IsraelAuf den Spuren Jesu durch das Heilige Land

Christliche Pilgerreisen nach Israel boomen derzeit. Geschichten, die man aus der Kindheit kennt, werden hier mit Leben erfüllt.

Blick vom Ölberg auf die Altstadt Jerusalems © (c) Robert Breitler
 

Jesus ging über das Wasser, Jesus speiste die 5000, Jesus heilte die Kranken. All diese Geschichten und mehr kennen die meisten Österreicher aus dem Religionsunterricht und vom Kirchenbesuch. Für viele sind das aber nur Geschichten, doch bei einem Besuch im Heiligen Land werden all diese Orte und Begebenheiten plötzlich real, werden mit Leben erfüllt.

„Kommt man hierher, hat dieser Mythos plötzlich eine Geografie, er hat Steine, Münzen, Knochen. Er ist spürbar und sichtbar“, sagt Eamon Kelly. Der irische Priester arbeitet in Magdala. Einem Ort, der den meisten Menschen nur als Heimatort von Maria Magdalena bekannt ist.

Vor wenigen Jahren stieß man hier auf Mauern aus dem ersten Jahrhundert nach Christus – und zwar nicht auf irgendwelche Mauern. „Es handelt sich um die älteste Synagoge, die man jemals ausgegraben hat“, so Kelly. Außerdem: „Jesus hat mit hoher Sicherheit in dieser Synagoge gelehrt“, sagt Kelly, daher verstehe man sich in Magdala als „Kreuzung zwischen Judentum und Christentum“. Die damalige Stadt am See Genezareth lag auf direktem Weg von Nazareth nach Kafarnaum, die Hauptwirkstätte Jesu. „Da müsste man sich akademisch schon sehr verbiegen, wenn man behaupten möchte, Jesus wäre nicht hier gewesen“, so Kelly weiter, während im Hintergrund die Baumaschinen laufen.

Besucherzentrum für Pilger

Denn direkt bei den Ausgrabungen wird ein Besucherzentrum samt Pilgerunterkunft errichtet. Schon fertig und von Papst Franziskus persönlich eingeweiht ist die Kirche „Duc In Altum“. Sie steht direkt am antiken Hafen. Anstelle eines Altars findet man die Nachbildung eines alten Fischerbootes.

Modell dafür dürfte ein Boot gestanden sein, das nur unweit im Kibbuz Ginnossar zu besichtigen ist. Dieses stammt tatsächlich aus der Zeit von Jesus Christus und ist deshalb auch als „Jesus-Boot“ berühmt geworden. Nachdem man es im Schlamm des See Genezareth entdeckt hatte, wurde es aufwendig restauriert und konserviert. Dass Jesus oder einer seiner Jünger tatsächlich mit diesem Boot gefahren ist, gilt als unwahrscheinlich.

Heimat der Apostel

Aber gerade einmal acht Kilometer weiter nördlich besuchen wir Kafarnaum, den Wohnort von Petrus sowie weiterer Apostel. Eine moderne Kirche steht auf Stelzen über den Überresten eines Gebäudes, das als das Haus Petrus bekannt ist. Aber nicht nur dieses zieht die Pilgerströme an, auch die antike Synagoge ist ein Besuchermagnet. Sie gilt als – beinahe monumentaler – Prototyp einer Synagoge nach der Zerstörung des Tempels in Jerusalem im Jahr 70 nach Christus.

Auf dem Weg dorthin lassen sich zahlreiche Pilger im Jordan an einer der vermeintlichen Taufstellen Jesu taufen – gekleidet in weiße Roben, die man zuvor in einem der dortigen Souvenirläden erstanden hat.

Über den Ölberg in die heilige Stadt

Der Höhepunkt einer christlichen Pilgerfahrt durch das Heilige Land ist natürlich Jerusalem. Von Osten über den Ölberg kommend, liegt einem die Stadt zu Füßen. Das Zentrum dreier Weltreligionen wird vom Tempelberg samt Felsendom und Al-Aksa-Moschee dominiert. Begrenzt wird die Altstadt von der mächtigen Stadtmauer aus dem 16. Jahrhundert.

Heiliges Land: Diese Orte in Israel sollte man besuchen

Am Berg der Seligpreisungen hoch über dem See Genezareth soll Jesus die Bergpredigt gehalten haben.

Robert Breitler

Am See Genezareth war die Hauptwirkstätte von Jesus.

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Das "Jesus-Boot" - ein Boot aus der Zeit Christi ist im Kibbuz Ginnossar zu besichtigen.

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Erst 2009 entdeckt: Die Synagoge von Magdala aus dem 1. Jahrhundert gilt als älteste bekannte Synagoge.

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Wo - nach römisch-katholischer Überlieferung - Erzengel Gabriel Maria erschien, steht in Nazareth die Verkündigungsbasilika.

