Bitte warten - Ihr Zugang wird eingerichtet.

Ein Medizinhistoriker klärt aufPest, Cholera, Corona: Welche Muster sich durch alle Seuchen ziehen

Was hat der Mensch aus bisherigen Pandemien gelernt und wie wirken sich Seuchen auf die Gesellschaft aus? Ein Medizinhistoriker blickt in der Geschichte zurück.

Die Pestdoktoren behandelten Pestpatienten, im Schnabel waren Kräuter und Flüssigkeiten, die gegen die Ansteckungsgefahr schützen sollten ©  crisfotolux - stock.adobe.com (Cristiano Fronteddu)
 

Herr Eckart, wenn Sie als Medizinhistoriker die aktuelle Lage betrachten, welche Vergleiche zu früheren Pandemien können Sie ziehen?
Wolfgang U. Eckart: Da gibt es ganz viele vergleichbare Muster: das Horten und Hamstern, die Stigmatisierung von Kranken und von vermeintlichen Verursachern durch Verschwörungstheorien, die Quarantänebildung, wie etwa beim Abriegeln der Städte in Italien, von Hotels oder Kreuzfahrtschiffen. Nicht zuletzt die Sequestrierung (Isolierung, Anm.) durch den Rückzug in die Privatwohnung, die sieht man jetzt sehr gut.

Pandemien sind immer auch gesellschaftliche Zäsuren, was hat der Mensch daraus gelernt?
Wolfgang U. Eckart: Auf die Stadthygiene hat die Cholera etwa maßgeblichen Einfluss genommen. Auch weil man anfing, sie zu kontrollieren, wie etwa mit dem Ausbau der Kanalisation in London. Auch weil heute Händewaschen wieder die Parole ist: Die Popularisierung der Hygiene, auch das kommt aus dem 19. Jahrhundert. Nicht ohne Grund fällt die Volksbadeanstaltsbewegung der 1900er-Jahre im Fin de Siècle mit den letzten Auswirkungen der Cholera zusammen.

Diskutieren Sie mit - posten Sie als Erste(r) Ihre Meinung! Kommentieren