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EssayDie Möwenstadt: Venedig in Coronazeiten

Venedig ist in Coronazeiten eine Stadt, wie sie zuvor niemand gesehen hat. Die Möwen sind zurückgekehrt und das Menschenmaß. Was wird bleiben?

Die Lagune von Venedig in Zeiten von Corona
Die Lagune von Venedig in Zeiten von Corona © (c) APA/AFP/ANDREA PATTARO (ANDREA PATTARO)
 

Sie lieben Möwen? Möwenschwärme, die morgens und abends laut schreiend ihre Kreise über den Dächern ziehen, wie in fernen, stillen Städtchen am Meer? Zu einem stillen Städtchen am Meer ist Venedig seit dem Karnevalssamstag geworden. Nicht die Fehler einer halsbrecherischen Stadtentwicklung haben zu dieser Stille geführt, sondern die grausame Coronakrise, die die Welt noch monate-, wenn nicht jahrelang gesellschaftlich, wirtschaftlich und politisch beschäftigen wird.

Am Karnevalssamstag trat ich früh aus dem Stadtkrankenhaus, mein Mann lag nach einem wundersam überstandenen Herzinfarkt auf der Intensivstation und vor dem Café am Campo San Giovanni e Paolo rief der Zeitungsbote die Titelzeile aus: „Il Carnevale è annullato!“ Das war bisher erst einmal vorgekommen, zum Bosnienkrieg 1993, und damals war die Stadt verstummt, abrupt, von einem Tag auf den anderen. Ich ging zwischen eilig kofferziehenden Menschengruppen nach Hause zur Punta della Dogana zurück. Nahe der Akademie stand ein Harlekin in authentischer Maske, inmitten von Abreisenden. Seine Haltung, die schöne Gestik der Commedia dell’Arte, die keiner Worte bedarf, sagte: „Wo gehen sie hin, die Menschenmassen?“ Die Stadt ist seither, wie Sie sie noch niemals gesehen haben. Auch ich nicht.

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