35 Jahre SwatchEinen Tick anders

Ihr machte es nie etwas aus, die Geliebte zu sein: Swatch feiert heuer ihr 35-jähriges Jubiläum. Wie die „Zweituhr“ es schaffte, die Uhr als modisches Accessoire zu etablieren.

AUTRIA BREGENZ SWATCH
AUTRIA BREGENZ SWATCH © (c) EPA (SWATCH / GAETAN BALLY)
 

Sie war ihrer Zeit voraus. Und genau das war ihr Erfolgsrezept. In den späten Siebziger- und frühen Achtzigerjahren, in Zeiten, in denen die Uhrmacherbranche immer mehr durch die billig herstellende asiatische Konkurrenz ins Wanken geriet, erdachte der Schweizer Unternehmer Nicolas G. Hayek die „Zweituhr“ aus Plastik, die heuer ihren 35. Geburtstag feiert. „Mister Swatch“ wollte eine Uhr schaffen, die zwar in hochwertiger Qualität hergestellt wird, aber einem anderen Konzept folgt, als es Zeitmesser bis dato zu tun pflegten.

AUTRIA BREGENZ SWATCH
AUTRIA BREGENZ SWATCH Foto © (c) EPA (SWATCH / GAETAN BALLY)
Die „Swatch“ sollte ein modisches Accessoire sein, der Ausdruck einer momentanen Stimmung, das auch auf das Outfit abgestimmt werden konnte. Die „Plastikuhr“ mit Charakter veränderte schließlich die bisherige Darstellung und auch Nutzung der Uhr als klassischen Zeitmesser und jahrelangen Begleiter – von Liebe fürs Leben zur Liebelei. Seitensprünge inklusive. Sie wurde zum Instrument des modischen Spiels und der persönlichen Inszenierung.

Günstige Zweituhr

So bekam die günstige Zweituhr, die in ihrem Einführungsjahr 1983 50 Schweizer Franken (knapp 43 Euro) kostete, schließlich rasch Gesellschaft von einer dritten, vierten, fünften ... Uhr. Im Laufe der Jahre mauserte sich die Schweizerin so zum beliebten Sammlerstück. Limitierte Kollektionen, die in Zusammenarbeit mit Künstlern wie Keith Haring entstanden, ließen Sammlerherzen und Geldbeutel höherschlagen. 2011 zum Beispiel versteigerte der Schweizer Unternehmer Peter Blum, der mit seiner Frau Linda die vollständigste Swatch-Uhrensammlung zu Hause hatt, 4363 Uhren in Hongkong um beinahe fünfeinhalb Millionen Euro. Darunter waren auch Prototypen oder Exemplare, die es nie in den Handel geschafft hatten. Der vergoldete Zahn der Zeit. Nicht nur Kollaborationen mit Künstlern und Designern wie Agatha Ruiz de la Prada, Brian Eno, Annie Leibovitz, Pedro Almodóvar und Vivienne Westwood verliehen ausgewählten Modellen einen legendären Schliff. Man erkannte auch, dass die Verpackung an sich – nach dem Motto: außen hui, innen hui – als Marketinginstrument dienen kann.

Foto © Swatch

Kreativchef Carlo Giordanetti hat anlässlich des Jubiläums seine eigene Rechnung angestellt: „Wir haben in 12.783 Tagen 8372 verschiedene Modelle designt. Das heißt: ein Modell alle eineinhalb Tage.“ Der Italiener, der zuvor unter anderem beim Vespa-Hersteller Piaggio tätig war, ist seit Oktober 2012 der kreative Kopf bei Swatch. Standesgemäß ist er jeden Tag mit einer „anderen“ anzutreffen. Giordanetti hat auch eine Erklärung für den Erfolg des Phänomens Uhr, das hartnäckig Smartphones und
-watches standhält. „Uhren sind emotionale Produkte, die sehr persönlich werden können. Sie sind Geschichtenerzähler und Ausdruck unserer Stimmung und Persönlichkeit. Außerdem ist eine Uhr ein Meisterwerk an Technologie und Design.“ 20 Monate vor Start einer Linie beginnt die Recherche des Kreativteams. Nach Giordanettis Angaben ist „die Suche nach Ideen, bis die Kollektionsstrategie definiert wird, eine sehr intensive Phase“. Als Inspiration dienen: Mode, Kunst, Reisen. Dann erst kommen die zehn internen Designer zum Zug, die im Swatch-Lab von Zürich aus arbeiten.

Verrät der Experte, was uns heuer auf den Handgelenken erwartet? „Junge Frauen tendieren zu sehr puren und kleinen Größen. Männer freuen sich über eine extrovertierte Periode und über freche Statements an ihren Handgelenken. Farben bleiben aber das Hauptausdrucksmittel von Modebewusstsein und Emotionen.“ Emotional wird der Italiener auch in Sachen Pünktlichkeit. „Sie ist ein Zeichen des Respekts. Indem man pünktlich ist, kann man auch Zeit gewinnen.“

www.swatch.com

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