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Auch am nördlichen Ufer des See Genezareth findet man die Primatskirche ("Mensa Christi"). Hier soll Jesus Christus nach seiner Auferstehung mit seinen Jüngern Abendmal gehalten haben.

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Dieser Stein soll die "Mensa Christi" ("Tisch Christi") sein.

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In Kafarnaum lebte Petrus und andere Jünger. Im Bild sieht man die Kirche über dem "Haus des Petrus".

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Die fast monumental wirkende Synagoge in Kafarnaum stammt aus der byzantinischen Zeit (3./4. Jahrhundert). Sie steht vermutlich über den Resten einer älteren Synagoge.

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Beliebt: Zahlreiche christliche Pilger lassen sich an einer der Taufstellen Jesu im Jordan noch einmal taufen. Hier befindet man sich direkt an der Grenze zu Jordanien.

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Jerusalem von Osten aus, vom Ölberg her gesehen.

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Großer Andrang in der Grabeskirche: Alle möchten die Kreuzigungsstätte sehen.

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Auf diesem Stein (auch in der Grabeskirche) soll der Leichnam Christi gesalbt worden sein.

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Die Ädikula: Im Inneren befindet sich das Grab Christi.

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Der Abendmahlsaal fungierte längere Zeit als Moschee.

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Die "Klagemauer" oder "westliche Mauer" - eines der letzten Überbleibsel des jüdischen Tempels und wichtiges Heiligtum im Judentum.

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Im Israel-Museum in Jerusalem: Ein Nagel mit einem Fußknochen aus dem ersten Jahrhundert als Beweis, dass Menschen ans Kreuz genagelt wurden.

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Einzige Nennung von Pontius Pilatus in Jerusalem.

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Der Schrein des Buches im Israel-Museum erinnert an die Entdeckung der Schriftrollen am Toten Meer. Dort wurden im Jahr 1947 die ältesten bekannten Schriften aus der Bibel entdeckt.

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Das Modell der Stadt Jerusalem mit dem jüdischen Tempel.

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Petrus-Kirche in Jaffa, einem Stadtteil von Tel Aviv.

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Betritt man die Stadt durch das Löwentor, kommt man auf direktem Weg zum Beginn der Via dolorosa, über die nach christlicher Tradition der Weg Christi von der Verurteilung bis zur Kreuzigung („Kreuzweg“) verlief. Jedes Jahr am Karfreitag schleppen Gläubige aus aller Welt große Holzkreuze durch die Gassen der Altstadt, um so annähernd die Leiden Christi auch am eigenen Leib zu erspüren. Es geht betend durch die engen Gassen Jerusalems vorbei an unzähligen Souvenirläden bis hinauf zur Kreuzigungsstätte, die in der Grabeskirche selbst liegt. „Vor der Kirche lassen sie die Kreuze stehen und arabische Jugendliche bringen diese wieder an den Beginn der Via dolorosa“, erzählt Fremdenführer Amos Baron. Dann können die Nächsten ihren Kreuzweg angehen.

Drängerei in der Kirche

Die Grabeskirche selbst ist eine Mixtur an Kirchen und Kapellen unter einem Dach. Sechs christliche Konfessionen (römisch-katholisch, griechisch-orthodox, armenisch-apostolisch, syrisch-orthodox, äthiopisch-orthodox, koptisch) teilen sich das Areal – nicht immer ganz konfliktfrei. Besucher, die Drängereien in der heiligsten Stätte der Christenheit vermeiden möchten, sollten in aller Früh kommen. Die Kirche öffnet um 5 Uhr ihre Pforten.

Infos zu Israel

Der Staat Israel wurde 1948 gegründet und hat rund 8,4 Millionen Einwohner.

Die Währung ist der Neue Schekel. (Vier Schekel sind etwa ein Euro).

Amtssprachen sind Hebräisch und Arabisch. Englisch ist sehr gängig.

Pilgerreisen: Übersicht über Veranstalter unter: www.goisrael.de/deals/pilgerreise


Diese Reise erfolgte auf Einladung des israelischen Ministeriums für Tourismus.

Kommentare (3)

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voit60
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hier geht es einzig und allein

um Geschäft mit dem Pilgertouristen. Was da alles mit dem Jesus angeblich in Verbindung gebracht wird, ist schon einzigartig. Ist aber trotzdem einmal eine Reise wert, wobei mir einmal gereicht hat.

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Eisapfel00
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Schon super

Ich war vor langer Zeit (30 jahre) da, und hatte das Glück und die Möglichkeiten vieles zu SEHEN, das ein Tourist nie zu Gesicht bekommt---Danke.

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hermannsteinacher
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Geschichte und Legenden

sind zweierlei.

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