Sie drehen TV-Serien, touren derzeit zum fünften Mal durch den deutschsprachigen Raum, machen Podcasts, schreiben Bücher, halten Vorträge auf Hochschulen, trainieren Hunde und Hundetrainer - haben Sie eine Phobie vor Langeweile?

MARTIN RÜTTER: (Lacht) Ja, das ist eine schöne Formulierung, die übernehme ich für die Zukunft. Vor vielen Jahren wurde ich gefragt, wenn du ein Hund wärst, welcher wärst du? Ich wäre ein Hütehund-Terrier-Mischling. Der Hütehund zeichnet sich dadurch aus, dass er gerne arbeitet, aber auch die Abwechslung braucht. Und ein Terrier, wenn der etwas will, dann will er das wirklich und dann bleibt er auch dran. Das ist wie in meinem Leben. Ich kann Urlaub machen, abschalten, aber im Kern bin ich jemand, der angetrieben ist und Lust hat, Dinge umzusetzen, der schnell neue Ideen entwickelt. Und ich genieße diese Abwechslung sehr. Denn das ist schon ein krasser Wechsel, dass man Freitag Abend vor 10.000 Leuten auf der Bühne steht, am Samstagmorgen mit der versteckten Kamera und dem Tierschützer (Anm.: Jan Pfeifer) irgendwelche Schweinereien aufdecke, und am Sonntag in einer Quizshow im deutschen Fernsehen sitze.

Wird Ihnen das nie zuviel?

Die große Kunst ist es, ein gutes Team zu haben. Und ich habe ein wahnsinnig gutes Team, ich kann gut delegieren, habe auch keinen Kontrollwahn, ich mache genau die Sachen, die ich gut kann.

Sie hatten mit 37 ein lebensveränderndes Erlebnis, Sie sind am Broken-Heart-Syndrom erkrankt. Wie war das damals – und hatte das Folgen?

Es war damals wirklich sehr, sehr knapp. Es wäre noch knapp drei Minuten weitergegangen und dann hätte der liebe Gott mich geholt. In dem Moment war mir nicht klar, was die Problematik ist. Ich hab mir eingeredet, du arbeitest zu viel, aber das war gar nicht das Thema. Das Thema war, dass ich es nicht geschafft habe, im Hier und Jetzt zu sein. Wenn ich im Auto saß, habe ich parallel den Laptop am Schoß gehabt, Mails beantwortet, gleichzeitig mit den Kindern telefoniert (zwei Buben 19, 23 und drei Mädchen 15, 16, 18 Jahre). In der Arbeit hatte ich ein schlechtes Gewissen den Kindern gegenüber und umgekehrt. Ich konnte meine Gedanken nicht so richtig sortieren und das hat mich irgendwann überfordert. Der Körper hat dann gesagt, jetzt ist mal eine Pause angesagt. Ich arbeite heute noch genau so viel, vielleicht mehr als damals, aber ich bin ganz anders strukturiert und emotional anders aufgestellt. Daher fehlt mir die Fantasie, dass ich so eine Krankheit nochmals kriegen könnte.

Offizielles Tourplakat
© cmyk/Martin Rütter

Welches Thema brennt Ihnen derzeit am meisten auf der Seele?

Ich kann mich an keine Lebensphase erinnert, wo ich selber das Gefühl hatte, die Welt wackelt so stark. Jetzt kann ich aber nicht die Welt retten. Deshalb fokussiere ich auf auf Themen, wo ich weiß, da kann ich etwas erreichen - und das ist das Thema Welpenhandel und allgemein die Frage der Tierhaltung. Nach wie vor werden in Europa Tiere unter elendigsten Bedingungen produziert, und das muss aufhören. Auch in West-Europa. Die Leute sind immer überrascht, wenn ich das sage. Wir sind in Deutschland so bescheuert, dass sich massenweise Welpen beim Zoofachhändler stapeln (Anm.: in Deutschland ist der Verkauf von Hundewelpen im Zoofachhandel gesetzlich nicht verboten). Dass das in Deutschland noch erlaubt ist, ist eine Peinlichkeit für eine Zivilisationsgesellschaft. Die Welpenstube Winkel hat 180 Welpen sitzen, wie wenn Obst gestapelt wird: Das bedeutet schlimmes Tierleid, katastrophale Zustände. Diese Hunde werden in Ungarn in Massenproduktionsstätten hergestellt, die Eltern haben in fünf, sechs Lebensjahren nicht einmal Tageslicht gesehen, sind meist angekettet, oft so kurz, dass sie die Welpen im Sitzen säugen müssen. Die Welpen werden viel zu früh weggeholt. Es ist absurd, 180 Welpen in einen Verkaufsladen zu legen und zu glauben, die könnten sich gesund und normal entwickeln. Das muss man den Menschen immer wieder erklären. Und das ist der Grund, weshalb ich Reportagen drehe, darüber rede und auch nicht locker lasse. Ich werden derzeit massiv bedroht, auch juristisch. Aber ich lasse nicht locker, weil ich rechtlich sowieso auf der sicheren Seite bin. Ich erzähle ja keine Unwahrheiten. Aber es ist schon krass, wie aggressiv diese Leute dann reagieren.

