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LesachtalEin Brot mit Stempel und Siegel

Slow Food International zeichnet Lesachtaler Brot mit dem „Presidio-Siegel“ aus. Es ist das erste Lebensmittel in Kärnten, welches als „besonders schützenswert“ anerkannt wird.

"Das Lesachtaler Brot soll eine geschützte Marke werden. Die Presidio-Auszeichnung ist für uns ein großes Lob", sagt Hans Unterguggenberger © HANS GUGGENBERGER
 

Im Lesachtal war das Bewusstsein für das Brot immer da. Diese Wertschätzung wollen wir mit unserem Lesachtaler Brot über die Grenzen hinaus tragen“, erzählt Hans Unterguggenberger. Er ist Bauer und Obmann des Vereins „Gemeinschaft Lesachtaler Brot“, der vor zwei Jahren gegründet wurde. Seit damals bemühen sich die rund 20 Mitglieder um die EU-Herkunftsbezeichnung „geschützte geografische Angabe (g.g.A.)“, damit die Marke „Lesachtaler Brot“ unverwechselbar wird.

Während die Begutachtungs-Mühlen der Europäischen Union nur langsam mahlen, wurde dem Lesachtaler Brot nun eine andere, ganz außergewöhnliche, Ehre zuteil: Slow Food International zeichnet das Brot als erstes Lebensmittel in Kärnten mit dem „Presidio-Siegel“ aus. Verliehen wird die Auszeichnung kommende Woche in Turin, bei der internationalen Slow Food-Messe Terra Madre-Salone del Gusto. Unterguggenberger und seine Vorstandskollegen werden die „Presidio-Auszeichnung“ persönlich entgegennehmen.

Bauern & Bäcker

Getreideproduzenten im Lesachtal sind Hans Unterguggenberger (Roggen und Weizen), Mario Lugger (Weizen), Johann Lugger (Roggen und Weizen), Josef Stabentheiner (Roggen und Weizen) und Andrea Unterguggenberger (Roggen und Weizen).
Brotbäcker sind Sieglinde Ortner vom „Jakoberhof“, Katharina Schober „Untermoserhof“,
Andrea Unterguggenberger „Peinterhof“, Lugger Theresia „Leachnerhof“, Andrea Unterguggenberger „Jöhrerhof“, Strieder Maria „Sterzer“ und Maria Lexer „Hausimarhof“.

Das Gailtal und das Lesachtal sind weltweit zur ersten Slow Food Travel Destination gemacht worden und hier spielt das Lesachtaler Brot sowie die Hauptzutat, Roggen oder Weizen, eine ganz besondere Rolle. Das war allerdings nicht immer so. „Als wir um die Jahrtausendwende begannen, beim Lesachtaler Dorffest Brot zu verkaufen, waren wir selbst überrascht, wie groß die Nachfrage war“, erinnert sich Unterguggenberger. Damals gab es im ehemaligen Tal der 100 Mühlen, nur mehr die Landwirte Mario Lugger und Johann Lugger in Maria Luggau, die Getreide anbauten. Die Verarbeitung war mehr oder weniger in Vergessenheit geraten.

„Ich bin selber Bauer und kann mich noch erinnern, wie früher das Korn angebaut, geerntet und verarbeitet wurde“, erzählt Unterguggenberger, „ich hab mir gedacht, das muss ich wieder probieren.“ Er schaffte sich damals die notwendigen Maschinen an und begann Roggen und Weizen anzubauen. Die Arbeitsgemeinschaft Lesachtaler Brot war gegründet, der Brotherstellung wurde wieder ein höherer Stellenwert eingeräumt.
2010 wurden diese Bemühungen von der UNESCO mit der Aufnahme in das Immaterielle Kulturerbe Österreichs belohnt. Inzwischen ist Brot backen wieder modern. Der Trend des langsamen Genießens und das Wissen um die Herkunft von Lebensmitteln spielt den Lesachtalern in die Hände. „Gebacken wird nur mit Natursauerteig. Das Korn wird im geografischen Lesachtal, das heißt, zwischen Kötschach-Mauthen und Obertilliach in Osttirol, angebaut, vermahlen und verpackt. Derzeit ist Lesachtaler Brot nur bei uns im Tal erhältlich“, macht Hans Unterguggenberger auf ein Echtheit-Merkmal aufmerksam.

HANS GUGGENBERGER kdt Sophie Madeleine stabentheiner
Sophie Stabentheiner weiß wie man das Lesachtaler Brot bäckt © HANS GUGGENBERGER

Zu den sechs Getreideproduzenten und sieben Brotbäckerinnen gesellen sich Pensionen und Hotels, die das köstliche Brot ihren Gästen anbieten. Die Slow-Food-Philosophie, die auf Lebensmittel mit unverwechselbarer Qualität, basierend auf traditioneller und nachhaltiger Produktion im Einklang der Natur und Umwelt ausgerichtet ist, ist für das Lesachtal wie geschaffen. „Es hat schon seinen Grund, warum das Gail- und Lesachtal zur weltweit ersten Slow Food Travel Destination gemacht wurde“, sagt Christian Kresse. „Mit dem ersten Slow-Food-Presidio-Lesachtaler Brot geben wir ein deutliches Zeichen. Kärnten setzt damit nicht nur auf die Sicherung von Lebensmittel, sondern engagiert sich besonders dafür, dass Lebensmittelhandwerker einen fairen Preis erzielen können. Dies wirkt sich wiederum positiv auf den Erhalt von Arbeitsplätzen in ländlichen Regionen aus“, freut sich der Geschäftsführer der Kärnten Werbung, der ebenfalls bei der Verleihung in Turin dabei sein wird.

Zum Terra Madre-Salone del Gusto (20. bis 24. September) werden 5000 Delegierte aus 160 Ländern, 800 Aussteller, 300 Slow-Food-Presidi und 500 Lebenmittelgemeinschaften erwartet. Terra Madre ist weltweit das größte Treffen von Lebensmittelhandwerkern, die sich der Slow Food Bewegung angeschlossen haben.

Zahlen und Fakten

Presidi kommt aus dem Italienischen und steht für Schutz oder Schutzraum.
Presidi-Produkte wurden im Jahr 2000 von der Slow-Food-Stiftung für biologische Vielfalt ins
Leben gerufen.
Weltweit gibt es 555 Presidi, in Österreich sind es derzeit sieben. Mit dem Lesachtaler Brot bekommt Kärnten das erste Presidi-Produkt.
Produzenten. In die bestehende Produktion von Presidi-Produkten sind derzeit 13.000 Produzenten involviert.
Getreide. Im Lesachtal wird von sechs Bauern Roggen und Weizen angebaut, welche für das Lesachtaler Brot verwendet werden dürfen.
Bäckerinnen. Sieben Bäuerinnen aus dem Lesachtal backen das traditionelle Brot.
Terra Madre. Größtes internationales Lebensmittel-Netzwerk. Die Messe findet von 20. bis 24. September in Turin (Italien) statt. 800 Aussteller, 5000 Delegierte aus 160 Ländern, 300 Slow-Food-Presidi und 500 Lebensmittelgemeinschaften treffen aufeinander.

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