Selbstgemachte Masken im TestDiese Stoffe schützen am besten

Konsumentenschützer haben getestet, welche Stoffe sich am besten eignen, um damit selbst einen Mund-Nasen-Schutz zu nähen.

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© VOJTa Herout/stock.adobe.com
 

Der Mund-Nasen-Schutz – so viel ist sicher – wird in den kommenden Monaten unser ständiger Begleiter bleiben. Mit ein bisschen Geschick wagen sich viele selbst an die Nähmaschine und kreieren modische Modelle, die zu ihren Outfits passen. Masken aus Stoff haben den großen Vorteil, dass man sie nach dem Tragen nicht wegwerfen muss, sondern einfach in die Waschmaschine steckt. Das spart nicht nur Geld, sondern auch Müll. Und wenn man es richtig angeht, dann schützen auch Stoffe, die jeder zu Hause hat, so gut wie gekaufte Einwegmasken.

Das zeigt der Test von UFC-Que Choisir, einer Partnerorganisation des Vereins für Konsumenteninformation (VKI), in dem 14 Stoffe auf ihre Tauglichkeit im Hinblick auf Filtrationsleistung und Atmungsaktivität untersucht wurden. „Da die Schutzmasken zweilagig sein sollten, wurden mit einer Ausnahme immer zwei übereinandergelegte Lagen desselben Stoffes im Neuzustand und nach zehn Mal Waschen getestet“, erklärt Birgit Schiller, Leiterin der Testabteilung für Kosmetik und Chemie beim VKI.

Die besten 8 Stoffe im Test

  1. Dicker Baumwolljersey (92 Prozent Baumwolle, 8 Prozent Elasthan, Stoffgewicht 220 g/m2)
  2. Viskose-Jersey (92 Prozent Viskose, 8 Prozent Elasthan, Stoffgewicht 250 g/m2)
  3. Molton für Sweatshirts (95 Prozent Baumwolle, 5 Prozent Elasthan, Stoffgewicht 300 g/m2)
  4. Klassischer T-Shirt-Jersey (95 Prozent Baumwolle, 5 Prozent Elasthan, Stoffgewicht 174 g/m2)
  5. Denim mit Batistfutter (100 Prozent Baumwolle, Stoffgewicht 330 plus 80 g/m2)
  6. Popeline für Hemden (100 Prozent Baumwolle, Stoffgewicht 125 g/m2)
  7. Bedruckter Baumwollstoff (Fadendichte 120, 100 Prozent Baumwolle, Stoffgewicht 115 g/m2)
  8. Sport-Polyester (100 Prozent Polyester, Stoffgewicht 130 g/m2)

Am besten haben dabei dicker Baumwolljersey, Viskose-Jersey, Molton für Sweatshirts sowie klassischer T-Shirt-Jersey abgeschnitten. Ebenfalls sehr gut wurde mit Batist gefütterter Jeansstoff bewertet. „Alle diese Gewebe filterten mehr als 90 Prozent der ausgeatmeten Partikel“, sagt Schiller. Auch nach dem Waschen sei eine sehr gute Filtrationsleistung gegeben. „Diese Stoffe hat jeder daheim und kann sie als Mund-Nasen-Schutz recyceln.“

Vier weitere Materialien – Popeline für Hemden, bedruckter Baumwollstoff mit Fadendichte 120, Sport-Polyester und Polyestersatin – filterten 70 bis 89 Prozent der Partikel, was immer noch gute Werte seien. Um sie zu MNS-Masken zu verarbeiten, eigneten sich hingegen Cretonne und Cretonne-Mischgewebe, Burlington für Hosen, Lycra für Badebekleidung sowie Leintuchstoff mit Fadendichte 57 nicht. „Wobei sich die Filtrationsleistung von Burlington und dem Leintuch nach zehn Mal Waschen markant verbessert hat“, sagt Schiller.

Stoffmasken richtig waschen

Laut der Ages genügt es, die Stoffmasken mit 30 Grad Celsius im Feinwäscheprogramm zu waschen, da die Beigabe von Waschmittel zum verlässlichen „Absterben" von SARS-CoV-2 führt.

Ein Stoff, der eine gute Filterleistung hat, bringt aber auch den Nachteil mit, dass man durch sie schwerer atmen kann. „Von den Materialien mit sehr guter Filtrationsleistung bekommt man durch klassischen T-Shirt-Stoff aus 95 Prozent Baumwolle und fünf Prozent Elasthan noch am meisten Luft“, sagt Schiller. Allerdings sinkt die Atmungsaktivität hier mit dem Waschen. Noch leichter atmet es sich durch zwei Lagen von Sport-Polyester bei immer noch guter Filterleistung.

Eine zweilagige Maske aus geeigneten Stoffen mit einer integrierten Tasche, in die man ein Einwegtaschentuch steckt, kommt sogar an die Werte von OP-Masken heran. „Das Taschentuch muss man natürlich regelmäßig wechseln, da es rasch durchfeuchtet. Das beeinträchtigt die Filtrationsleistung“, sagt Schiller. Keinesfalls sollte man dafür allerdings zu allerlei Filtern greifen, die man sonst im Haushalt verwendet, nur weil ,Filter‘ drauf steht. „Staubsauger- oder Kaffeefilter haben im Gesicht nichts verloren.“

Wichtige Kennzahlen der Stoffe

Die Fadendichte gibt Auskunft darüber, wie viele Fäden je Quadratzoll verwebt wurden. Je höher die Zahl, umso dichter das Gewebe. Fadendichte 120 ist ein eher dünner Stoff, Laken mit Fadendichte 57 sind sehr dünn und dadurch atmungsaktiv.
Das Stoffgewicht wird in Gramm pro m² Stoff angegeben. Bei einem Gewicht von 200 Gramm pro m2 heißt das, dass ein 1 Meter breites und 1 Meter langes Stoffstück 200 Gramm wiegt.

Wichtig sei neben gutem Stoff und Sitz auch, dass das Material auch angenehm zu tragen ist und die Haut nicht irritiert. „Dafür kann man auch verschiedene Stoffe kombinieren“, rät Schiller. Den mit höherem Tragekomfort auf der Innenseite, der mit besserer Filtrationsleistung außen.

Auch was die Form angeht, haben die Konsumentenschützer Empfehlungen: „Denn die beste Maske nützt nichts, wenn sie nicht richtig aufgesetzt wird oder nicht gut sitzt“, sagt Schiller. Empfohlen werden zum Beispiel die Barrieremasken mit horizontalen Falten von der Nase bis zum Kinn. Wem das handwerklich zu schwierig ist, dem sei die sogenannte „Entenschnabelmaske“ an Herz gelegt, für die man im Internet auch viele Schnittmuster findet. Weniger geeignet sind „Ninja“-Masken mit einer durchgehenden vertikalen Naht, die ein mögliches Leck für Partikel sein kann. Generell gilt: Die Naht sollte möglichst kleine Stiche und Löcher haben.

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