Für Aggression auf beiden Seite sorgt auch das Stichwort Qualzucht: Ein Mops mit Atemnot, Dackel mit Bandscheibenproblemen, Zwerghundezüchtungen mit Wasserköpfen, taube, blinde Merle-Hunde, dafür mit hübsch geschecktem Fell. Wie krank ist es, was Menschen Tieren antun?

Es ist ganz pervers, weil wir ja eigentlich das Tierschutzgesetz haben, das es verbietet, einem Tier Leid anzutun. Aber wir züchten mit genetisch derart degenerierten und deformierten Hunden, dass wir hundertprozentig sicher sind, es können keine gesunden Welpen herauskommen. Aber es wird trotzdem getan. Und wenn du dann sagst, schau mal, der Hund ist doch krank, hör mal wie der atmet, wenn dann jemand antwortet, nö, das ist ganz normal - so jemand belügt sich selbst. Das ist wirklich krank und gehört verboten. Das heißt aber nicht, dass ich jeden verurteile, der sich so ein Tier kauft, denn viele sind einfach uninformiert. Ich bekomme jedes Jahr hunderte Zuschriften von Menschen, die mir schreiben: 'Ich musste erstmal schlucken, weil du das so hart gesagt hast, aber jetzt, wo ich es sehe, weiß ich genau, wovon du redest. Und ich würde mir nie wieder so einen Hund anschaffen!' Laut einer Studie haben 50 Prozent der Dobermänner eine genetische Herzerkrankung, die sie im Alter von drei bis vier Jahren sterben lässt - das muss man als absoluten Irrsinn bezeichnen. Diese Studie wurde an der Uni Leipzig an mehr als 2500 Dobermännern durchgeführt. Und der Dobermannverband sagt, das wäre eine Phantasie. Menschen stellen ihre Bedürfnisse über die eines Lebenspartners, und das ist ja wirklich asozial.

Welches Bedürfnis des Menschen steckt hier dahinter?

Es geht rein um die Optik. Also bei der Französischen Bulldogge, dem Cavalier King Charles Spaniel, dem Mops ist es das Kindchenschema, der runde Kopf, die viel zu großen Augen. Diese elterlichen Bedürfnisse über einen Hund zu stellen, aber zu ignorieren, dass er krank ist und gar nicht gesund sein kann, ist Wahnsinn. Ein Old English Bulldog kann häufig die eigenen Welpen nicht mehr auf natürlichem Wege gebären, weil die Geburtskanäle zu schmal sind. Und dass hier ein Kaiserschnitt von vornherein einkalkuliert wird, da muss einem ja der gesunde Menschenverstand sagen, dass wir da auf dem falschen Weg sind.

Sie sind ein klassischer Quereinsteiger: Sie haben Sport studiert, sind dann geswitcht und haben mit 25 Ihre erste Hundeschule eröffnet. Ist das eine Gabe, die man lernen kann, Tiere lesen zu können oder ist das angeboren?

Meine größte Stärke ist und war es schon immer, Menschen einschätzen zu können. Als Jugendlicher habe ich in Gruppen genau lesen können, wen muss man ernst nehmen, wen nicht, wer hat welche Aufgabe, ist in welcher Rolle wie aufgehoben. Und diese Tendenz, diese Fähigkeit, eine Gruppe genau beobachten zu können und zu wollen und Spaß daran zu haben, die ist erstmal so da. Und dann bin ich jemand, der viel intuitiv und aus Bauch heraus macht, aber auch sehr fleißig und neugierig ist. Ich lerne immer wieder dazu, beschäftige mich sehr intensiv mit wissenschaftlichen Studien, bin sehr gut vernetzt, weil ich selber auch Vorträge halte an Tiermedizinischen Hochschulen und Universitäten für Verhaltensbiologen. Dadurch bekomme ich auch selber immer wieder Studien zugeschickt – es ist eine Kombination aus all dem.

