jährige Elizabeth II. nicht auf alle Ewigkeit auf dem Thron sitzen wird, und dass Kronprinz Charles wenig populär ist im Lande, und gestern nicht gerade populärer geworden ist.

Ein Schlag allein hebt eine britische Monarchie natürlich nicht aus den Angeln. Britische Republikaner freuen sich aber begreiflicherweise über die Zerwürfnisse, die sich „die Firma“ jetzt leistet – während sich der Rest der Welt auf Windsor-Kosten amüsiert und von dieser Seifenoper nicht lassen will.

Kommentare (16)
Nixalsverdruss
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Ich bin echt neidisch...

.... auf Oprah Winfrey: 7,5 Mio. Dollar für diesen Schwachsinn!
Kompliment - so macht man Geschäfte!

bluebellwoods
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Abnabelung sieht anders aus

Dafür, dass die "Firma" ach so böse ist, nimmt diese ex-seriendarstellende Drama-Queen das Geld, welches sich mit dem Namen lukrieren lässt dann doch sehr gerne. Aber als Schauspielerin weiß sie eben wie gut sich Geld mit Drama machen lässt.

gmirakel
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Krieg?

Ich bin zwar kein Royalist, gebe aber zwei Tatsachen zu bedenken: Harry hat jahrelang in Afghanistan den Kopf hingehalten. Ein Mitglied des Königshaused, ich glaube es war Philipp, sagte folgendes: Mit Schauspielerinnen geht ma aus, aber man heiratet sie nicht.

Flodur53
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Meghan & Harry

Das ist Unterste Schublade. Wollten sie nicht eigentlich
in Ruhe fernab der Medien leben?

wildkraut
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Geld stinkt nicht

selten hat eine Schauspielerin in so kurzer Zeit soviel Geld verdient

miranda02
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Keine Bühne

Ja bei den Royals hatte die gute keine Bühne für sich

Nixalsverdruss
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Haben Sie schon gehört ...

... meine Nachbarin fühlt sich vom Bruder ihrer Schwiegermutter gemobbt,
und jetzt findet in der Nachbarschaft eine Abstimmung statt, ob die Schwiegermutter oder meine Nachbarin im Recht ist ....

So ähnlich nehme ich das in der Presse wahr - also ein typischer Fall von einem Sack Reis, der in Großbrittanien umfällt...

Civium
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Meine Tante Resi hat mir geschrieben, dass sie heuer eine andere

Salatsorte setzen will, hoffentlich wird er was!!!

Nixalsverdruss
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Na dann viel Glück, ...

... Deiner Tante Resi! Hoffe es werden nicht alles Krautköpfe - davon haben wir schon genug!

melahide
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Also

was die Meg da von sich gab ...das waren eindeutige Prinzessinnen-Probleme

Civium
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Er sollte etwas mehr Respekt vor seiner

Großmutter haben , sie ist 95 Jahre alt und nicht nur das Staatsoberhaupt von Grossbritannien, dem Land dem er zu Zeit weiteren Schaden zufügt!!!

plolin
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Warum?

Er hat nichts Schlechtes über die Queen gesagt. Im Gegenteil!

Civium
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Aber er spaltet das Land!!

Sie ist das Oberhaupt dieses Landes , das sie seit 71 Jahren repräsentiert !!
Vor dieser Frau zieh ich meinen Hut, sie hat alles ertragen und hat sich auch mal Lust gehabt den Hut drauf zu hauen,,
Im Gegensatz zu seiner Grossmutter ist er eine Mimose und die Schauspielerin nützt das aus!!

MISS_S
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Ohne dem Land.....

Wäre er nix und hätt a des Puppal net.

Civium
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Sicher hätte sie ihn nicht geheiratet wenn er ein

Arbeiter aus Bradford wäre!!!
Umgekehrt hätte er sie auch nie kennen gelernt wenn er es gewesen wäre!!

Civium
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Und das Land was ihm

bisher ernährt hat!!