Neu auf der Liste der Unesco Das sind die neuen Welterbestätten

Die UN-Kulturorganisation Unesco hat insgesamt 34 Orte in die Liste des Welterbes aufgenommen. Das sind die Newcomer.

Die Umgestaltung des Stadtbilds von Ljubljana durch den Architekten Jože Plečnik ist ein herausragendes Beispiel für die urbane Erneuerung, die im Gebiet des ehemaligen Österreich-Ungarn zwischen den Weltkriegen einsetzte. Plečnik plante auf Basis neu konzipierter Stadtachsen gezielte Verbesserungen: So interpretierte er das Zentrum in einer Kombination aus öffentlichen Räumen (Plätze, Parks, Straßen, Promenaden, Brücken) und öffentlichen Einrichtungen (Bibliothek, Kirchen, Märkte, Friedhöfe). Die von Plečnik geschaffene Stadtgestaltung Ljubljanas ist ein einzigartig harmonischer Dialog zwischen Alt und Neu.

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Das europäische Kur-Phänomen hatte seine stärkste Ausprägung zwischen 1700 und den 1930er-Jahren, nun wurden die internationalsten und dynamischsten Kurorte auf die Liste des Welterbes gesetzt: Spa (Belgien), Bad Ems, Baden-Baden und Bad Kissingen (Deutschland), Vichy (Frankreich), Montecatini Terme (Italien), Baden bei Wien (Österreich), Karlovy Vary (Karlsbad), Františkovy Lázně (Franzensbad) und Mariánské Lázně (Marienbad) in Tschechien sowie Bath (Vereinigtes Königreich, im Bild).

Colin Hawkins

Arslan Tepe ist eine archäologische Ausgrabungsstätte in der türkischen Malatya-Ebene, zwölf Kilometer südwestlich des Euphrat. Vom 6. Jahrtausend vor unserer Zeitrechnung bis in die spätrömische Zeit besiedelt, erlebte es seine Blüte in der späten Kupfersteinzeit und gewährt einen einzigartigen Einblick in ein erstes elitäres Leben und die frühesten Formen staatlicher Verwaltung.

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Die japanischen Inseln Amami-Oshima, Tokunoshima, Iriomote und der nördliche Teil von Okinawa liegen in einer der 200 Ökoregionen, die weltweit als entscheidend für den Erhalt globaler Biodiversität gelten. Das Welrnaturerbe umfasst mehr als 42.000 Hektar und besteht aus fünf Teilgebieten.

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Obwohl er nur für einen vergleichsweise kurzen Zeitraum – von etwa 250 bis 200 vor Christus – genutzt wurde, stellt der archäoastronomische Komplex von Chanquillo den Höhepunkt langer astronomischer Entwicklungen im peruanischen Casma-Tal dar. Die Anlage besteht aus einem dreifach ummauerten Festungs- und Tempelhügel sowie dem Sonnenobservatorium, einem Verwaltungstrakt und dreizehn würfelähnlichen Türmen, die sich an einer Hügelkante entlangziehen.

IDARQ

Das milde Klima und die malerische Umgebung Nizzas veranlassten ab Mitte des 18. Jahrhunderts immer mehr wohlhabende Familien, hier die Wintermonate zu verbringen. Im Laufe des 19. Jahrhunderts führten die wachsende Zahl und Vielfalt der Winterbewohner zur sukzessiven Entwicklung neuer Stadtteile. Nizza wurde zum internationalen Zentrum des architektonischen und städtebaulichen Gedankenaustauschs.

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Die insgesamt 62 Kilometer Arkadengänge spiegeln verschiedene Stil- und Bauphasen wider. Konzipiert als privates Eigentum zur öffentlichen Nutzung, sind die Porticos Ausdruck und Bestandteil der urbanen Identität der italienischen Stadt Bologna.

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1818 von der niederländischen Gesellschaft für Barmherzigkeit ins Leben gerufen, waren die Kolonien ein aufklärerisches Experiment zur Armenhilfe und Urbarmachung von Brachland. Heute besteht die Welterbestätte aus den vier Siedlungen Frederiksoord, Wilhelminaoord, Wortelwhich und Veenhuizen (im Bild). Verarmten Menschen wurden dort Heide- und Torfflächen zur Verfügung gestellt, die sie erschlossen. Die Kolonien der Barmherzigkeit in den Niederlanden und in Belgien sollten ihnen einen Weg zurück in die Gesellschaft ebnen.