Stehen Sie auch noch am Platz und unterrichten?

Ich hatte in der Hochphase rund 500 Hunde pro Jahr im Training, derzeit bin ich bei 35 Hunde im Jahr, etwa 25 davon werden mit der Kamera begleitet, die anderen zehn sind bei Trainerfortbildungen, wo unsere Trainer die für uns spannendsten, intensivsten Fälle des Jahres mitbringen können, die wir uns dann gemeinsam ansehen und eine Einschätzung abgeben.

Wie teilt sich ihr Coaching zwischen Mensch und Hund auf? An welchem Ende der Leine hängt öfter das wahre Problem?

Zu einhundert Prozent schulen unsere Trainer die Menschen, nicht die Hunde. Man kann den Hund nicht bei uns abgeben und wir sagen, wir reparieren das mal. Ich muss immer lachen: Aus der Hundesportszene werde ich so oft kritisiert, man sieht den Herrn Rütter ja nie selber mit dem Hund. Aber wenn ich jemandem, der mit seinem Hund ein Problem hat, die Leine wegnehme und sage: „Ich mach das mal eben“, da hat keiner etwas davon. Letzendlich ist das, was wir machen, ja nicht Dressur, sondern Erziehung. Und dazu gehört Beziehung. Wir erklären den Menschen: „Schau mal, das sagt dir der Hund gerade. Wenn du darauf so reagierst, bekommst du diese Reaktion. Die Aufgabe eines guten Hundetrainers ist für mich, den Menschen eine gewisse Theorie zu vermitteln, den Hund lesen zu lernen.

Stellen Sie Unterschiede fest zwischen einer männlichen und einer weiblichen Herangehensweise?

Total, total, total, ich weiß dass wir in einer Welt leben von Gendern und LGBTIQ – das finde ich absolut super, wichtig und richtig. Trotzdem erlebe ich im Training statistisch gesehen, dass Frauen viel konsequenter sind im Hundetraining und sie haben in aller Regel viel mehr Verständnis für die Frage, wie löse ich ein Problem. Der Klassiker: Ich mache einen Hausbesuch und die Familie hat einen Hund, der gefährlich ist für die eigenen Kinder. Und ich sage den Eltern: 'Leute, wenn wir das jetzt hier weitermachen, der beißt eure Kinder.' Der Mann antwortet mir 1:1 so: 'Also wenn er mein Kind beißt, fliegt er raus.' Der hat aber nicht verstanden, dass der Hund das Kind dann schon gebissen hat. Eine Frau sagt aber: 'Was können wir machen, damit es nicht so weit kommt.' Das heißt, Frauen sind grundlegend kommunikativer und lösungsorientierter. Deshalb muss ich immer lachen: Ich habe früher viele Vorträge für mittelständische Unternehmen gemacht. Da gabs noch keine Frauenquote oder die Frage, warum sitzen in Vorständen von DAX-Unternehmen keine Frauen. Und ich habe da schon immer gesagt, ihr seid so dumm, nicht Frauen hier in Führungspositionen zu packen, denn Frauen sind ganz häufig so kluge Problemlöser und zu wenig konfliktorientiert, um zu sagen, 'ich setz mich jetzt hier durch', sondern eher zu sagen, 'wie lösen wir das gemeinsam'. Und das ist im Hundetraining ganz, ganz krass zu sehen, wie schnell Frauen Probleme lösen, das ist wirklich ganz extrem.

Bedeutet das auch, Frauen sind empathischer, können sich in Hunde besser hineinversetzen?

Empathie ist ein Riesenstichwort. Genau so funktioniert ja eine Beziehung, egal ob zu meinem Hund, meiner Katze oder meinem Ehepartner. Wenn ich immer nur meine Bedürfnisse nach vorne schiebe, wird es irgendwann nicht mehr funktionieren. Das heißt aber, ich muss natürlich auch schauen, was braucht der andere, um glücklich zu sein. Was hat der für Bedürfnisse und wie kann ich die vielleicht übereinstimmen. Und das ist weiblich viel stärker ausgeprägt: die Kommunikationsfähigkeit. Das hat aber biologische Gründe. Wir sind wirklich von der Gehirnstruktur sehr nahe am Neandertaler noch dran, da hat sich nicht viel verändert. Und da ist es nun mal so, dass der eine Teil sagt, 'lass den mal losrennen, wenn der auf der Jagd umkommt, ist egal. Ich halte inzwischen hier die Bude zusammen'. Denn das ist viel komplexer, als auf die Jagd zu rennen, und das Männchen ist biologisch betrachtet nicht so wertvoll wie das Weibchen. Um eine Stadt zu erhalten, genügen zwei Männchen, aber man braucht viele Weibchen. Diese Strukturen sind eigentlich in unserer Gesellschaft lernenswert.

