STÄDTETRIPPBirmingham versteht sich auf die harte Tour

Vom Industriemoloch zur modernen Metropole: Birmingham versteht sich auf die harte Tour, aber zittert wie kaum eine andere Stadt Großbritanniens vor dem Brexit.

Birmingham hat weit mehr Kilometer an Kanälen als Venedig. Man kann sie per Boot erkunden © FOTOLIA
 

Es ist eng. Es ist kalt. Und es ist dunkel. Alle paar Schritte muss man sich ducken, weil man sich sonst den Kopf stößt. „Passen Sie auf, die Treppen sind auch nicht ungefährlich“, warnt Jonathan Print. Er muss es wissen: Immerhin ist der ehrenamtliche Tourguide, der durch die drei denkmalgeschützten Häuser in der Ecke zwischen Inge und Hurst Street führt, selbst noch in einem „Back to Back“ aufgewachsen. So wie seine Eltern vor ihm.

Rückblende. Birmingham ist im 19. Jahrhundert das pochende Herz der industriellen Revolution. Schwarzer Rauch steigt aus Fabrikschloten, das Feuer lodert in den Schmelzöfen der Stahlerzeuger, die Maschinen hämmern in den Werkshallen. Immer mehr Menschen folgen dem Ruf der Arbeit in die Städte, und weil sie auch irgendwo hausen müssen, hat die Stadtverwaltung eine platzsparende Idee: die „Back to Backs“.

Top 10: Die besten Tipps

Auf dem Fundament des verrußten Industriemolochs des „Black Country“ hat sich Birmingham zu einer modernen Metropole gemausert. Die ganze Geschichte lesen Sie hier

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Und ist damit noch lange nicht fertig. Zwischen Vorzeigeprojekten wie der spektakulären Stadtbibliothek (Bild), dem Mega-Bahnhof Grand Central oder dem außergewöhnlichen Hochhaus „The Cube“ drehen sich die Baukräne im Wind.

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Alte Fabriken und Lagerhäuser reihen sich an  Luxusgeschäfte, angesagte Bars und gemütliche Cafés wie am Brindleyplace. Angesagt ist auch das innerstädtische Einkaufszentrum Bullring (Bild).

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Überhaupt ist das Einkaufen besonders beliebt: Neben London ist Birmingham in England berühmt für die besten Einkaufsmöglichkeiten. Besonders beliebt sind das Center Mailbox oder Selfridges.

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Dazwischen erstrecken sich das altehrwürdige Birmingham mit seinen schicken Stadtvillen (Bild), das historische Juwelierviertel – die größte Ansammlung von Schmuckgeschäften in ganz Europa – und das Balti-Dreieck, in dem es nach scharfem Curry und den Gewürzen der großen, weiten Welt duftet.

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Einst Vanillesoße-Fabrik, hat sich die "Custard Factory" in Digbeth zum kreativen Szeneviertel gemausert.

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Die Stadt bietet rund 60 Kilometer Kanalnetz, von dem aus man Birmingham mit Booten erkunden kann.

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Zeitreise in die industrielle Revolution im Hinterhof der „Back to Backs“, wie sie zwischen 1840 und 1970 in Birmingham von Arbeitern bewohnt wurden. Die denkmalgeschützten Gebäude können nur mit Tourguide besucht werden: www.nationaltrust.org.uk

KK

Marco Pierre White

Im 25. Stock des spektakulären Hochhauses „The Cube“ führt Englands Koch-Enfant-Terrible Marco Pierre White Bar und
Restaurant mit britischen Gerichten mit modernem Touch und spektakulärem Ausblick auf die Stadt.

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Shakespeares Geburtsstadt Stratford-upon-Avon ist von Birmingham aus öffentlich leicht zu erreichen und nicht nur für eingefleischte Fans des Dramatikers einen Tagesausflug wert. Zu sehen gibt es etwa sein Geburtshaus und das seiner
Ehefrau Anne Hathaway, das Royal Shakespeare Theatre und zahllose Schauspieler und Fremdenführer, die seine Texte in den Straßen deklamieren.

