Der jamaikanische Dancehall-Musiker Sean Paul hat mitsamt Live-Band und zwei Tänzerinnen am Samstag die Ischgler Wintersaison eröffnet. Für die rund 13.000 Zuhörerinnen und Zuhörer am Konzertgelände bei der Silvrettabahn-Talstation kredenzte der 49-jährige eine Mischung aus alten Hits und neuen Songs, Powackelaufforderungen inklusive.

Man muss sich Sean Paul gewissermaßen wohl als ungekrönten Feature-Kaiser vorstellen. Sowohl Beyoncé als auch Sia oder Gwen Stefani haben ihm beispielsweise im Laufe der Jahrzehnte ihre Stimmen geliehen, während er mit einer fast schon sturen Kontinuität an seinem mit hohem Wiedererkennungswert versehenen Gesangsstil festhält.

Ebenjene Merkmale seiner musikalischen Beharrlichkeit waren auch in Ischgl omnipräsent. Unterstützt von einer Videoleinwand kam man dadurch nicht umhin, den dort häufig zu sehenden, zerstückelten Videoclips aus seiner Vergangenheit zu folgen und den einen oder anderen Nostalgieschub dankbar anzunehmen.

Dass Sean Paul aber trotzdem kein reiner Nostalgie-Act ist, bewies er vor allem durch erhebliche und durchaus mitreißende Bewegungsfreude, hohes musikalisches Engagement und vor allem dadurch, dass sich Songs aus seinem aktuellen Album "Scorcha", das aktuell für einen Grammy nominiert ist, nahtlos in sein bisheriges Tun und Wirken einreihten. Altersbedingte Ermüdungserscheinungen waren insgesamt jedenfalls keine auszumachen.

Tatsächlich nahm die Vermengung von Vergangenheit und Gegenwart des Phänomens Sean Paul stattdessen im Laufe des rund 90-minütigen Konzertes immer mehr an Fahrt auf. Akzeptierte man etwa die bereits zuvor feststehende Tatsache, dass Beyoncé wohl nicht mit ihm "Baby Boy" schmettern würde, sondern deren Stimme fast schon geisterhaft zugespielt wurde, erwies sich Sean Paul auch als "Solo-Act" ohne weibliche Live-Gesangsunterstützung als überaus tragfähig.

Die Konzertbesucher, die sich zum Teil schon am Nachmittag in den Ischgler Aprés-Ski-Bars auf den Gig eingestimmt hatten, dankten ihm mit kräftigem Applaus. Glückliche Gesichter im Publikum belegten jedenfalls: Die Ischgler Wintersaison war mit einem Act eröffnet worden, der sich als Volltreffer für die Post-Corona-Feierfreude erwies.