James van Leuven

Die monumentalen Steinbrüche und Minen der Schieferlandschaft im Snowdon-Massiv in Nordwestwales sind ein beispielloses Zeugnis dafür, wie sich landwirtschaftlich genutzte Flächen während der Industriellen Revolution verwandelten. Obwohl schon zu Römerzeiten abgebaut, wurde der walisische Schiefer durch nachhaltige Großproduktion vom späten 18. bis zum frühen 20. Jahrhundert zum globalen Marktführer.

Bernd Brueggemann/stock.adobe.com (Bernd Brueggemann)

1584 auf einem Felsplateau vor der Gironde-Mündung errichtet, ist der Leuchtturm von Cordouan bis heute in Betrieb. Sein Bau sollte die Tradition berühmter Leuchttürme der Antike fortsetzen und der französischen Monarchie zu einem bedeutenden Machtsymbol verhelfen. Im 18. Jahrhundert wurde der Turm auf 67 Meter erhöht und modernisiert, wobei sowohl die technischen Änderungen in der Lichtkammer als auch die Steinschnittarbeiten meisterhaft umgesetzt wurden.

Manuel Cohen

Die Kolchischen Regenwälder und Feuchtgebiete in Georgien gehören zu einem der zwei wichtigsten Überbleibseln arkto-tertiärer Reliktwälder im westlichen Eurasien. Sie zeichnen sich durch eine große Vielfalt an Flora und Fauna aus, insbesondere endemischer Arten, die die Eiszeiten des Tertiärs überlebt haben.

Paata Vardanashvili

Das westliche Segment des Donaulimes folgte dem Fluss für rund 600 Kilometer entlang der römischen Provinzgrenzen, vom heutigen Bad Gögging in Deutschland durch Österreich bis in die Slowakei. Erstmalig in der flavianischen Dynastie (69 bis 96 vor Christus) angelegt und später ausgebaut, bestanden seine vernetzten Befestigungsanlagen aus Legionärsfestungen, Forts verschiedener Größe sowie Wachtürmen und Zivilgebäuden.

Zsolt Visy

Der Rudreshwara-Tempel in Indien, im Volksmund Ramappa-Tempel genannt, ist das bedeutendste Shiva-Heiligtum eines großen Tempelkomplexes aus der Kakatiyan-Zeit von 1123 bis 1323. Reich geschmückt mit verzierten Balken und Säulen aus geschnittenem Granit und Dolerit, krönt ihn ein markanter pyramidenförmiger Vimana, ein horizontal gestufter Turm, aus sogenannten „schwimmenden Ziegeln“. Auf dem Tempelgelände – wie auch im gesamten Komplex – befinden sich zudem zahlreiche hochwertige Steinskulpturen.

ASI

Getbol in Südkorea ist eines der größten Wattenmeere der Welt. Die vier Teilstätten Seocheon Getbol, Gochang Getbol, Shinan Getbol und Boseong-Suncheon Getbol mit einer Gesamtfläche nahezu 130.000 Hektar befinden sich im Gelben Meer zwischen China und der koreanischen Halbinsel. Im Herzen der ostasiatisch-indopazifischen Zugroute gelegen, beherbergen sie Millionen wandernder Wasservögel und ist Heimat von 2150 verschiedenen Arten von Flora und Fauna.

World Heritage Promotion Team of Korean Tidal Flat

Die Chinchorro siedelten zwischen 5450 und 890 vor unserer Zeitrechnung an der Nordküste Chiles. Die Überreste ihrer Siedlungen und Friedhöfe zeugen insbesondere von einer komplexen Spiritualität. So waren die Chinchorro nachweislich die ersten Menschen weltweit, die ihre Verstorbenen künstlich mumifizierten.

Carlos Chow

Großherzog Ernst Ludwig von Hessen und bei Rhein gründete 1899 auf der Mathildenhöhe Darmstadt eine Künstlerkolonie als Zentrum der damals neu entstehenden Reformbewegung in Architektur, Kunst und Handwerk. Die experimentelle Wohn- und Arbeitsstätte wurde von den Künstlern selbst gestaltet und im Zuge von vier internationalen Ausstellungen 1901, 1904, 1908 und 1914 erweitert. Das Ensemble der Mathildenhöhe ist ein außerordentliches Zeugnis von Architektur und Landschaftsgestaltung an der Schwelle zum 20. Jahrhundert.

Ingo E. Fischer

Die 4500 Felsbilder in der russischen Republik Karelien wurden von Menschen der Kammkeramischen Kultur während der Jungsteinzeit geschaffen. Sie sind in 33 Teilgebiete aufgeteilt, 22 am Onegasee und elf am Weißen Meer. Die Bilder sind nicht nur eine der größten Felskunststätten weltweit, sondern auch von herausragender Qualität und besonderer künstlerischer Ausdruckskraft.

