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ItalienVon den Ponzianischen Inseln sollte man sich bezirzen lassen

Die Ponzianischen Inseln nahe Rom sind ein Geheimtipp fürs Dolcefarniente. Der Archipel im Tyrrhenischen Meer lockt mit Landschaften von karger Schönheit, Tauch- und Wandererlebnissen, facettenreicher Küche und Capri-Flair ohne Tourismusmassen.

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Wie ein Amphitheater: die pittoresken Häuschen der Inselhauptstadt Ponza Porto © Shutterstock
 

Noch ein letztes lautes Hupen für ein paar Spätankömmlinge, dann legt die Fähre ab. Von Formia an der Küste Latiums nimmt das Schiff Kurs auf die Hauptinsel Ponza. Gemächlich brummt der Kahn durchs Meer der Zirze, die hier Odysseus’ Mannen verzaubert (bezirzt) haben soll. Ob das auch bei mir gelingt? Noch lässt sich die Insel nicht ausmachen. Kein Wunder, eine Entfernung von 68 Kilometern ist keine Kleinigkeit.

Auf halbem Seeweg zwischen Rom und Neapel gelegen, zieht es italienische Städter schon seit den 1960er-Jahren auf die Insel. „Vor allem im Juli und August, um sich dem süßen Nichtstun hinzugeben, einige der schönsten Tauchgründe des Mittelmeers aufzuspüren oder ein bisschen Jetset-Luft zu atmen. Schließlich trifft man hier nicht selten auf berühmte Künstler, Politiker, Fußballer oder sogar königliche Hoheiten. Im Hochsommer kommen zu den knapp 3000 Einwohnern rund 10.000 Gäste – 30.000 sind es, wenn man auch die Leute auf den Jachten mitrechnet“, erklärt Maurizio.

Dabei fällt mir sofort Capri ein. „Nein, hier geht es viel beschaulicher zu“, winkt der ehemalige Tourismuschef ab. Warum diese Perle trotzdem noch ein Geheimtipp ist, wird nach einigen Tagen klar: Die Anreise ist zeitaufwendig, die schönsten Strände sind nur per Boot oder zu Fuß erreichbar, und zu vielen Quartieren führen Hunderte steile Treppenstufen.

Dem stehen allerdings die vielen landschaftlichen Reize der Insel Ponza gegenüber, die besonders im Juni in üppiger Farbenpracht erstrahlt: im Grün der mit Agaven und Feigenkakteen übersäten Hügel, im leuchtenden Gelb des erblühten Ginsters, im Tiefblau des Meers, im Gelb und Weiß der Tuffstein- und Kaolin-Klippen.

Das kristallklare Wasser beim Arco Naturale an Ponzas Ostküste Foto © Vladimir Sazonov/stock.adobe.com (Vladimir Sazonov)

An der Ostküste zieht das Fahrschiff vorbei am dunklen Arco Naturale, einem hufeisenförmigen Felsbogen mitten im Meer, Buchten mit so einprägsamen Namen wie Cala d’Inferno (Höllenbucht) und Cala Core (Herzbucht) und steuert schließlich das südliche Inselende und den Hauptort Ponza an. Was für ein Anblick! Bunte Häuschen, die sich eng an die mit Macchia bewachsenen Hänge schmiegen und mit der halbrunden Hafenbucht eine Art Amphitheater bilden. Ich glaube, der Zauber der Zirze wirkt schon.

Große Hotels sucht man auf Ponza vergeblich. „Das diesbezügliche Angebot ist nicht groß, wir sprechen hier von rund 750 Betten. Interessant sind aber auch die anderen 3000 Unterkünfte, von B&Bs über Appartements, Ferienhäuschen bis hin zu traumhaften Villen. Alle diskret über die Insel verstreut und an den architektonischen Stil der alten Bauten angepasst.“ Maurizio muss es wissen, seine Frau Stefania führt schließlich eine der rund zehn Immobilienagenturen auf Ponza.

Zerklüftete Küsten im ursprünglichen Hinterland Foto © Matteo Ciani/stock.adobe.com

Den angesagten Frontone-Strand kann man nicht nur bequem per Shuttle-Boot erreichen. Hier herunter gelangt man auch über die einzige Provinzstraße und weiter zu Fuß über einen steilen Weg und Stufen. Davor lohnt sich ein Abstecher zur winzigen malerischen Felsbucht unterhalb der Ruinen einer alten mittelalterlichen Festung. Überhaupt ist Ponza übersät mit mehr oder weniger wilden Wanderpfaden, die zu Buchten, Stränden und Grotten führen.

Das schönste Panorama genießt der Wanderer vom Monte Guardia, der höchsten Erhebung der Insel. Von hier lassen sich die restlichen Eilande des Archipels erspähen und man kann in Ruhe gustieren, welches als nächstes angepeilt wird.

Lesetipp

Die Reportage über die Ponzianischen Inseln in voller Länge und mit vielen Hotel- und Restauranttipps können Sie in der neuen Ausgabe des Alpe-Adria-Magazins nachlesen.

Vielleicht reizt ja das Abenteuer auf einer der unbewohnten Nachbarinseln Palmarola oder Zannone, die eine felsig und zerklüftet mit ihren in den Tuffstein gehauenen Case-Grotten (Höhlenhäuser), die andere ein kleines mit Steineichen bewaldetes Kleinod. Oder man sehnt sich nach totaler Entspannung. Dann ist Ventotene, die im Vergleich zu Ponza kleinere, stillere und weniger hügelige Insel, die richtige Wahl.

Egal, wie man sich entscheidet. „Die Ponzianischen Inseln sind einfach die schönsten Inseln der Welt“, sagen die Einheimischen. Zumindest eine der schönsten des Mittelmeers, meine ich – offensichtlich bezirzt von diesem wunderbaren Archipel.

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