Mehr als 20 europäische Tierschutzorganisationen fordern gemeinsam das Ende "der Tötung von Hunderten Millionen Küken und Entenküken pro Jahr". In einer YouGov-Umfrage unter 10.000 EU-Bürgern hätten sich sieben von zehn Teilnehmenden gegen diese Praxis ausgesprochen. In Österreich soll mit der Novelle des Tierschutzgesetzes das Töten verboten werden, sofern die Küken "nicht der Futtergewinnung dienen", Vier Pfoten spricht sich allerdings für ein generelles Verbot aus.

Die Landwirtschaftsministerinnen und -minister sollen sich gegen das systematische Schreddern und Vergasen einsetzen. Beiden Praktiken könnten im Rahmen der Überarbeitung der EU-Gesetzgebung zum Schutz von Nutztieren, die für die Jahre 2023 bis 2025 geplant ist, verboten werden, appellierten die Tierschützer. Die Europäische Kommission soll bis 2023 einen neuen Rechtsakt vorschlagen und erwäge zumindest ein Verbot: "Die Tötung einer großen Anzahl von sogenannten Eintagsküken ist natürlich auch eine ethische Frage", wurde Stella Kyriakides, die für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit zuständige Kommissarin, zitiert.

Männliche Küken "unproduktiv"

2020 habe die französische Regierung ein Verbot angekündigt. Auch die deutsche Regierung habe sich bereits dazu verpflichtet. In Frankreich haben die Brütereien bis Ende 2022 Zeit, auf die Verwendung von Geräten zur Geschlechtsbestimmung im Ei umzustellen und die systematische Tötung männlicher Küken zu beenden.

Für jede zur Eierproduktion aufgezogenen Henne wird ein männliches Küken geschreddert oder vergast, erläutertet "Vier Pfoten". Männliche Küken gelten für die Eierindustrie als "unproduktiv", da sie keine Eier legen und sie keinen wirtschaftlichen Wert für die Fleischindustrie hätten. Aus diesem Grund würden jährlich in Österreich rund neun Millionen und EU-weit 330 Millionen männliche Eintagsküken bereits wenige Stunden nach dem Schlüpfen getötet, während die weiblichen Küken zur Eiablage in die Betriebe geschickt werden. Millionen weibliche Entenküken treffe das gleiche Schicksal, da sie für die Stopfleberproduktion weniger begehrt seien.

Küken als Futtermittel

16 Millionen Küken würden österreichweit "für Zoos, Greifvogelstationen und Tierschutzhäuser benötigt. Es besteht somit bereits jetzt erheblicher Importbedarf", hieß es dazu aus der Landwirtschaftskammer. "Alle diese Einrichtungen betonen des Öfteren gegenüber der Geflügelbranche, dass die Küken nicht durch anderes Futter wie etwa Fleisch oder Ähnliches ersetzt werden könnten." Wären die heimischen Küken als Futter nicht mehr verfügbar, "müsste man entweder diese Einrichtungen in Frage stellen" oder "noch mehr Futtertiere klimaschädlich aus dem Ausland importieren", argumentiert die LK Österreich.