N.V.Lobanova

Die Freskenzyklen aus dem 14. Jahrhundert befinden sich im alten Zentrum der italienischen Stadt Padua, untergebracht in acht Gebäudekomplexen: der Cappella degli Scrovegni, der Chiesa degli Eremitani, dem Palazzo della Ragione, dem Palazzo Papafava dei Carraresi, dem Baptisterium sowie den angrenzenden Piazze, der Basilica di Sant’Antonio und dem Oratorio di San Michele. Inspiriert von Fortschritten der optischen Wissenschaft nutzten Giotto und andere Künstler hier erstmalig die räumliche Perspektive und stellten menschliche Figuren mit individuellen Zügen und Gefühlsäußerungen dar.

Comune di Padova, Gabinetto Fotografico dei Musei Civici di Padova

Der fast 412.000 Hektar große Waldkomplex Kaeng Krachan im Westen Thailands weist eine herausragend hohe Biodiversität auf, einschließlich weltweit bedrohter Flora und Fauna. In seinen sechs Waldtypen finden sich 81 seltene und 48 vom Aussterben bedrohte Pflanzenarten. Auch 35 Tierarten in unterschiedlichen Stadien der Gefährdung sind für Kaeng Krachan nachgewiesen, darunter vier endemische: das Siam-Krokodil, das Malaiische Schuppentier, die Gelbkopfschildkröte und die Braune Landschildkröte.

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Die Madrider Landschaft der Künste und Wissenschaften - der Paseo del Prado und Buen Retiro - ist ein herausragendes Beispiel für neue städtebauliche Modelle im aufgeklärten Absolutismus des 18. Jahrhunderts. Das Streben nach einer utopischen Gesellschaft illustrierend, vereinigt sie auf 200 Hektar Gebäude für Kunst, Wissenschaft, Industrie, Gesundheit und Forschung.

Ayuntamiento de Madrid

SchUM ist das Akronym der mittelalterlichen hebräischen Städtenamen von Speyer, Worms und Mainz. Es bezeichnet den Zusammenschluss der drei jüdischen Gemeinden der Städte. Als Verbund der SchUM-Städte bildeten Mainz, Worms und Speyer im Mittelalter das Zentrum des Judentums in Europa. Von der wechselvollen Geschichte der drei Gemeinden erzählen bis heute Bauwerke und Friedhöfe, die zu den ältesten Zeugnissen jüdischen Lebens in Deutschland und Europa gehören.

Ernst, Jürgen

In einer Blütezeit des asiatischen Seehandels zwischen dem 10. und 14. Jahrhundert wuchs das chinesische Quanzhou zu einem Handelszentrum von Weltbedeutung heran. Die Welterbestätte setzt sich aus zahlreichen unterschiedlichen Einzeldenkmälern zusammen. In ihrer Verbindung zueinander zeigen sie den großen Beitrag Quanzhous für die Entwicklung Ost- und Südostasiens auf.

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In der rumänischen Bergbaulandschaft Roșia Montană befindet sich die bedeutendste, weitläufigste und technisch facettenreichste Goldmine des Römischen Reiches. In ihrer Gesamtheit verkörpert Roșia Montană eine unvergleichliche Pionierleistung in der Abbautechnologie. Die Stätte wurde zudem in die Liste des gefährdeten Welterbes aufgenommen, da Lizenzen für den Edelmetall-Abbau in dem Gebiet bestehen.

Radu Salcudean

Die Roberto-Burle-Marx-Stätte im brasilianischen Rio de Janeiro umfasst weitläufige Landschaftsgärten mit Architekturelementen sowie die zugehörigen Gebäude. Über 40 Jahre arbeitete der Architekt und Künstler Roberto Burle Marx (1909–1994) in diesem „Landschaftslaboratorium“ an der Verschmelzung künstlerischer Ideen der Moderne mit der Aufzucht einheimischer tropischer Pflanzen.

Oscar Liberal

Der Ingenieur Eladio Dieste entwarf die von 1958 bis 1960 gebaute Kirche mit Glockenturm und unterirdischem Baptisterium vollständig in Sichtmauerwerk. Er ließ sich dabei durch italienisch-frühchristliche und mittelalterliche Sakralarchitektur inspirieren, entwickelte für die Umsetzung aber eine neue Ziegelbautechnik mit verstärkter Keramik.  Die Kirche von Atlántida in Uruguay ist die räumlich und ästhetisch expressivste Vertreterin dieses verstärkten Ziegelmauerwerks.

