Fjord-NorwegenKosten vom Füllhorn des Nordens

Wer die Tore zu Fjord-Norwegen aufstößt, wird reich beschenkt: Pure nordische Schönheit, von atemberaubender Umwelt und herzlichen Menschen geprägt, lässt alle Sinne erwachen.

Ålesund - eine Perle Norwegens
Ålesund - eine Perle Norwegens © Thomas Golser
 

Seele und Sinne so richtig durchlüften, Natur fühlen, Geschichte erleben: Die ersten Eindrücke werden dem nicht gerade stressunerfahrenen Journalisten zum willkommenen Reisebegleiter, sobald er die Pforten von Fjord-Norwegen passiert.

Das Tor zum Fjordland

Bergen, die zweitgrößte Stadt des Landes, ist die Eintrittskarte. In sattes Grün eingebettet und von Wasser eingerahmt, gibt sie im einstigen Hanse-Viertel Bryggen ihre reiche Vergangenheit preis. Das Stadtzentrum samt Fischmarkt am Hafen (leider auch mit Importware) wurde Weltkulturerbe - Willkommenskultur wird ebenfalls groß geschrieben: Unter der zunächst herben Hülle der Einheimischen schlummert viel Gastfreundschaft. Am Aussichtspunkt Mount Floyen begegnen einem bereits die ersten Trolle (aus Holz) – jene liebenswert ungezogenen, wuscheligen Ungeheuer der nordischen Mythologie. Nicht weit entfernt, im Stadtteil Fana, liegt das Edvard-Grieg-Museum. Dort kann der Musikfreund Troldhaugen, das wie aus der Zeit gefallene Wohnhaus des Komponisten, besuchen und Live-Darbietungen seiner romantischen Musik lauschen. Als Vorspeise, oder "forrett", wie es im Norwegischen heißt, gerade das Richtige.

Nordische Natur: Impressionen aus Fjord-Norwegen

Thomas Golser
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Am zweiten Tag geht es ab Myrdal mit der Flåmsbana auf Reise. "Eine der schönsten Bahnstrecken von Europa", lobt das Prospekt – was der Schreiber dieses Berichts dick mit Füller unterstreicht. Wem trotz frischer Außentemperaturen der Sinn nach einer kleinen Dusche steht, kann sich beim Zwischenstopp vor den Kjosfossen-Wasserfall stellen. Sehr belebend! Am Weg dorthin gilt es, Bergketten und, dem Schmelzwasser sei Dank, Wasserfälle sonder Zahl zu bestaunen. Mehr als ein Geheimtipp – eine Platzreservierung wäre wohl nicht die schlechteste Idee. Endstation ist Flåm, ein 450-Seelen-Dörfchen, an dem dorfgroße Kreuzfahrtschiffe halt machen.

Vom Wasser ab in die Berge: Busfahrer Bjarte verblüfft mit Fachwissen zu eh allem und gibt am Weg zum Gletschermusem in Fjærland Einblicke in das erdige und sympathische Norske-Naturell. Dessen Leiter wartet mit spannender Theorie auf (und offeriert sinnigerweise Eislutscher), Ehrfurcht löst der mächtige Bøyabreen-Hängegletscher schon aus der Ferne betrachtet aus. Ein anderer Höhepunkt ist die Stabkirche von Borgund, die auch jene bannen wird, die ihre Urlaube sonst nicht unbedingt um den Besuch von Gotteshäusern herum planen: Von 1000 solcher Kirchen sind in Norwegen heute nur noch 29 in einem authentischen mittelalterlichen Zustand.

Borgund entstand um 1180 – und zeichnet den Übergang von heidnischem Glauben zum Christentum, vom finsteren Wikingerzeitalter bis zur Neuzeit, eindrucksvoll nach. Wer sich das pechschwarze Gebälk anschaut, vermag zu spüren, was diese bizarr anmutende Kirche über Jahrhunderte erlebte. Dann Abendessen: Die kulinarischen Eindrücke während der Reise konzentrieren sich bewusst auf Lachs in 1001 Variationen, Gemüse und Käse – und sind als gschmackig zu bewerten. Nach kurzer Nacht – mit Dunkelheit für fünf Stunden – steht an Tag drei das Oldedalen-Tal an. Spätestens hier ist klar: Norweger leben nicht nur in, sondern mit der Natur. (Menschengesteuerte) "Troll Cars" bringen einen zum Briksdalsbreen-Gletscher: trotz Klimawandels noch monumental.

83.000 Kilometer Küste

Bjarte, der den Bus stoisch navigiert, erzählt nicht ohne Stolz, dass Norwegen seinen Strombedarf mit Wasser deckt und all die Kraftwerke unsichtbar, weil im Berg verbaut, bleiben. Apropos Wasser: Norwegen hat eine Küstenlinie von über 83.000 Kilometern, mit 514 Metern ist der nahe Hornindalsvatnet zudem der tiefste Binnensee Europas. Um alle Transportmittel abzudecken, steht die Fähre zum Geirangerfjord, einer Station auf der historischen Hurtigruten-Strecke, bereit. Ein imposantes Motiv, die Wanderung zum Storseterfossen-Wasserfall wirkt kreislaufanregend.

Das Filetstück zum Abschied wird die wundervolle Stadt Ålesund – mit Jugendstilgebäuden übersäht und in glasklares nordisches Licht getaucht. Das Leuchtfeuer Alnes Fyr lässt das Seebärenherz höher schlagen. Danach muss sich der Schreiber aber tatsächlich zum Flugzeug trollen – doch dieses Norwegen hat längst einen neuen Bewunderer gewonnen. Ser deg snart!

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