Es geht also weniger um Probleme als um Missverständnisse.

Absolut. Das ist einer der häufigsten Fehler, der passiert: ein Nicht-Erkannt-haben.

Was ist der häufigste Fehler?

Der passiert schon beim Kauf. Menschen kaufen sich unbedarft Hunde, die nicht zu ihnen passen. Die Auswahl erfolgt immer noch rein optisch: Die Menschen sehen einen Hund und sind schockverliebt, weil er so süß ist, machen sich aber relativ wenig Gedanken darüber, ob die Eigenschaften dieser Rasse wirklich zu mir passen. Wir bieten in allen unseren Hundeschulen eine Beratung vor dem Kauf des Hundes an. Die wenigsten Menschen nutzen das. Und dann bist du als Trainer zwölf Jahre lang damit beschäftigt, nur Krisenmanagement zu betreiben, weil die beiden Charaktere nicht zueinander passen. Also das fängt schon bei der Auswahl des Hundes an, und geht dann dazu über, dass die Menschen entweder viel zu viel mit dem Hund trainieren und glauben, sie müssen 24 Stunden sieben Tage die Woche den Hund bespielen und bespaßen, oder viel zu wenig Kontakt pflegen. Das gesunde Mittelmaß fehlt manchmal.

Was ist das wichtigste Kommando?

Das wichtigste, das ein Hund lernen muss, ist: „Du bist jetzt nicht dran!“ Geduld zu haben. Deshalb ist bei uns die Welpengruppe so aufgebaut. Klassisch ist es so, Sie gehen dahin, haben Ihren Welpen dabei, und dann sagt der Trainer, eins, zwei, drei, Leine ab, und dann lassen Sie den Hund eine halbe Stunde spielen. Dann kommen die Menschen dazu und jetzt soll der Hund 'Sitz' lernen. Das heißt also, die Welpen lernen von Anfang an: Artgenossen sind echt mega, das macht echt Spaß, und wenn Frauchen kommt, heißt es immer 'Sitz, Platz, Fuß, Bleib!' – total langweilig. Wir gehen in der Welpengruppe her und sagen: 'Pass auf: Such dir ein Eckchen, nimm deinen Welpen, spiel mit dem und schmuse mit dem, und erst wenn der Trainer das Gefühl hat, alle sind beieinander und jeder hat so seinen Hund bei sich, erst dann werfen wir ein Spiel zu. Wir brauchen in unserer Gesellschaft Hunde, die geduldig sind, die eine gewisse Frustrationstoleranz haben, die lernen, jetzt bin ich noch nicht dran. Einem Hund beizubringen, komm schnell zu mir, lauf vernünftig an der Leine und all die ganzen Dinge, das ist alles einfach. Schwierig ist es immer nur, wenn der Hund gelernt hat: Egal, was ich will, ich muss da hin, und wenn ich da nicht hin darf, dann werde ich nervig.

Sie sind viel mit den deutschen Tierschützer Jan Pfeifer unterwegs – würden Sie sich als Tieschützer bezeichnen?

Was ich seit mehr als 25 Jahren im Training mache, ist die massivste Form von Tierschutz überhaupt, weil ich dazu beitrage, dass es Hunden besser geht. Tierschutz ist nicht nur, sich irgendwo festzuketten. Aufklärungsarbeit zu leisten, ist eine große Form von Tierschutz. Meine Kernkompetenz sind die Hunde. Aber weil ich inzwischen schon eine sehr öffentliche Person bin, nutze ich das, um auf andere Missstände hinzuweisen. Ich zeige, wie in Deutschland Schweine und Hühner gehalten werden. Jan Pfeifer macht das seit über 20 Jahren, ist ein totaler Profi. Er sagt: 'Egal was ich veröffentlicht habe, nicht im Ansatz habe ich so viele Rückmeldungen bekommen wie mit dem Bericht, den ich mit Martin gemacht habe.' Nicht, weil ich das besser mache, sondern weil die Marke Rütter eine andere Frucht trägt. Und Politiker dann doch mal eine Sekunde zuhören. Ich bin nicht naiv und ich weiß, dass ich die Welt nicht sofort auf den Kopf stelle. Ich glaube aber schon, dass wenn man eine gewisse Penetranz entwickelt, man Dinge verändern kann.