Javier Villasuso

Die Transiranische Eisenbahn verbindet das Kaspische Meer im Nordosten mit dem Persischen Golf im Südwesten des Landes. Mit ihren 360 Brücken und 224 Tunneln überquert sie zwei Gebirgszüge sowie Flüsse, Hochland, Wälder und Ebenen über 1394 Kilometer und vier Klimazonen hinweg. Die Bahnstrecke wurde von der iranischen Regierung und 43 internationalen Bauunternehmen entworfen, 1927 begonnen und 1938 fertiggestellt.

Hossein Javadi

Der Kulturraum von Ḥimā liegt an der ältesten Zollstation einer historisch bedeutenden Karawanenroute im Südwesten Saudi-Arabiens. Reisende, die zu verschiedenen Zeiten die Wüste durchquerten, hinterließen hier Spuren in Form von Inschriften und Bildern auf den nahe gelegenen Felsen. Ihre gemalten, geschriebenen oder eingeritzten Äußerungen über Liebe, Bräuche, Religionen und Jagd sowie über Tiere und Pflanzen stellen eine einzigartige Chronik der letzten 7000 Jahre menschlicher Kultur dar.

Majeed Khan

Die sich über 200 Kilometer erstreckenden Wasserverteidigungslinien am Rand des holländischen Kernlands besteht aus der Neuen Niederländischen Wasserlinie und dem bereits 1996 zum Unesco-Welterbe ernannten Festungsgürtel von Amsterdam. Zwischen 1815 und 1940 erbaut, umfasst die nun erweiterte Welterbestätte 96 Forts, Deiche, Schleusen, Pumpstationen, Kanäle und Flutpolder.

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Begünstigt durch ihren neuen Status als Verwaltungshauptstadt Transjordaniens erlebte As-Salt zwischen den 1860er- und 1920er-Jahren eine Blütezeit. Die rasante Entwicklung der kleinen Siedlung zu einer pulsierenden Handelsmetropole zeigt sich heute noch in den charakteristischen gelben Kalksteingebäuden und dem zwischen ihnen angelegten Netz aus Treppen, Alleen, öffentlichen Plätzen und Straßen. Statt sich in abgegrenzten Vierteln anzusiedeln, pflegten die ankommenden Händler, Großbauern und Handwerker mit den Einheimischen einen intensiven kulturellen Austausch über Herkunfts- und Glaubensgrenzen hinweg.

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Bis zu 40.000 Jahre alte Pfade, Felsunterkünfte, Friedhöfe, Burgen und Inschriften erzählen in der Kulturlandschaft Hawraman/Uramanat (Iran) von einer ununterbrochenen Besiedelung der Zagros-Berge, die sich konsequent an die unwirtliche Umgebung angepasst hat.

Babak Sedighi

Dholavira, zwischen 3000 und 1500 vor Christus auf der wasserarmen, indischen Insel Khadir im großen Rann von Kachchh, einem Salzsumpf, erbaut, war das südliche Zentrum der Harappan-Kultur.

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In den letzten Dekaden vor Christus begonnen, verlief der Niedergermanische Limes 400 Kilometer entlang des unteren Rheins, von der Nordseeküste der heutigen Niederlande bis südlich von Bonn. Sein Bau markierte die früheste durchgehende Grenzlinie des Römischen Reiches.

Stichting Tijdlijn

Im Süden der japanischen Insel Hokkaido geben siebzehn archäologische Fundstätten Zeugnis von der besonderen Lebensweise und komplexen spirituellen Kultur der Jomon.

Aomori Prefecture Board of Education (Cultural Property Protection Division)

Die Lehmbauweise der acht kleinen Moscheen in Tengréla, Kouto, Sorobango, Samatiguila, M'Bengué, Kong und Kaouaraé an der Elfenbeinküste ist spezifisch für den Sudan und die Savannenregion Westafrikas. Um das 14. Jahrhundert in Djenné im Malireich entstanden, kennzeichnen die Moscheen hervorstehende Balken und vertikale Strebepfeiler, die von Keramik oder Straußeneiern gekrönt sind, sowie sich verjüngende Minarette.

OIPC

Der Ivindo-Nationalpark liegt im Norden Gabuns und umfasst eine Fläche von knapp 300.000 Hektar. Er beherbergt eine reiche Süßwasserfauna, darunter viele bedrohte Arten wie das Westafrikanische Panzerkrokodil. Auch in den sehr alten Wäldern des Nationalparks leben zahlreiche vom Aussterben bedrohte Arten, so unter anderem der Waldelefant, der Westliche Flachlandgorilla, der Leopard und die Afrikanische Goldkatze.

Lee White
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