Die Experten der Arbeiterkammer Oberösterreich warnen rechtzeitig zum Start der Semesterferien: „Bei aller Freude am vielen Schnee sollten Sportbegeisterte auch an einen ausreichenden Versicherungsschutz denken." Ist nach Unfall zum Beispiel eine Bergung ins Tal mit dem Hubschrauber nötig, kostet dies ein paar tausend Euro. Hier springt eine private Unfallversicherung ein, wenn Bergungskosten darin ausreichend versichert sind. Schutz für Bergungskosten bieten unter gewissen Voraussetzungen aber auch Kreditkarten, Reiseversicherungen und Mitgliedschaften in Autofahrerclubs, beim Alpenverein oder den Naturfreunden. "Prüfen Sie schon vor dem Urlaub, ob Sie hier ausreichend versichert sind!" Der Kärntner Versicherungsexperte Reinhard Jesenitschnig kann sich diesem Rat nur anschließen: „Ich hatte schon einen Fall auf dem Schreibtisch, da wurde jemand mit dem Hubschrauber vom Nassfeld nach Villach gebracht, das sind vielleicht 60 Kilometer Luftlinie. Kostenpunkt: 6000 Euro.“ Im Ausland - die Unfallversicherung gilt ja weltweit - komme man mit solchen Summen freilich nicht weit. Dafür könne man Rückholkosten in einer Reiseversicherung abschließen. „Es ist jedenfalls wichtig, bei einer Unfallversicherung genau auf die einzelnen Bausteine und die Ausschlüsse in den Bedingungen zu achten!“

Wer sich bei Freizeitunfällen vor den finanziellen Folgen einer bleibenden Invalidität ausreichend schützen will, benötigt ebenfalls eine private Unfallversicherung, da die gesetzliche Unfallversicherung Unfälle im privaten Bereich nicht deckt. „Berücksichtigen Sie, dass die in Reiseversicherungen oder Kreditkarten enthaltenen Invaliditätsleistungen meist nicht ausreichend sind. So entsteht hier ein Anspruch auf Leistung oft erst ab einer Invalidität von 50 Prozent,“ warnen die Experten der AK.

Aber bei welchem Sport auf welchem Gelände gibt es überhaupt einen Schutz durch die private Unfallversicherung? Macht es einen Unterschied, ob man einmal im Leben auf einer privaten Rennstrecke fährt oder regelmäßig, ob man sich samt Sportgerät auf ungesichertes Gelände begibt oder auf bewährten Trampelpfaden bleibt? Der Versicherungsexperte Reinhard Jesenitschnig sagt dazu: „In jeder privaten Unfallversicherung gibt es einen Katalog an Ausschlüssen; meist handelt es sich um Tätigkeiten, die für die Versicherung ein großes Gefahrenpotenzial enthalten.“ Üblich sei etwa der Ausschluss der Nutzung von Fallschirmen oder Heißluftballons sowie die Teilnahme an sportlichen Wettbewerben unterschiedlicher Disziplinen.  Ist nun auch schon der Wettkampf von fünf Freunden, von denen jeder der Schnellste sein will, ein solcher Ausschlussgrund? „Nein, aus meiner Sicht wäre zumindest eine offizielle Zeitnehmung nötig, also wenn ein Verein dahintersteht. Generell meinen Versicherer in erster Linie Bewerbe ab Landesligen.“ Auch beim Bergsteigen und Klettern ab höheren Schwierigkeitsstufen steige die Versicherung häufig aus. Der Ausschluss von Motorradfahrten von Privatpersonen auf Rennstrecken zeigt sich nach Jesenitschnigs stichprobenartiger Durchsicht der Unfallbedingungen von vier prominenten Anbietern nur in einem Fall. Fazit: „Jede Versicherung gestaltet ihren Ausschlusskatalog anders. Was ausgeschlossen ist, muss aber in jedem Fall im Vertrag stehen. Was nicht drinsteht, ist versichert“, sagt der Experte und ergänzt: „Wie oft man etwas macht, ist völlig egal.“ Auf ihren Unfallkosten sitzen bleiben könnten auch jene, die alkoholisiert auf der Piste unterwegs sind. "Es gibt keine Leistung, wenn der Unfall aufgrund einer Alkoholisierung herbeigeführt wird", warnen die Experten der Arbeiterkammer.

Unterwegs auf gesperrten Pisten

Was heißt das nun ganz genau für Unfälle im Wintersport auf schwierigen, eventuell sogar gesperrten Pisten? „Solange man nicht an einem Wettbewerb teilnimmt, zahlt die Versicherung“, sagt Jesenitschnig und ergänzt: „Der Ausschluss der Fahrlässigkeit ist bei Unfallversicherungen kein Thema.“  Grundsätzlich gilt: „Die Unfallversicherung ist konzipiert für den durchschnittlichen Menschen, der ein bisschen Sport betreibt und sich dabei auch im Gelände bewegt.“ Wer das Übliche macht, werde also in 99 Prozent aller Fälle Versicherungsschutz haben - „wenn er nicht gerade einen Gutschein für einen Fallschirmsprung oder eine Fahrt auf einer Rennstrecke geschenkt bekommt.“

Jesenitschnigs dringende Empfehlung für alle, die eine Unfallversicherung abschließen möchten: „Geben Sie dem Versicherer alle ihre sportlichen Aktivitäten bekannt. Wenn etwas auch nur ein wenig außerhalb der Norm liegt, ist zu prüfen, ob es in der Versicherung ausgeschlossen ist, ob es eventuell ein anderer Versicherer miteingeschlossen hat oder ob Sie es mit einem Aufschlag auf die Prämie mitversichern lassen möchten.

Verletzen Sie einen anderen Skifahrer schuldhaft, sind Sie diesem zu Schadenersatz verpflichtet. Da kann es zu sehr hohen Forderungen kommen, die existenzbedrohende Ausmaße erreichen können – etwa durch Schmerzensgeld, teure Behandlungskosten oder Verdienstentgang. Eine Privathaftpflichtversicherung ist daher für Skisportler und Snowboarder unbedingt anzuraten. Sie bezahlt begründete Geldansprüche, die an Sie gestellt werden und hilft bei der Abwehr unbegründeter Forderungen. Wer eine Haushaltsversicherung hat, ist durch diese abgesichert, da die Privathaftpflichtversicherung üblicherweise fixer Bestandteil einer Haushaltsversicherung ist (überzeugen Sie sich, dass das auch in Ihrem Fall so ist!). Sparen Sie nicht bei der Versicherungssumme und wählen Sie auch die Deckungserweiterungen für Verwandtenschäden und Mietsachschäden. Wer keine Haushaltsversicherung hat, kann eine Privathaftpflichtversicherung auch gesondert abschließen.