Nach Robert-Franz-SkandalWer braucht Vitamine in Kapselform?

Kapsel statt Gemüse: Der Trend zu Nahrungsergänzungsmittel wird immer größer, doch Gemüse wird viel zu selten gegessen. Experten warnen vor isolierten Nährstoffen.

Vitamine in Kapselform
Vitamine in Kapselform © (c) pavelkubarkov - stock.adobe.com
 

Robert Franz, ein gelernter Automechaniker mit violetten Haaren, der ein Vermögen mit Vitaminpillen verdient haben soll, heizt die Diskussion um Nahrungsergänzungsmittel neu an: Wer braucht Nährstoffe in Kapselform? Wie werden diese kontrolliert? Und was können sie für die Gesundheit leisten? Die Aufregung begann, als die Kleine Zeitung berichtete, dass die Ärztekammer gegen Franz wegen Kurpfuscherei vorgeht, kurz darauf rief die Ages, die Agentur für Ernährungssicherheit, zwei Franz-Produkte zurück.

Die Dosierung von Vitamin B und Zink in den Kapseln sei so hoch, dass es zu schweren neurologischen Schäden (Überdosis Vitamin B) und Magen-Darm-Problemen (Überdosis Zink) kommen könne. Anders als Medikamente kommen diese Präparate nämlich ohne Zulassungsprüfung auf den Markt.

Das Angebot der Nahrungsergänzungsmittel ist völlig undurchsichtig.

Sandra Holasek

Die Ages kontrolliert die Produkte wie Lebensmittel: Es gibt Schwerpunktaktionen oder man reagiert auf Verdachtsfälle. Im Jahr 2016 wurde rund ein Drittel dieser kontrollierten Nahrungsergänzungsmittel beanstandet. „Das Angebot der Nahrungsergänzungsmittel ist völlig undurchsichtig“, sagt auch Ernährungsexpertin Sandra Holasek (Med Uni Graz).

Zwei Drittel nehmen Präparate

Die Vorwürfe gegen Franz riefen viele seiner Fans auf den Plan, die seine Präparate verteidigten: Das zeigt, wie groß der Zuspruch bei Nahrungsergänzungsmitteln ist - eine Beobachtung, die auch Holasek mit Besorgnis teilt. „Der Trend, Nährstoffe über Kapseln aufzunehmen, wird immer stärker.“ Zwei Drittel der Österreicher konsumieren laut Umfragen regelmäßig Nahrungsergänzungsmittel - gleichzeitig zeigt aber der Ernährungsbericht: „Jene Lebensmittel, die all diese Nährstoffe auf natürliche Art enthalten, werden in Österreich viel zu wenig gegessen“, sagt Holasek.

Die empfohlenen fünf Portionen Gemüse und Obst pro Tag schaffen nur 30 Prozent der Österreicher. „Nährstoffe über Lebensmittel aufzunehmen, ist der natürliche Weg“, sagt Holasek. Einzelne Bestandteile wie Vitamine zu isolieren und so zu schlucken, funktioniere nicht: Die Zusammensetzung der Nährstoffe in Nahrungsmitteln sei eine fein abgestimmte Komposition, unser Körper sei dafür gemacht, sie in dieser Form aufzunehmen.

Wie viel wovon essen?

Pro Tag:

  • 6 Gläser (250 ml) Wasser, Tees oder verdünnte Obst- und Gemüsesäfte
  • 5 Portionen Obst und Gemüse (3 Portionen Gemüse, 2 Port. Obst)
  • 4 Portionen Getreide, Brot, Nudeln, Reis oder Kartoffeln (1 Portion: eine Handfläche Brot, 2 Fäuste Reis, Nudeln, Erdäpfeln).
  • 3 Portionen Milchprodukte pro Tag (1 Portion: 1 Becher Joghurt, 2 handflächengroße Scheiben Käse)
  • 1-2 Portionen Fette und Öle (2 EL Nüsse, 1 EL Öl)

Pro Woche:

  • max. 3 Portionen Fleisch,
  • 1-2 Portionen Fisch (1 Portion: handtellergroß)

Nährstoffe in Kapselform werden im Körper anders verstoffwechselt - „eine Überdosis ist dadurch schnell erreicht“, sagt Holasek. Und: Essen solle mit Geschmack und Genuss einhergehen - nur so könnten unser Belohnungszentrum aktiviert und die Sättigung reguliert werden.

Raucher brauchen Vitamine

Verteufeln will die Expertin Nahrungsergänzungsmittel aber nicht - es gebe aktuelle Empfehlungen, wer zusätzliche Nährstoffe braucht. So hätten zum Beispiel Menschen, die rauchen oder sehr regelmäßig Alkohol trinken, einen erhöhten Bedarf an Vitamin B und C. Auch bei Leistungssportlern, Schwangeren und Stillenden, bei alten und kranken Menschen oder bei besonderen Ernährungsformen, wie bei Veganern, könne die Einnahme solcher Präparate sinnvoll sein. „Aber mit ärztlicher und fachlicher Beratung“, sagt Holasek.

