Adventgeschichte ISophie Reyer: Höhen

„Es ging, wie ich begriff, in dem Text sinngemäß darum, dass die Letzten von Gott erhöht werden würden. Mein Tag war gerettet.“

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© Margit Krammer
 

Manchmal, wenn es im Winter Flocken regnet, sind die Tage durchsichtig, das wusste ich schon als Kind. Je kürzer sie dauern, desto klarer leuchten sie. Sie haben eine komische Milde und hinterm Haus liegt dann immer ein Geheimnis. Es ist, als würden diese Tage sich selbst durchschauen. Sie sind transparent, sind wie aus Pauspapier. Ich erinnere mich: Ich hatte viele solcher Wintertage. Nicht alle waren gut. Gut waren die für mich, die dunkel waren. Denn die Dunkelheit machte die Tage klar. Sie gefielen mir am besten. Sie waren grau, sie dehnten sich. An solchen Tagen hat man immer Hunger und möchte an der Heizung hocken. Diese Tage erwarten die Nacht. In meiner Kindheit verbrachte ich diese Tage glücklich und mit einer Menge Bücher. Ich mochte sie, wie sie die Nacht empfingen. Ich trank dann den ganzen Tag Früchtetee und hockte vor dem Fenster. Ich träumte. Leider aber gab es auch andere Tage. Die zum Beispiel, an denen wir Ski fahren mussten. Ich war darin nicht besonders gut.

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