Neue NutzungsbedingungenWarum sich Facebook ungestraft die WhatsApp-Daten holen kann

Am Samstag treten die neuen Datenschutzbestimmungen bei WhatsApp in Kraft. Konsequenzen durch Datenschützer fürchtet Facebook nicht. Was mit Nutzern passiert, die den neuen Bedingungen nicht zustimmen, ist noch offen.

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WhatsApp ändert seine Datenschutzbestimmungen
WhatsApp ändert seine Datenschutzbestimmungen © AP
 

Facebook will mit WhatsApp Geld verdienen. Einerseits mittels Werbung und andererseits, indem man den populären Messenger als Zahlungsplattform etabliert. Um diese Schritte überhaupt möglich zu machen, ändert Facebook die Nutzungsbedingungen. Eigentlich hätte dies schon zu Beginn des Jahres passieren sollen. Alarmiert durch die drohende, und teils schon eingesetzte, Abwanderung von Millionen von WhatsApp-Nutzern hat Facebook die Einführung aber verschoben.

Jetzt ist es soweit. Am heutigen Samstag, dem 15. Mai, treten die neuen Regeln für WhatsApp in Kraft. Konkret bedeutet das, dass Facebook nun Zugriff auf Nutzerdaten von WhatsApp bekommt und gleichzeitig die Datenweitergabe an Dritte, etwa Unternehmen, erleichtert.

Ausnahmen für EU-Nutzer

Freilich versichert Facebook – argumentiert wird die Änderung mit Sicherheitsgründen und verbesserter WhatsApp-Nutzung – dass keine Privat-Chats mitgelesen werden. Das sei wegen der Verschlüsselung auch gar nicht möglich. Für Nutzer aus der EU und Großbritannien gibt es zudem eine weitere Ausnahme. Auch wenn Facebook Daten von WhatsApp bekommt, dürfen diese nicht für personalisierte Werbung genutzt werden.

Alternativen zu WhatsApp

Signal ähnelt WhatsApp stark und setzte schon 2010 als TextSecure auf eine Ende-zu-Ende-
Verschlüsselung. Nach dem Verkauf an Twitter machte der Konzern die Software frei zugänglich. Seit 2018 wird die Weiterentwicklung von der Signal-Foundation vorangetrieben, einer gemeinnützigen Organisation.

Telegram wurde 2013 gegründet und setzt auf eine starke Verschlüsselung. Die App ist dabei mehr als ein reiner Chat-Service. In Nachrichtengruppen können sich Interessierte über ein bestimmtes Thema austauschen. Neben Dissidenten und Experten lockt das freilich auch zahlreiche Verschwörungstheoretiker an.

„Privacy by design“ – diesem Credo haben sich die Macher von Threema verschrieben. Daher lässt sich dieser Nachrichtendienst auch ohne die Angabe von E-Mail-Adresse oder Telefonnummer nutzen.

Gleichzeitig scheint es – entgegen anders lautender Ankündigungen zu Beginn des Jahres – vorerst möglich, den Dienst weiter zu nutzen, selbst man wenn man den neuen Bedingungen nicht zustimmt. Allerdings muss man dann wohl damit rechnen, dass recht häufig Erinnerungen am Bildschirm aufpoppen. WhatsApp hält sich diesbezüglich bedeckt. Nicht einmal auf der eigens eingerichteten Frage&Antwort-Plattform findet man eine Erklärung, was bei Nicht-Akzeptieren der neuen Regelungen passiert.

Zuletzt hieß es, unbestätigterweise, dass die Erinnerungen mehrere Wochen lang regelmäßig angezeigt würden, bevor den Nutzern die Möglichkeit genommen wird, in Chats aktiv zu schreiben. Lesen soll weiter möglich sein.

Datenschützer alarmiert

Datenschützer sind ob des Vorgehens Facebook jedenfalls alarmiert. Der Hamburger Datenschutzbeauftragte hat Facebook deshalb bereits per Verordnung verboten, personenbezogene Daten von WhatsApp zu verarbeiten. Der Grund: WhatsApp würde sich mit der neuen Datenschutzerklärung und den Nutzungsbedingungen weitreichende Befugnisse für eine Datenweitergabe an Facebook einräumen. 

Die Zustimmungspflicht sei wegen der De-facto-Monopolstellung von WhatsApp rechtlich gar nicht möglich, sagt indes der österreichische Datenschützer Max Schrems zur Kleinen Zeitung: "Wenn man etwa auf die bisherigen Chats nicht mehr zugreifen kann, ist eine Einwilligung hier nicht 'freiwillig' und daher immer ungültig."

Behörde entscheidet nur in 0,07 Prozent der Fälle

Der Datenschützer hat langjährige Erfahrung mit WhatsApp-Mutter Facebook. Er glaubt aber, dass der Konzern sich nicht von den Behörden einbremsen lässt. "Facebook hat keine Angst vor der zuständigen irischen Datenschutzbehörde. Die tut praktisch nie etwas. Und wenn, dann sind die Strafen gering", meint Schrems.

