Wir LeserOhne Scheuklappen

Kolumne von Josef Graßmugg, Mitglied des Leserforums

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Körperwelten, eine Ausstellung, deren emotionale Bandbreite von Begeisterung bis Ekel reicht. Aber diese Schaustücke gibt es! Es war meine Entscheidung, sie mir anzusehen. Unmittelbar danach ging es zum ersten Treffen des Leserforums. Würde dem Journalismus Genüge getan, nur von Dingen zu berichten, die jedem gefallen? Hat er nicht die Aufgabe, Geschehnisse von allen Seiten zu betrachten und objektiv darüber zu informieren?

Betriebsblindheit ist kein berufsspezifisches Phänomen. Warum sollten nicht auch Journalisten davon betroffen sein? Es ist also nachvollziehbar, ein Leserforum zu installieren. Die Mitglieder bilden ein Sammelbecken für Kritikpunkte und Verbesserungsvorschläge zum Produkt Kleine Zeitung. Geleert wird dieses Becken gemeinsam mit der Chefredaktion. Mein Wunsch nach einer Lyrik-Leiste - z. B. wöchentlich ein Gedicht - befindet sich bereits in dieser Sammlung. Nicht jeder wird davon begeistert sein. Aber auch von den Körperwelten ist nicht jeder begeistert. Wenn auch Sie Vorschläge haben, lassen Sie es mich wissen!

josef.grassmugg@leserforum.at

Kommentare (1)

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zweigerl
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Lesenswert?

Lyrik?

Neben den Gedichten als Kleinodien großer sprachlicher Handwerkskunst gibt es die anderen, „modernen“, die bloß eine Plattform für unstrukturierten Ausdruck darstellen. „Poetizität“ ist keine Lesehaltung, mit der man an eine Tageszeitung herangeht.
Goethe verlangte vom Gedicht, dass es nicht selbsterklärend sei:
„Bilde, Künstler, rede nicht,
Nur ein Hauch sei dein Gedicht.“
Zeitungen sind Foren direkten Sprechens. Sie sollen das Problem auf den Punkt bringen.
Der Tatbestand des mäßig Mitreißenden von Gedichten lässt sich schwer leugnen. Ich gebe Ihnen ein Beispiel. 2015 erhielt Verena Stauffer den „Rotahorn“-Preis mit folgenden Verszeilen:
„Meine Brüste zittern beim Denken,
Ich denke an zartgrünen Zucker
Und Zweifel (Zwiebel?) die vieles bedingen
In zarten zäh zuckenden Zeiten.“
Na? Immerhin wird die (fehlerhafte) Interpunktion durch Alliteration kompensiert. Dennoch finde ich, dass die Zeitung keine Spielwiese ist für solch‘ sprachliche Kryptizismen ohne den mindesten Aussagewert.

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