Designer im PortraitMarcel Ostertag: "Enfant terrible? So sehe ich mich nicht"

Er zog von München aus, um die Welt mit seinen Designs zu erobern. Designer Marcel Ostertag erklärt, warum mehr Nachhaltigkeit in die Mode gehört und, warum man auch den Schuhen ganz besondere Aufmerksamkeit widmen sollte.

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Herr Ostertag, wie würden Sie Ihr Design beschreiben?

Marcel Ostertag: Ich liebe es, klassische Schnitte neu zu interpretieren. Mein Design bewegt sich meistens im Spannungsfeld zwischen Tradition und Moderne.

Sie sind in München aufgewachsen, was sagen Sie als Designer zum Kleidungsstil der Münchener?

Ostertag: Die Münchner kleiden sich sehr klassisch elegant und legen viel Wert auf hochwertige Mode und Qualität.

Sie haben sich im Vorjahr bei der Fashion Week gegen Antizyklus in der Mode ausgesprochen und das Feedback war groß. Nun ist ein Jahr vergangen. Ließ sich Ihr Anliegen umsetzen?

Ostertag: Ich setze das Anliegen bereits seit einigen Saisons durch und werde in meiner Einschätzung bislang bestätigt.

Marcel Ostertag - Runway - September 2017 - New York Fashion Week: The Shows
Marcel Ostertag - Runway - September 2017 - New York Fashion Week: The Shows Foto © (c) Getty Images for Marcel Ostertag (Frazer Harrison)
Wie sehen die Entwicklungen in der Branche aus? Wird es ein günstiges "Immer Mehr" oder wird es ein qualitativ "hochwertiges Weniger"?

Ostertag: Aktuell geht es immer noch in beide Richtungen. Aber die Zahl der Kunden, die nicht nur Qualität wollen, sondern auch wissen möchten, wie und wo ihr Kleidungsstück produziert wurde, steigt. Das ist eine gute Entwicklung und die muss gestärkt werden.

Im Zusammenhang mit Ihrer Person wird immer wieder der Begriff ,enfant terrible' genannt. Wie sehen Sie das?

Ostertag: Interessant, so sehe ich mich nicht oder besser gesagt nicht mehr. Haha. Ein bisschen wild muss man auch mal sein, sonst verändert sich nichts.

München, Berlin, London, New York: Wo fühlen Sie sich am wohlsten?

Ostertag: Ich liebe es, in New York zu arbeiten und meine Kollektion zu präsentieren. Mit London verbindet mich eine tolle Zeit während meines Studiums. Diese Zeit hat mich inspiriert und geprägt. Tiefe Freundschaften und Familie verbinden mich mit München, aber in Berlin fühle ich mich zu Hause und angekommen.

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Sie arbeiten nun auch mit Tamaris zusammen. Wie werden solche Kooperationen innerhalb der Branche beurteilt?

Ostertag: Wie die Branche die Kooperation beurteilt weiß ich gar nicht. Das ist für mich aber auch gar nicht wichtig. Ich treffe die Entscheidungen für eine Kooperation unabhängig von Beurteilungen der Branche. Wie erfolgreich eine Kooperation verläuft hängt einzig von der Zusammenarbeit der Partner ab. Das muss geschäftlich, aber vor allem emotional passen. Und das tut es in diesem Fall.

Wenn man bisher „nur“ Kleidung gemacht hat, wie schwer ist es, Schuhe zu designen?

Ostertag: Kleidung und Schuhe gehören für mich zusammen und ergänzen sich. Den passenden Schuh zur Kollektion zu designen fällt mir daher sehr leicht und ist eine tolle Weiterentwicklung meiner Arbeit.

Wie wichtig ist denn die Abstimmung zwischen Kleidung und Schuhwerk?

Ostertag: Sehr wichtig.

Zur Person

Marcel Ostertag wurde 1979 in Berchtedgaden geboren. Mit fünf Jahren begann er Ballett zu tanzen.
Stationen: Salzburger Landestheater und Wiener Staatsoper (13 Jahre).
Nachdem er sich verletzungsbedingt vom Tanzen verabschieden musste, begann er an der Esmod in München Mode zu studieren. Es folgte ein Studienaufenthalt in London.
2006 gründete er sein eigendes Modeunternehmen.

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