ItalienNeapel: Es brodelt in der Stadt am Fuße des Vulkans

Am Fuße des Vesuvs spielen sich 24 Stunden an 365 Tagen pralles Leben und Theater ab. Besonders zu Weihnachten, wenn in Neapel die Krippen auf die Bühne treten.

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In Neapel hat man den Vesuv immer im Blick © pfeifferv/stock.adobe.com (Medard David)
 

Chaotisch, charmant, lebensfroh, liebenswert, aufregend, pittoresk und dazu noch ziemlich skurril. So muss man sich Neapel vorstellen. Letzteres spiegelt sich unter anderem in den kunst- und nicht weniger humorvollen Krippen wider, deren Tradition bis ins 16. Jahrhundert zurückreicht. Zur Weihnachtszeit werden Josef, Maria und Co. in der Krippenstraße San Gregorio Armenio im Herzen der Altstadt in Szene gesetzt. Da dürfen der Pizzabäcker mit seinem Ofen und Neapels „Urkomiker“ Pulcinella auf keinen Fall fehlen.

Der weiß gekleidete Mann mit Zipfelmütze und schwarzer Halbmaske, Symbolfigur des neapolitanischen Volkstheaters, ist auch sonst in der Stadt omnipräsent – als Puppe, Gipsfigur, auf dem Firmenschild oder Pasta-Etikett. Man liebt ihn und man lebt ihn! Denn als liebenswerter, lauter, fröhlicher kleiner Mann von der Straße, der sich niemals unterkriegen lässt, verkörpert er bis heute die neapolitanische Volksseele.

Top 10: 10 Dinge, die man in Neapel nicht verpassen darf

Das kulturelle Erbe Neapels reicht stolze 2500 Jahre zurück, in die Zeit der Gründung der Griechen-Kolonie Neapolis, dem heutigen „Centro Storico“. Nie einer Zerstörung anheimgefallen, schöpft man bei einem Streifzug durch das historische Zentrum aus dem Vollen großer Stilepochen:  Mittelalterliche Mauern mit gotischen Fenstern reihen sich an Barock- und Renaissancefassaden, die auf griechischen oder römischen Fundamenten stehen.

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Mit 6000 m2 ist San Gennaro die weitläufigste Katakombenanlage der Welt. Sie beherbergen 2000 Grabstätten und 500 Nischengräber.

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Das von historischen Gärten umgebene prächtige Museum Capodimonte auf dem gleichnamigen Hügel im Norden der Stadt birgt eine der schönsten Gemäldesammlungen Italiens.

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Gleich darunter liegt das barocke Kartäuserkloster Certosa di San Martino, das mit einem bezaubernden Kreuzgang, kunstvollen Marmordekorationen in der Kirche und auch mit einer der bedeutendsten Krippenaustellungen Italiens aufwartet.

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Besonders faszinierend unter ihnen ist die Chiesa del Gesú Nuovo. Abgesehen von der ungewöhnlichen wie geheimnisumwobenen Fassade des ehemaligen Palazzos erstrahlt das Innere der Kirche im typischen Barock einflussreicher Künstler der Neapolitanischen Schule. Gleich ums Eck fasziniert in der Kapelle San Servolo die lebensgroße Marmorstatue „Cristo velato“ (verschleierter Christus) als Barockkunstwerk der höchsten Klasse.

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Entspannung bietet auch ein Opernabend im ältesten noch bespielten Opernhaus der Welt, dem Teatro San Carlo. Vor oder nach der Vorstellung setzt man sich zum Beispiel gleich gegenüber ins legendäre Caffè Gambrinus, dort wo Kaiserin Sissi einst ihr geliebtes Veilcheneis genoss. Das gibt es dort noch heute.

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Pulcinella - der weiß gekleidete Mann mit Zipfelmütze und schwarzer Halbmaske, Symbolfigur des neapolitanischen Volkstheaters, ist auch sonst in der Stadt omnipräsent – als Puppe, Gipsfigur, Firmenschild oder auch als Pasta-Etikette. Man liebt ihn und man lebt ihn! Denn als liebenswerter, lauter, fröhlicher kleiner Mann von der Straße, der sich niemals unterkriegen lässt, verkörpert er bis heute die neapolitanische Volksseele.

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In Neapel hat man den Vulkan Vesuv immer im Blick. Den besten Überblick mit atemberaubendem 360 Grad-Panorama weit über die Stadt und den Golf von Neapel bietet das über allem thronende Castel Sant’Elmo.

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Ein absolutes Muss, nicht nur für rot-weiß-rote Patrioten, ist das beeindruckende Nitsch Museum. Wo könnte es auch besser hinpassen als ins schauspiellustige Neapel?  In einem umgebauten Elektrizitätswerk aus dem 19. Jahrhundert mit prachtvoller „Terrasse der Farben und Düfte“ vermitteln 1800 m2 Ausstellungsfläche einen intensiven Eindruck der Hermann Nitsch-Aktionen zum 10-Jahres-Jubiläim des Hauses.

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Pflicht ist die klassischste aller neapolitanischen Nationalspeisen, Pizza Margherita. Entweder in der wohl Pizzeria „Da Michele“, der wohl beliebtesten der Stadt, in der schon Julia Roberts speiste. Oder in der Pizzeria „Brandi“, der ältesten der Stadt, in der die Margherita erfunden wurde.

