Rat für Patchworkfamilien„Das Erbrecht ist ungerecht“: So können Sie Ihre Lieben am besten absichern

Wenn es ums Erben geht, spielen sich gerade bei Patchwork-Familien dramatische Szenen ab, sagt die Familienrechtsexpertin Susanna Perl-Lippitsch. Denn das Erbrecht ist auf klassische Kernfamilien zugeschnitten. Worauf es ankommt, wenn Sie Ihre Lieben für später absichern möchten.

×
Artikel gemerkt

Gemerkte Artikel können Sie jederzeit in Ihrer Leseliste abrufen. Zu Ihrer Leseliste gelangen Sie direkt über die Seiten-Navigation.

Zur Leseliste
 

In letzter Zeit häufen sich OGH-Entscheidungen zu Erbstreitigkeiten. „Kein Wunder“, sagt die Rechtsanwältin Susanna Perl-Lippitsch, denn das Erbrecht passe schon längst nicht mehr zu modernen Familienverhältnissen und gehöre reformiert. Wer vererben möchte, sollte ihrer Ansicht nach viel mehr Gestaltungsmöglichkeiten bekommen, „zum Beispiel, dass das Pflichtteil auf ein Viertel reduziert werden kann“.

Das geltende Recht ist, wie die Juristin betont, noch immer auf die Kernfamilie gemünzt, und ignoriere die wachsende Anzahl von Patchworkfamilien. „Fast alle Erbstreitfälle in unserer Kanzlei haben mit Patchworkfamilien zu tun – die modernen Familienverhältnisse machen auch das Erben komplexer.“ Viele Erblasser würden überdies versuchen, das Pflichtteil zu umgehen – etwa, indem sie bereits vorher schenken oder indem sie auf Rechtssysteme anderer Länder ausweichen, wenn ihnen das möglich ist. „Das führt regelmäßig zu Konflikten“, betont Perl-Lippitsch und fügt hinzu: „Das Erbrecht ist ungerecht!“

Derzeit sieht die Grundregel im Erbrecht folgendermaßen aus: Der bestehende Ehegatte oder die Ehegattin erbt ein Drittel des Vermögens. Die eigenen Kinder – unabhängig davon, aus welcher Ehe – erben gemeinsam zwei Drittel. Stiefkinder gehen leer aus. „Wer etwas anderes möchte, muss ein Testament aufsetzen, aber selbst dann ist der
Handlungsspielraum begrenzt. Man kann zum Beispiel nicht seinen  Kindern oder der neuen Frau testamentarisch einfach sein gesamtes Vermögen vermachen“, warnt die Expertin.

Die häufigsten Fragen, die Perl-Lipptisch in der Praxis gestellt werden:

  1. Wie kann ich es einrichten, dass nur meine eigenen Kinder erben bzw. nur mein derzeitiger Ehegatte versorgt wird?
    Antwort: In diesem Fall müssen die Erb- und Pflichtteilsberechtigten einverstanden sein und verbindliche Verzichtserklärungen abgeben.

  2. Was muss ich tun, damit mein Ehegatte in der Ehewohnung bleiben kann und nicht weichen muss, wenn die Kinder aus der früheren Beziehung dies von ihm verlangen?
    Antwort: Ein lebenslanges, unentgeltliches Wohnrecht muss vereinbart werden.

  3. Wie können auch meine Stiefkinder erben?
    Antwort: Sollen sie im selben Ausmaß erben wie die eigenen Kinder, dann ist eine Adoption die Lösung.

  4. Wie kann ich verhindern, dass mein Ex-Partner das von mir vererbte Vermögen unseres gemeinsamen minderjährigen Kindes verwaltet?
    Antwort: Hier muss ein Testamentsvollstrecker eingesetzt werden.

  5. Wie kann ich es einrichten, dass meine unverheiratete Lebensgefährtin etwas erbt?
    Antwort: Sie muss testamentarisch bedacht werden.

„Es kann schmerzhaft sein, seine Beziehungen zu geliebten Menschen abzuwägen und zu überlegen, wie sie nach dem eigenen Tod versorgt werden sollen. Informieren Sie sich dennoch rechtzeitig über die Möglichkeiten, die Sie haben, und setzen Sie die nötigen Maßnahmen. Damit leisten Sie Ihren Teil zu einem friedvollen Familienverband auch nach Ihrem Ableben“, lautet der Rat der Anwältin.

Kommentare (7)
VH7F
0
4
Lesenswert?

Jedenfalls Testament schreiben,

Wenn es was zu verteilen gibt.

stern000
12
4
Lesenswert?

Fwf Experte

Wie beurteilen Sie dann die Lage, wenn ein Vater ab Babyalter immer wieder Ausreden parat hatte,weshalb er sein Kind aus 1. Ehe nicht besuchen kann oder will, sich bis zum 30. Lebensjahr nicht und um nichts gekümmert hat außer seinen nicht zu hohen Unterhalt bezahlt hat, obwohl die Mutter immer wieder Versuche für ein Treffen gestartet hat?

romagnolo
3
5
Lesenswert?

Wie beurteilen Sie dann die Lage, wenn eine Mutter ab Babyalter immer wieder

Ausreden parat hatte,weshalb er sein Kind nicht sehen durfte, sondern nur, den nie ausreichenden Unterhalt zahlen durfte,obwohl der Vater immer wieder Versuche für ein Treffen gestartet hat?

pescador
0
4
Lesenswert?

Thema verfehlt

.

pescador
1
24
Lesenswert?

Zu Lebzeiten regeln

Wichtig ist, dass man den eigenen Nachlass zu Lebezeiten regelt. Das erspart so manchen Streit zwischen Erbberechtigten. Viele Familien, Geschwister und Verwandte haben sich wegen Erbstreitigkeiten unversöhnlich zerstritten. Das muss nicht sein, wenn man rechtzeitig vorsorgt.

landbader
8
5
Lesenswert?

Wahlrecht beim Erbrecht

Da es viele nicht österreichische Staatsbürger der EU in Österreich gibt, kann man sich testamentarisch das Erbrecht aussuchen. Zum Beispiel 33% Erbschaftssteuer für den Staate Irland, aber dafür völlige Gestaltungsfreiheit wer was bekommt. Und sei es die AIDS Hilfe der Cayman Islands...Malta, Zypern, Portugal verkaufen auch Staatsbürgerschaften um ca 500.000 €

fwf
5
37
Lesenswert?

Pflichtteil

Habe schon mehrfach erlebt, dass im Erbfalle Kinder, welche sich jahrzehntelang nicht um die Eltern gekümmert, oder aber den Kontakt bewußt abgelehnt haben, dann auf ihren Pflichtteil pochen. Das gehört unbedingt abgestellt.