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Corona bringt kurze AtempauseWorld Earth Day: Die Erde, der ewige Patient

Für die Ausbeutung des Globus und die daraus resultierenden Schäden liefert die Coronakrise nur eine kurze Atempause. Der „World Earth Day“ am 22. April soll daran erinnern.

World Earth Day
Statt schützender Hände sind es ausbeutende, die unseren Lebensraum global bedrohen © Proxima Studio - stock.adobe.com
 

Es gibt einen aktuellen Krisengewinner: das Klima. Eingeschränkte Mobilität, stillgelegte Fabriken, geschlossene Geschäfte – das führt allerorts zwischen Indien, China und Österreich zu verbesserten Luftgütewerten. Die Erde atmet auf. Kann der in den letzten Jahren durch die Folgen von Verkehrslawinen, Konsumrausch und Rohstoffausbeutung zum Hochrisikopatienten mutierte Planet also aus der Intensivstation entlassen werden? Experten verneinen eilig. Das wirtschaftliche Wachkoma könnte die zaghaften Therapieansätze in Sachen Klimaschutz torpedieren. Nach der Coronakrise ist damit (wieder) vor der Klimakrise. Keine Entspannung in Sicht.

Davor warnen auch die Organisatoren des „World Earth Day“, der am kommenden Mittwoch zum 50. Mal begangen wird. Ausgehend von US-amerikanischen Umweltschutzinitiativen wird der „Tag der Erde“ seit 1970 national mit Aktionen gefeiert, seit 1990 weltweit. Bis zu 200 Millionen Menschen in knapp 150 Ländern beteiligen sich mit Aktivitäten, Demonstrationen oder Kampagnen, wobei jedes Jahr unter einem anderen Motto steht.

Heuer auf der Agenda: Klimaschutz. „Er ist die größte Herausforderung für die Menschheit, um die Erde in Zukunft bewohnbar zu halten“, mahnt Kathleen Rogers, Präsidentin des Earth-Day-Netzwerks. Denn noch nie hat die Weltbevölkerung – zumindest ihr industrialisierter Teil – mehr über ihre Verhältnisse gelebt. Die Ressourcenausbeutung wächst ungebremst. Nach Berechnungen der UNO hat sich der globale Rohstoffverbrauch in den letzten 40 Jahren mehr als verdreifacht (und die Weltbevölkerung verdoppelt). „Wir verbrauchen mittlerweile hochgerechnet 1,75 Erden pro Jahr“, kritisieren Umweltschutzorganisationen wie Greenpeace, WWF und Global 2000.

Infografik: der Regenwald
Infografik: der Regenwald Foto © Kleine Zeitung

Die Folgen der Übernutzung werden immer sichtbarer: außer Kontrolle geratene Treibhausgas-Emissionen, gravierende Umweltschäden, Erosion von fruchtbaren Böden, explodierende Schadsummen durch Naturkatastrophen und Extremwetterereignisse, sterbende Artenvielfalt. Die globale Öko-Bilanz: tiefrot. Das Global Footprint Network errechnet regelmäßig das Ausmaß dieser Erdüberlastung und bestimmt kalendarisch einen „Welterschöpfungstag“. Das ist jener Tag im Jahr, an dem die Gesamtheit der Menschen so viele Ressourcen der Erde beansprucht hat, wie sämtliche Ökosysteme binnen zwölf Monaten erneuern können. Auch hier zeichnet sich seit fünf Jahrzehnten eine deutliche Entwicklung ab: Fiel der Tag, an dem der jährliche (rechnerische) Überkonsum an Weide- und Ackerland, Wald und Wasser beginnt, 1971 noch auf den 21. Dezember, rückt er seither immer schneller und weiter im Kalender nach vorne. 1990 war es der 7. Dezember, 2000 der 1. November, 2010 der 21. August und im vergangenen Jahr bereits der 29. Juli.

Vom globalen Durchschnitt auf einen größeren, lokalen Maßstab umgerechnet, ergeben sich noch weitaus alarmierendere Daten. So fällt der „Erschöpfungstag“ in den USA mittlerweile auf den 14. März, EU-weit auf den 10. Mai. In Österreich haben wir ihn heuer sogar schon hinter uns: Fiel er 2018 noch auf den 15. April, war es 2019 der 9. und heuer der 8. April. Immer früher lebt der Mensch auf Pump. Ein Kredit, bei dem der Wechselkurs zwischen verbleibender Zeit und notwendigen Aktivitäten immer höher wird und dessen Endfälligkeit immer näher rückt. Ansonsten droht die Pleite.

 

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