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Dabei teilen sich zwei Reihenhäuser eine Rückwand und einen Dachfirst, sodass sie wie ein normales Gebäude aussehen. Die Wahrheit im Inneren ist herb, die Räume sind winzig, kein Strom, kein fließend Wasser – Elendsviertel. Lebensbedingungen, die man auch in der aktuellen Fernsehserie „Peaky Blinders“ nachfühlen kann. Wenn man sicht traut. Einst lebte fast die gesamte Bevölkerung von Birmingham – die sogenannten Brummies – in „Back to Backs“. Heute sind noch ganze drei von ihnen übrig geblieben, die den Planierraupen entgingen. „Bis in die 1970er waren die Häuser bewohnt“, sagt Jonathan. „Die Menschen wurden in moderne Sozialbauten umgesiedelt. Trotz allem sind sie nicht gerne gegangen.“

Auf dem Fundament des verrußten Industriemolochs des „Black Country“ hat sich Birmingham zu einer modernen Metropole gemausert. Und ist damit noch lange nicht fertig. Zwischen Vorzeigeprojekten wie der spektakulären Stadtbibliothek, dem innerstädtischen Einkaufszentrum Bullring, dem Mega-Bahnhof Grand Central oder dem außergewöhnlichen Hochhaus „The Cube“ drehen sich die Baukräne im Wind.

Drei Dinge, die man in Birmingham tun sollte

  1. Barber Institute of Fine Arts. Von Botticelli bis William Turner: Die Kunstsammlung in einem Art-déco-Gebäude ist eine der hochkarätigsten der ganzen Insel außerhalb Londons. barber.org.uk
  2. Marco Pierre White. Im 25. Stock des spektakulären Hochhauses „The Cube“ führt Englands Koch-Enfant-Terrible Marco Pierre White Bar undRestaurant mit britischen Gerichten mit modernem Touch und spektakulärem Ausblick auf die Stadt.
  3. Stratford-upon-Avon. Shakespeares Geburtsstadt ist von Birmingham aus öffentlich leicht zu erreichen und nicht nur für eingefleischte Fans des Dramatikers einen Tagesausflug wert. Zu sehen gibt es etwa sein Geburtshaus und das seiner Ehefrau Anne Hathaway, das Royal Shakespeare Theatre und zahllose Schauspieler und Fremdenführer, die seine Texte in den Straßen deklamieren. www.visitstratforduponavon.co.uk

Diese Reise wurde unterstützt von BMI Regional

Alte Fabriken und Lagerhäuser reihen sich an Luxusgeschäfte, angesagte Bars und gemütliche Cafés wie am Brindleyplace. Dazwischen erstreckt sich das altehrwürdige Birmingham mit seinen schicken Stadtvillen und rund 60 Kilometer Kanalnetz, von dem aus man Birmingham mit Booten erkunden kann. Oder das historische Juwelierviertel – die größte Ansammlung von Schmuckgeschäften in ganz Europa – und das Balti-Dreieck, in dem es nach scharfem Curry und den Gewürzen der großen, weiten Welt duftet. Die zweitgrößte Stadt nämlich ist auch die ethnisch vielfältigste in ganz Großbritannien.

Die wechselhafte Geschichte der Stadt kann man auf Schritt und Tritt lesen – am besten unterstrichen von einem launigen Stadtführer wie Ian Jelf. „In Birmingham wird so viel gebaut. Manchmal erkennt man die Viertel kaum wieder, wenn man eine Zeit lang nicht dort war“, scherzt er und wählt eine Ausweichroute zur Kathedrale. „Da vorne ist gerade alles aufgegraben, da können wir nicht gehen.“ Aber wir können die Schilder an so mancher Absperrungen lesen: „Gefördert durch Mittel der Europäischen Union.“

Reisetipp

Seit Februar 2017 sind Graz und Birmingham
wegen der Fertigungsaufträge von Jaguar Land Rover bei Magna Steyr durch eine direkte Fluglinie von British Midlands International miteinander verbunden. Geflogen wird montags und freitags.
www.flybmi.com

Darauf angesprochen, huscht eine Anspannung über die Gesichter der Einheimischen, wie wenn Aston Villa gegen Birmingham City im „Second City Derby“ spielt. Der drohende Dämpfer durch den Brexit käme für die Stadt in ihrem derzeitigen wirtschaftlichen Aufschwung nach längerem Leidensweg einem sprichwörtlichen Erdbeben gleich.

Dass Birmingham auch diese Krise überstehen wird, steht für Ian außer Frage, resümiert er bei einem Pint im „The Old Joint Stock“. „Aber das Ganze war sicher eine unserer schlechteren Ideen.“

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