Und ich erlebe nach dem Streit, den ich mit Julia Klöckner (Anm.: 2018 bis 2021 dt. Bundesministerin für Ernährung und Landwirtschaft) hatte, dass ich sehr ernst genommen werde. Wir hatten bei den Dreharbeiten über den Welpenhandel in Europa einen Mitarbeiter von ebay-Kleinanzeigen, der uns Phantasiegeschichten erzählt hat. Wir haben das öffentlich gemacht, es wurde reagiert – und siehe da: Bei Ebay-Kleinanzeigen darf man keine Welpen mehr verkaufen, es sei denn man ist eine offiziell gemeldete und registrierte Person. Wir prüfen das natürlich – und stellen gerade fest, es war nur eine Ente, die halten sich nicht an die eigenen Regeln. Und da bleiben wir natürlich dran.

„Die Unvermittelbare“: Was war ihr größter Gänsehautmoment,

Ich bin sehr nah am Wasser gebaut. Meinen Kindern war es früher oft peinlich, mit mir ins Kino zu gehen, weil ich auch schon mal beim Vorspann eine Träne vergieße. Das Verrückte bei „Die Unvermittelbaren“ ist, ich kenne die Filmausschnitte, ich kenne die Fälle, ich weiß, welchen haben wir geschafft zu vermitteln und welchen nicht, ich schau mir meine Sendungen in aller Regel nicht selber an, aber die „Unvermittelbaren“ schon. Und dann sitze dann vorm Fernseher und vergieße Tränen, weil ich mich so freue, mit wie viel Herzblut es gemacht ist und wir merken, wie groß die Hilfe im Tierschutz ist und wir zeigen können, wir sind da dran, wir kriegen das hin. Aber wir zeigen auch Fälle, die nicht funktionieren, weil das ist auch die Wahrheit. Wir haben jetzt einen Fall, wo der Hund derart gefährlich ist, dass das Tierheim sagt, der wird nicht vermittelt, das Risiko gehen wir nicht ein. Und wir möchten aber diesen Hund zeigen, der deshalb so aggressiv ist, weil er im Schutzdienst mit Stromhalsbändern traktiert wurde. Da leisten wir Aufklärungsarbeit.

Mit dem Ziel, die private Schutzhundeausbildung zu stoppen?

Ja. Ziel ist es, gesetzlich zu verankern, dass Schutzhundetraining im privaten Bereich verboten sein muss. Es gibt kein Argument dafür, dass das gemacht wird. Abgesehen davon, dass hoch triebhafte Hunde gezüchtet werden, die unter Dauerstrom stehen. Und das selbstverständlich das Risiko eines solchen Hundes größer ist als beim durchschnittlichen Hund. Auch wenn die Schutzhund-Szene sehr aggressiv gerade auf mich reagiert, sehr bedrohlich, sehr konkrete Drohungen auch ausspricht, ändert das leider nichts daran, dass es die Wahrheit ist, die ich da spreche. Was für einen Grund soll es haben, dass eine Privatperson einen solchen Hund ausbildet. Es geht wirklich nur darum, die eigene Macht zu demonstrieren.

Vegane, vegetarische Ernährung bei Hunden – da haben Sie ihre Meinung zuletzt ja geändert.

Ja, da beschäftige ich mich gerade sehr damit. Ich habe mich früher darüber lustig gemacht und gesagt, Leute, dass kann nicht euer Ernst sein, dass ihr euren Hund zwingt, vegan zu essen. Man gibt einem Hamster ja auch keine Bratwurst. Aber ich habe ja einen sehr engen Draht zur tiermedizinischen Hochschule, die hat mir sehr deutlich erklärt hat, dass die Proteine, die ein Hund braucht, er auch über vegane Ernährung aufnehmen kann. Es muss aber gut gemacht sein. Genau wie beim Menschen. Ich bin noch nicht am Ende dieser Feldforschung. Aber ich finde nichts schlimmer, als wenn jemand sagt, ich verändere mein Wissen und meine Meinung nicht. Wissen entwickelt sich weiter. Ich selbst esse seit fünf Jahren kein Fleisch mehr, seit einem Jahr schaffe ich mehr und mehr, vegan zu leben.