Tatsächlich hat die irische Datenschutzbehörde vor einem Ausschuss des irischen Parlaments zugegeben, im Jahr 2020 nur bei 0,07 Prozent der Beschwerden überhaupt eine Entscheidung getroffen zu haben. Dennoch prüft Schrems, ob er auch wegen dieser neuen Bedingungen eine Beschwerde gegen Facebook einreichen wird. Denn er ist überzeugt: "Früher oder später wird die immer größere Marktmacht der wenigen großen IT-Konzerne aufgebrochen. Die EU diskutiert dazu gerade neue Gesetze – aber das wird noch ein paar Jahre brauchen."

Neben Facebook hat NOYB, die Organisation von Schrems, auch mehrere Verfahren gegen Google wegen der Datenweitergabe in die USA laufen. Der EuGH hat ja geurteilt, dass Daten von EU-Bürgern in den Vereinigten Staaten nicht sicher sind und deshalb die Übermittlung illegal ist. 

Die Datenschutzbehörde in Österreich könnten nun die erste sein, die hier ein Urteil fällt. In einer Stellungnahme betont Google nämlich, dass die Daten zwar in die USA übertragen werden, aber durch eine Verschlüsselung geschützt seien. An der österreichischen Behörde liegt es nun, zu entscheiden, ob das genügt. Wenn nicht, könnte die Strafe sehr hoch ausfallen. "Bis zu sechs Milliarden Euro wären möglich, damit könnte man fast zwei Semmering-Basistunnel bauen", sagt Schrems.

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Danke für Ihr Verständnis.

melahide
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Was ist

Facebook? Was ist What’s App???

Mein Graz
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Wir haben schon vor einiger Zeit gewechselt

Besonders wegen der Fotos, die in der Familiengruppe gepostet werden.
Da sind viele der Kinder dabei - und gerade Kinder müssen geschützt werden, wir wollen nicht, dass plötzlich ein Foto der Kleinen irgendwo auftaucht!

So vergrault eine Firma ihre Kunden.

manfred130366
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Dafür

verwenden wir die APP "Family Album". Da haben nur fix defnierte Personen Zugriff auf die Fotos.

Starfox
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Es geht nicht um Fotos und Chats

diese sind weiterhin Ende zu Ende verschlüsselt und Whats App hat keinen Zugriff darauf. Auf die Metadaten hat man es abgesehen, die Werbetechnisch viel interessanter für FB. Bin auch schon seit Monaten weg von WhatsApp 👍

Mein Graz
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@Starfox

War nicht auch vorgesehen dass Fotos ohne Zustimmung verwendet werden können?

Starfox
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Nein

alle Nachrichten sind und bleiben verschlüsselt.

iMissionar
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Wenn ein Produkt gratis ist

dann bist du als Anwender das Produkt.

Aus Mildtätigkeit finanziert Facebook die Entwickler, Gebäudeabschreibungen und Serverfarmen für unseren kostenlosen WhatsApp-Spaß nunmal nicht.

GordonKelz
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Bin ganz ehrlich wie immer bei meinen

Kommentaren ,habe keine Ahnung um was es wirklich geht...was fürchten Watts Up Teilnehmer ( bin selbst dabei) ....?
Gordon

Salcher
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Keine Angst

Wenn eh schon die Handys, Mails, und sämtlicher Datenverkehr vom Kanzler und Finanzminister öffentlich breitgetreten wird (weil in Österreich bleibt sowieso NICHTS geheim), dann braucht sich der "normale" Staatsbürger wie du und ich ohnedies nicht der Illusion hingeben, dass von uns "Pimperln" irgendwas "geheim" bleiben kann oder auch nur "dezent behandelt" wird, wenn irgendein "Großer" auf unsere Daten scharf wäre.
Ich glaube, dieser "Datenschutz" - Schmäh ist voll für die Katz, weil Daten gar nicht mehr geschützt werden können (Hacker, Datenklau, Indiskretionen, Untersuchungsausschüsse, Gerichtsbeschlüsse, ...).
Alle sind nur mehr geil darauf alles aufzudecken, die kleinsten Dinge rauszukramen und zu skandalisieren.
Unser Spitzelwesen erinnert mich stark an die STASI - Methoden. - Es ist einfach nur zum KOTZEN!!!! Privatheit gibt es nicht mehr 😭😭😭!!!!

Amadeus005
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Datenschutz und DSGVO funktionieren schon

Früher hat der Konsument gejammert, dass undurchsichtiger Datenmissbrauch passiert. Heute wird dem explizit vom Konsument zugestimmt und die Firma ist aus dem Schneider. - Ob‘s der Konsument verstanden hat ist ja nicht relevant.

peter800
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Geh bitte..

.. Dsgvo... Das funktioniert genau garnicht.. Für mich ne ziemliche lachnummet das ganze weil es absolut niemand fast einhält. Wir hatten schon mehrfach kontakt wegen dinge wo wir explizit was gebeaucht hätten von der Datenschutzbehörde.. Die hat das genau 0 interessiert. Dsgvo is nur was damit man jede Firma wenn man will drann kriegen kann weil man kann unmöglich alles einhalten..