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Mein RusslandJenseits von Raum und Zeit: Eine Reise durch Russland

„Mein Russland“ soll ich beschreiben. Als ob sich dieses Land in Worte fassen ließe. Von Begegnungen im Schnee und in der Küche, von Gigantomanie und dem Glück des Einfachen.

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„Mutter Heimat ruft“:  die Kolossal-Statue in Wolgograd
„Mutter Heimat ruft“: die Kolossal-Statue in Wolgograd © Elena Odareeva - stock.adobe.com
 

Ich kann nur scheitern. „Mein Russland“ soll ich beschreiben, auf nur zwei Seiten. Russland gehört sich selbst. Falls überhaupt. An allen Ecken und Enden sucht es sich, stöbert auf dem Dachboden in den Schatztruhen der Historie, obwohl gerade hier die Menschen den Augenblick verschlingen. Das größte Land der Erde, elf Zeitzonen, so lange versteckt hinter dem Eisernen Vorhang, wie Dornröschen im Dornenwald. Die historischen Ansichten vom Dachgebälk – man sieht sie in Russland auf Schritt und Tritt, und sie sind umwerfend. Die Truhen bersten vor Reichtum: zaristische Paläste, altrussische Klöster, sowjetische Denkmäler. Verloren hat sich Russland, als die Bolschewisten das Zarentum wegrafften, als Stalin erst Illusionen, dann Menschenleben zerstörte, als die Utopien an der Realität zerschellten, als der „Sojus“ – die Union – zerbrach, das alte Russland weg war und noch kein neues da. Als Putin Hoffnung gab, die langsam wieder brüchig wird. So wird renoviert, restauriert, wiedereröffnet. Wunderschön ist Russland heute.

Mir fällt beim Gedanken an Russland trotzdem keine Truhe und kein Denkmal ein, sondern eine Farbe. Grün. Und dass man Zeit braucht. Im Zug von Moskau Richtung Süden. Nicht ein paar Stunden, wie bei uns, sondern ein paar Tage. Denn Russland, das sind Weiten, die kann sich ein in Österreich entwickeltes Gehirn nicht vorstellen.
Auch fürs Grün fehlt meinem Hirn die Lexik, denn es sind so viele Schattierungen, Kräuter, Gewächse, die haben wir so nicht. Tagelang grün, nur sporadisch sind Menschen oder Pferde oder Städte zu sehen. Wie auf einem Schiff ganz draußen auf dem Meer – endloser Blick bis zum Horizont, meistens flach, manchmal leicht gewellt, das goldene Licht der sinkenden Sonne, der Tee, den der bärtige Schaffner seinen Mitreisenden aus dem Samowar kredenzt, immer routinemäßig mit Blick auf die Finger der Passagierinnen – wer ist verheiratet, wer noch nicht? –, und vor dem Fenster gewelltes Dunkel-, Mittel-, Hell-, Türkis-, Flaschen- und Mittelhell-, aber immer Grün. Oft Birken, das ist kein Klischee, und dann wieder Weite und Weite, und wer als Bildschirm-Junkie die Augen schon länger nicht ausgestreckt hat, wird merken, dass sie zum Abhängen in russischer Endlosigkeit gedacht sind.

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