"Falter"-Chefredakteur Florian Klenk (48) nicht hinterm Schreibtisch, sondern auf der Leinwand. Das hat seinen Grund in seiner Berichterstattung über ein umstrittenes Urteil, bei dem ein Landwirt für die tödliche Kuhattacke auf eine Touristin verantwortlich gemacht wurde. Klenk unterstützte das Gerichtsurteil. Dem steirischen Bergbauern Christian Bachler passte diese Meinung gar nicht. Er äußerte seinen Unmut auf Facebook, attestierte dem ‚arroganten Oberbobo‘ fehlende Ahnung über die heimische Landwirtschaft und erntete dafür knapp 200000 Klicks.

Das Video der Wutrede gab Klenk zu denken. Nur wenig später vereinbarte der Journalist ein Treffen mit Bachler und begann ein Praktikum auf dessen hochgelegenen Bauernhof in der Krakauebene. In den Folgejahren entstand eine Freundschaft zwischen den zwei ungleichen Eigenbrötlern, die von Klenk selbst bereits in Buchform dokumentiert wurde.

Die filmische Variante des modernen Märchens läuft ist in den österreichischen Kinos angelaufen. ,,Der Doku gelingt es mit Humor der Gesellschaft über die Gesellschaft zu erzählen, ohne herabzublicken“, so Klenk bei der Uraufführung am Mittwoch im Wiener Gartenbaukino. ,,Wir starten in 51 Kinos“, freute sich Regisseur Kurt Langbein gleich zu Premierenbeginn. Im Anschluss an das Screening wurde das gesamte anwesende Filmteam auf die Bühne gebeten.

Das Gespräch mit den zwei Protagonisten wurde von ORF-Moderatorin Barbara Stöckl geführt. Der sympathische Bergbauer trug einen Pulli mit der Aufschrift "Ackerdemiker mit Niveau". Wie er erzählte, habe ihm das Kleidungsstück ihm schon bei einer Spendenaktion Glück gebracht, mit Hilfe derer die geplante Versteigerung seines Grundstücks verhindert werden konnte. Dem Premierenpublikum gab er einen Ratschlag mit: ,,Jeder sollte sein Einkaufsverhalten hinterfragen“, meinte Bachler in Bezug auf die ungewissen Zukunftsperspektiven der Bauern.