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Diese Seele hat angesichts von Herausforderungen wie der ständigen Bedrohung durch den Vulkan Vesuv bis zur Corona-Pandemie gelernt, sich mit den Gegebenheiten des Lebens in heiterer Improvisation zu arrangieren. Immerhin lebt man ja trotz allem in einem „Paradies“, wie es Goethe in seiner „Italienischen Reise“ beschrieb.

Der wahre Reiz Neapels liegt im einzigartigen Flair, das ihm die gelassen wie fröhlichen Menschen verleihen, und natürlich im immensen kulturellen Erbe. Es reicht stolze 2500 Jahre zurück, in die Zeit der Gründung der Griechen-Kolonie Neapolis, dem heutigen „Centro Storico“.

Reisetipps

Ausstellungen:

  • „Napoli, Napoli. Di lava, porcellana e musica“, Geschichte von Neapel, der Hauptstadt des Königreichs im 18. Jahrhundert, Museum Capodimonte, bis April 2021. www.museocapodimonte.beniculturali.it
  • „Hermann Nitsch – Relikte der 152. Aktion“, Museo Hermann Nitsch, bis 2022. www.museonitsch.org

Unterkunft:

  • Hotel Chiaia: in einem Palazzo des 18. Jahrhunderts, besonderes Ambiente. www.hotelchiaia.it
  • G&G Guesthouse: super gelegen, sauber, günstig, freundlich. Via Rosarioa Portamedina 58, Tel: +39 388 424 0605

Restaurants:

Nie einer Zerstörung zum Opfer gefallen, schöpft man bei einem Streifzug durch das historische Zentrum aus dem Vollen großer Stilepochen: Mittelalterliche Mauern mit gotischen Fenstern reihen sich an Barock- und Renaissancefassaden, die auf griechischen oder römischen Fundamenten stehen. Die Zeitreise im „Unterirdischen Neapel“ – der weitläufigen „Stadt in der Stadt“ – führt bis in 5000 Jahre alte Tuffsteinhöhlen und Zisternensysteme aus der Römerzeit zurück.

Naples San Gregorio Armeno the crib artisans have created the statues of the nativity, which wear masks to protect themselves from coronavirus covid 19.
Auch die Figuren in den neapolitanischen Krippen tragen heuer Maske Foto © salvatore Laporta / PA / picturedesk.com (salvatore Laporta)

Neapel wird auch die „Stadt der tausend Kirchen“ genannt. Wie viele es tatsächlich sind, weiß keiner. Das historische Zentrum, seit 1997 Unesco-Weltkulturerbe, zählt rund 250 sakrale Bauten, von denen nur rund 80 als Gebetsstätten oder Museen aktiv sind. Besonders faszinierend unter ihnen ist die Chiesa del Gesù Nuovo.

Zugegeben, es erfordert einen Hang zum Morbiden, um an den unzähligen „nicht aktiven“, also teils hoffnungslos verfallenen Kirchen Gefallen zu finden. Zweifellos faszinieren aber deren Zweckumwidmungen: „Wir betreuen in diesem medizinischen Zentrum kostenlos 400 bedürftige Familien“, erzählt Modesto Caso, Präsident des wohltätigen Vereins Sisto Riario Sforza, stolz vor dem Altar der einst verlassenen Kirche San Tommaso a Capuana, auf dem sich Medikamente stapeln. Die Sakristei dient heute als Untersuchungsraum. Auch Weltlicheres findet seinen Weg in die verblassten sakralen Gefilde, wie etwa eine Eisdiele oder eine Motorroller-Werkstatt.

Medikamente auf dem Altar der Krankenhaus-Kirche San Tommaso a Capuana Foto © RRK

Den besten Überblick mit 360-Grad-Panorama weit über die Stadt und den Golf von Neapel bietet das hoch oben thronende Castel Sant’Elmo. Das von historischen Gärten umgebene prächtige Museum Capodimonte auf dem gleichnamigen Hügel im Norden der Stadt birgt eine der schönsten Gemäldesammlungen Italiens.

Die einen Steinwurf entfernte, mit 6000 m2 weitläufigste Katakombenanlage der Welt, San Gennaro, sollte auch nicht versäumt werden, ebenso wenig das Archäologische Nationalmuseum mit den Ausgrabungen von Pompeji und Herculaneum. Ein absolutes Muss, nicht nur für rot-weiß-rote Patrioten, ist das beeindruckende Nitsch Museum. Wo könnte es auch besser hinpassen als ins schauspiellustige Neapel?

Die Pizzeria da Michele ist die wohl berühmteste der Stadt Foto © RRK

Die Liste weiterer empfehlenswerter Sehenswürdigkeiten der Stadt wäre noch lange – aber jeder braucht eine Pause. Am besten, man gönnt sich dafür die klassischste aller neapolitanischen Nationalspeisen, die „Margherita“, in der Pizzeria „da Michele“, der wohl beliebtesten der Stadt. Sie zählte schon Stars wie Julia Roberts zu ihren Gästen.

„Um Neapel wirklich kennenlernen zu können, braucht man zwei Leben“, bringt es Rosario Marino, Tourismusverantwortlicher der Stadt, für alle, die ihre To-do-Liste nicht bewältigen konnten, realistisch auf den Punkt. Dem fügt man sich am besten mit Gelassenheit und kommt so oft wie möglich wieder.

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