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Ode an die JahreszeitSusanne Rakowitz: Die Duftorgel des Corona-Sommers

Der Kalender sagt: Sommerbeginn! Doch was macht den Sommer aus? Er ist, mit oder ohne Corona, ein bunt zusammengewürfeltes Orchester aus Sonne, Twinni und Gelsen.

Vorhang auf für den Sommer!
Vorhang auf für den Sommer! © stock.adobe.com (Sergey Novikov/serrnovik)
 

Ganze Heerscharen von kreativen Köpfen üben sich Jahr für Jahr im Kunststück, den Sommer in Worte zu fassen, ihn schillernd, ja geradezu magisch erscheinen zu lassen. Gar, dass er an manchen Orten vielleicht noch schöner sei als anderswo. Aber der Sommer, der kokettiert nicht damit, ob er die schönste aller Jahreszeiten ist, er weiß um sein größtes Talent: Er muss zur Aufführung kommen. Es ist ein ständig wiederkehrendes Schauspiel aus Gerüchen, Temperaturen, Geräuschen, Erinnerungen, das im gesellschaftlichen Kollektiv verankert ist. Wie ein Film, bei dem alle wie auf Kommando mitreden können.

Erstaunlicherweise sind die gebotenen Auftritte oft bescheiden, manche winzig wie jener der Gelsen, andere hingegen furchterregend – wie die bangen Sekunden, wenn man ein Twinni in zwei Hälften teilt: Bleiben beide Eiskolben ganz? Bekommt der eine mehr, der andere weniger Schokolade? Die Antwort auf die Frage: Willst du Grün oder Orange? Mit zwei Worten: Furcht und erregend! Oder die Lust am mehrmals täglichen Schock: Wenn man erhitzt wie eine Herdplatte den Kampf mit dem Wasser aufnimmt. Ja, eh schon wissen, es gibt die, die spielen hier den Helden. Kalt? Aber geh! Aber das Eintauchen, wenn Hitze auf Abkühlung knallt, einem Luft und Worte wegbleiben, bis sich der Schock in absolute Wonne auflöst. Dafür müsste man glatt ein Wort erfinden.

Ach Sommer, könnte man dich doch einfangen!
Ach Sommer, könnte man dich doch einfangen! Foto © dpa (Z1022 Patrick Pleul)


Der Sommer, den muss man riechen können: Sonnencreme? Sommer! Oder frisch gemähtes Gras, das immer noch am besten riecht, wenn man es nicht selbst gemäht hat. Der Geruch von warmen Tomaten auf der Rispe. Wenn der Sommer seine Duftorgel bis zum Anschlag aufdreht, ist man olfaktorisch dauerbeschwipst. Es soll Schlimmeres geben, wobei die Miesepeter hier sofort aufzeigen: Natürlich ist es die Kombination aus Sommerhitz und Sommerhits. Der alljährliche Balanceakt zwischen leicht und seicht. Wo das Pfauchen der Partytiger ins „Alalalala-long“ wechselt, wird selbst dem chronischen Kaltblüter irgendwann warm ums Herz. Noch eines vermag der Sommer: Er stimmt die lärmgeplagte Gesellschaft milde. Das Schnattern, das Schreien, der Lärm und der Trubel – ob Freibad, Strand, Ausflugsziel oder Nachbarskinder. Der Soundteppich des Sommers überschreitet bummelwitzig seine Grenzen.

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