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Neue TechnologienVerlorenes Geld - sind Blockchains zu unsicher

Ist das mit Blockchains und Bitcoins mit dem nächsten Trend ausgeräumt oder bleibt der Hype? Und sind Blockchains das Ende des Datenschutzes? Die Antworten von WU-Professor Alfred Taudes.

Breite Spielwiese Blockchain © (c) sdecoret - stock.adobe.com (sdecoret)
 

"Wir sind erst in der Phase des Ausprobierens“, sagt Alfred Taudes, wissenschaftlicher Leiter des WU-Forschungsinstituts für Kryptoökonomie. Aller Anfang ist Zweifel - auch mit den ersten E-Mails in der Frühphase ließ sich noch nicht abschätzen, wie sich das Ding namens Internet einmal entwickeln würde. "Über E-Commerce hieß es, das könne nicht funktionieren, weil die Kunden die Waren physisch erleben wollen, keine Bezahlmöglichkeit vorhanden sei und die Zustellung viel zu komplex und teuer wäre", erklärt Taudes. "Die Realität hat gezeigt: Kinderkrankheiten werden ausgemerzt, vor kurzem stieg Amazon-Gründer Jeff Bezos zum reichsten Mann der Welt auf."

Nun also Blockchain. Die wichtigsten Fakten und Irrtümer dazu vom Experten erklärt:

1. Was ist Blockchain und was Bitcoin?

Bei Blockchain handelt es sich um eine verteilte Datenbank, die verschlüsselte, fälschungssichere Speicherung von Transaktionen ermöglicht. Stark vereinfacht ein Kassenbuch, in das jede neue Transaktion eingetragen wird – mit der Besonderheit, dass jeder einzelne Nutzer über dieses Kassenbuch verfügt und trotzdem die Konsistenz der Einträge gesichert ist. Die bekannteste Anwendung dieser Technologie ist die Kryptowährung Bitcoin, die als dezentrales Geldsystem vor allem wegen der enormen Kurssteigerungen interessant wurde. „Bitcoin ist (...) die erste Anwendung der Blockchain-Technologie“, sagt Taudes. Zur Speicherung der Bitcoin-Überweisungen wurde die erste Blockchain entwickelt. Seither gibt es viele Varianten und Weiterentwicklungen dieses Konzepts, auf deren Basis unzählige andere Anwendungen entwickelt werden, von der Re-Organisation der Lieferketten über neue Bankendienste bis zur Verwaltung persönlicher Daten.

2. Ist Blockchain nur ein Hype, der bald vergeht?

Mithilfe von Blockchain können komplexe Abläufe vereinfacht werden - etwa beim Carsharing in Deutschland, von der Fahrzeugauswahl bis hin zum Abschluss eines personalisierten Mietvertrages. Oder im Rahmen eines dezentralen Stromnetz-Projekts in New York, bei dem mittels Smart Meter und Smart Contracts Solar-Häuser ihren tatsächlichen Stromverbrauch automatisch berechnen und die überschüssige Energie selbstständig an „traditionelle“ Haushalte weiterverrechnet wird, so Taudes. Er sei überzeugt davon, "dass sich Blockchain als Technologie durchsetzen und die Welt, wie wir sie kennen, revolutionieren wird“, ist Taudes überzeugt. Auch in Österreich gebe es bereits Anwendungen in der Finanzdienstleistung und im Energieversorgungsbereich. In Graz hat sich rund um den Blockchain-Hub eine kleine Start-up-Gemeinde in dem Bereich gebildet.

Alfred Taudes, wissenschaftlicher Leiter des WU-Forschungsinstituts für Kryptoökonomie Foto © WU

 

Zur Person

Prof. Alfred Taudes, ist wissenschaftlicher Leiter des Forschungsinstituts Kryptoökonomie der WU und langjähriger Vortragender der WU Executive Academy.

3. Bedeuten Blockchains das Ende des Datenschutzes?

„Die Einträge in der Bitcoin-Blockchain müssen für alle Knoten lesbar sein, nur dann kann man dezentral Überweisungen verifizieren und Bitcoins minen. Zur Kontenidentifikation werden allerdings keine persönlichen Daten verwendet, sondern pseudonyme Adressen, die sich jedermann über ein sogenanntes Wallet erzeugen kann“, so Alfred Taudes. Solange man sich also innerhalb der Bitcoin-Blockchain bewegt, sind die Überweisungen privat. Wenn jemand allerdings einen Bezug zwischen der Bitcoin-Adresse und einer Person herstellen kann, können alle Überweisungen dieser Person nachverfolgt werden. Es gibt aber auch Kryptowährungen wie Dash oder Monero, die völlig anonym sind und daher kompletten Datenschutz garantieren.

4. Verlorenes Geld - sind Blockchains zu unsicher?

Die über die Blockchain durchgeführten Geschäfte gelten als sicher, denn "alle Transaktionen, die in einer Blockchain gespeichert sind, können in der Datenbank von niemandem im Nachhinein verändert, also gefälscht oder gelöscht werden", betont Taudes. Verloren gehen Kryptocoins meist wegen menschlicher Fehler. Die Kryptowährugnen bestehen aus sogenannten Schlüsselpaaren. Mit jeder Überweisung wird ein neuer privater Schlüssel erstellt. Dieser private Schlüssel ist eine Art Besitzurkunde. Daher sollte man ihn idealerweise zuhause auf einem PC oder eine Hardware-Wallet speichern. Vielen ist das zu mühsam. Sie überlassen die Speicherung der privaten Schlüssel Online-Wallet-Betreibern oder Kryptotauschbörsen. Werden diese dann gehackt, können Angreifer die digitalen Coins leicht stehlen.

5. Werden bald alle IT-Anwendungen auf Blockchain-Basis gestellt?

Nein. Blockchains sind im Vergleich zu Datenbanken für klassische Anwendungen in Unternehmen – etwa für die Buchhaltung – zu teuer und nicht effizient. „Für diese Anwendungsbereiche macht das keinen Sinn, sondern nur dort, wo der Datenaustausch derzeit unsicher und ineffizient ist, etwa bei Transaktionen zwischen den Akteuren in einer globalen Lieferkette.“

 

Kommentare (1)

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scionescio
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Lesenswert?

Das Prinzip der Blockchain (gespeicherte Transaktionen sind sicher und können nicht gelöscht werden) ...

... steht im absoluten Gegensatz zur Datenschutzgrundverordnung (Benutzer haben ein Recht auf Löschung ihrer Daten)!
Die Sicherheit der Daten lebt von der Dezentralisierung (mehr als die Hälfte der Besitzer der "Kontenbücher" müsste sich zusammentun um einen Eintrag zu fälschen - sobald eine Firma aber eine Datenspeicherung auf Blockchain-Basis anbietet, ist das nicht mehr gegeben!
Aktuell sind Transaktionen viel zu langsam und energieintensiv um für mehr als Nischenanwendungen interessant zu sein.
Die Nachfolgetechnologie basiert auf azyklischen Graphen und behebt einige der Mängel der Blockchain.

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