Über eine ausgewogene Ernährung könnten sich gesunde Menschen gut mit allen Nährstoffen versorgen - wer allerdings nur Junk Food isst, könne in einen Mangelzustand geraten. Laut aktuellem Ernährungsbericht werden diese Vitalstoffe von Österreichern zu wenig aufgenommen: Folsäure, Vitamin D, Kalzium, Omega-3-Fettsäuren, Eisen bei Frauen, Vitamin B12 bei Veganern.

Lebensmittel besser auswählen

Wie kann man nun sichergehen, dass genug der wichtigen Nährstoffe gegessen werden? Laut Ages sei die Ernährungspyramide der richtige Leitfaden: Die Basis sollten pflanzliche Lebensmittel wie Gemüse, Getreide und Obst bilden, dann folgen eiweißreiche Nahrungsmittel wie Milchprodukte, Fisch, Hülsenfrüchte, Fleisch. „Will man sich mehr gesunde Nährstoffe zuführen, dann sollte das über die richtige Auswahl der Lebensmittel passieren“, sagt Holasek.

Kommentare (6)

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hermannsteinacher
0
3
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Ziegenmilch, Schafkäse, Topfen, Kefir ...

Butter kann durch nichts ersetzt werden!

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adidasler
5
9
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für mich leider ein einseitiger Bericht, der nicht alles notwendige beleuchtet....

...um die Thesen der "Ernährungsexpertin" zu stärken.
mich wundert es nicht, dass "biologische" Menschen diese Kapseln nehmen, wenn....
- Lebensmittel mit gefährlicher Chemie behandelt werden dürfen
- Glyphosat auf Äcker aufgebracht werden darf, und man dem dummen Volk vermitteln will, dass es nur in den Boden gelangt aber nicht in die Fruchtkörper
- genmanipulierte Samen verwendet werden
- Rauchen und Alkohol (schon im Jugendalter) erlaubt sind, obwohl es nachweislich gefährlicher ist als Vitaminprodukte zu sich zu nehmen (besonders pervers idZ die Empfehlung, dass Raucher (tödlich) die Pillen (gefährlich) doch nehmen sollen: minus und minus ergibt wohl plus?)
- die Medizin teilweise nur mehr chemisch/synthetisch hergestellte Arzneien bereitstellt
- und, und, und.....
man könnte unendlich aufzählen!
Aber:
Wer ist überhaupt Robert Franz? und was für Skandal? Ich habe in der Öffentlichkeit keine Todesfälle/Krankheiten in Verbindung mit Nahrungsergänzung in letzter Zeit wahrgenommen? egal...
Was hat dann die AGES damit zu tun und warnt vor etwas, wo es keine Probleme gibt? bzw. seit wann ruft die AGES Produkte zurück? Ich kannte bisher nur die Vorgehensweise, dass die Produzenten/Händler selbst ihre Produkte zurückrufen,... hmmm.
komisch aber egal...
Wieso ruft dann die AGES nicht auch Lebensmittel/Medizinprodukte zurück, in denen teilweise sehr viele Substanzen enthalten sind, die für den menschlichen Körper "nicht förderlich" sind? (siehe Beipackzettelchen)

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büffel
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5
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B12

Ich als Veganer benötige (leider?) die Zufuhr von Vitamin B12 in Tabletten- bzw. Kapselform, da ich dieses über die ausschließlich pflanzliche Nahrung nicht in ausreichender Menge zu mir nehmen kann, was in einigen Jahren zur Schädigung an den Nerven führen würde.
Die Vitamine in Tablettenform ohne Wenn und Aber zu verdammen ist nicht immer zielführend, doch besser und sinnvoller ist es ohne Frage diese auf natürlichem Wege mit der Nahrung aufzunehmen, da sie so besser vom Körper verarbeitet und umgesetzt werden können.

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blackdiamond
6
1
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TV Die Vitaminlüge

da hat ein grazer arzt aber was ganz anderes behauptet und der verschreibt massenweise vitamine in kapselform!?!

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blackdiamond
5
4
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sehr geehrter daumen nach unten drücker

auf was bezieht sich ihr drücker?

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nuramrande
6
12
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Nur die halbe Wahrheit

Erstens: Robert Franz ist schon einige Jahre tätig. Jetzt, wo er damit Geld verdient - was sein gutes Recht ist - wirft ihm die Ärztekammer Kurpfuscherei vor. Einen schöneren Beweis dafür, dass Robert Franz Recht hat, kann es gar nicht geben. Die Pharmaindustrie und Ärzteschaft haben Angst um ihren Futtertrog. Die Sorge um unsere Gesundheit ist doch nur ein Vorwand.
Zweitens: Stimmt schon, dass wir alles Nötige in unseren Lebensmitteln hätten. Wenn sie noch Lebensmittel wären. Leider sind sie das aber nicht mehr, sondern vielmehr Krankmacher. Und einmal dürfen Sie raten, wer davon profitiert. Richtig, die Pharma- und Medizinindustrie.
Drittens: Liebe Leute, wacht endlich auf und erkennt, wie dieses System funktioniert. Wer da nicht mitspielt, muss natürlich mit Sanktionen rechnen. Ich hoffe aber dennoch, dass immer mehr die Wahrheit erkennen und sich nicht mehr alles gefallen lassen.

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