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Zog das große Los Footballhoffnung Kwity Paye: Vom Flüchtlingslager in den Sportolymp

Die amerikanische Footballliga schreibt gern filmreife Geschichten. Bei der heurigen Auswahl der Jungtalente in die NFL hat Kwity Paye das große Los gezogen. Eine Geschichte von Vertreibung, Flucht und großer Stärke.

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Kwity Paye bei der Auswahl für die NFL
Kwity Paye bei der Auswahl für die NFL © AP (Tony Dejak)
 

Die Geschichte von Kwity Paye ist eine von Trauer, Tränen und Tragik. Sie handelt von Krieg, Verzweiflung, Armut, aber auch von Hoffnung und Aufstieg. Und sie hat, so viel sei vorweggenommen, ein Happy End. Es ist der Heilige Abend 1989. Agnes Paye, Kwitys spätere Mutter, ist gerade zwölf Jahre alt, als an jenem Tag in ihrem Heimatland Liberia, an Afrikas Westküste, ein Bürgerkrieg ausbricht. Rebellen der National Patriotic Front wollen Staatspräsident Samuel Doe stürzen. Es ist der Anfang von jahrelangen, brutalen Kämpfen, bei denen mehr als 250.000 Menschen ihr Leben verlieren werden. Agnes Paye gehört zum Volksstamm der Krahn, die von Machtinhaber Doe stets wohlwollend behandelt worden sind – so aber zur Zielgruppe der Rebellen werden. Als die Aufständischen in ihr Dorf kommen, erlebt das junge Mädchen grausame Szenen, die ihr 30 Jahre später noch Tränen in die Augen treiben. „Sie haben das Haus meines Vaters angezündet und das meines Onkels, samt Frau und Kindern auch. Ich habe meinen Vater nie wieder gesehen. Sie haben ihn getötet“, sagt Agnes in einem Feature des TV-Senders ESPN.

Das Dorf verwüstet, das Haus abgebrannt, der Vater tot. Doch Agnes hat keine Zeit für Trauer. Sie ist auf der Flucht. Wie Tausende andere ist sie tagelang barfuß in Busch und Wäldern unterwegs, meidet aus Angst vor den Rebellen die Hauptstraßen. „Wir hatten kaum etwas zu essen. Aber daran denkst du gar nicht, denn du willst einfach nur überleben“, wird sie 2019 in der „Detroit Free Press“ zitiert. Agnes schafft es ins Nachbarland Sierra Leone, kommt dort in einem Flüchtlingscamp unter und bringt Jahre später ihren ersten Sohn, Komotay, zur Welt. Als sich der Bürgerkrieg von Liberia auf Sierra Leone ausdehnt, muss sie wieder flüchten, diesmal nach Guinea. Am 19. November 1998 wird sie erneut Mutter. Wieder ist es ein Sohn. Sie nennt ihn Kwity – es ist der Name ihres ermordeten Vaters. In Guinea kann die Familie nicht bleiben, zurück nach Liberia will Agnes auf keinen Fall. Ihre einzige Hoffnung sind die USA. Im Frühjahr 1999 ziehen die drei zu Verwandten nach Rhode Island an die amerikanische Ostküste.

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