HeringsschmausDiesen Fisch können Sie mit gutem Gewissen essen

Umweltschützer raten zu heimischen Fisch und Qualitätssiegeln - auch wenn es Mängel gibt.

Heringsschmaus
Heringsschmaus © unpict - Fotolia
 

Mit Forelle, Saibling und Karpfen aus heimischen Gewässern kann man den Heringsschmaus, der heute am Aschermittwoch die Fastenzeit einläutet, mit gutem Öko-Gewissen genießen. Darauf machte die Tierschutzorganisation WWF aufmerksam und empfahl einen Blick in sein Online-Nachschlagewerk www.wwf.at/fischratgeber.

 

Kaufempfehlung

Der WWF empfiehlt:

  1. Kaufen Sie Fisch aus Österreich.
  2. Kaufen Sie Bio, MSC oder ASC zertifizierten Fisch.
  3. Kaufen Sie Fisch, der im Fischratgeber empfohlen wird.

Fisch aus Österreich sei hinsichtlich Frische, Qualität und kurzer Transportwege unschlagbar, sagte WWF-Meeresexperte Axel Hein. Die "gesunde Delikatesse" solle bewusst und nicht täglich konsumiert werden. 90 Prozent der Meeresbestände seien überfischt oder bis an ihre Grenzen befischt. Österreich importiere 95 Prozent des konsumierten Fischs.

Fangquoten gefordert

Die heimische Produktion decke den Bedarf derzeit nur zu fünf Prozent. Deshalb brauche es Alternativen. "MSC-zertifizierte Produkte gewährleisten immerhin einen Mindeststandard und sind ganz klar konventionellen Produkten vorzuziehen", betonte Hein. Das gelte auch für ASC-zertifizierte Zucht von Fisch und Meeresfrüchten.

Trotz Reformbedarfs sei MSC das strengste Wildfang-Siegel. Vor allem die 90 Prozent nicht-zertifizierten Fischereien hätten den größten Raubbau zu verantworten. Der WWF fordert wissenschaftlich abgesicherte Fangquoten und eine elektronische Überwachung der Fischerei. Schließlich sichere Fisch Einkommen und Nahrung von über 800 Millionen Menschen weltweit.

Kritik an MSC

Mehr als 60 internationale Organisationen für Umwelt- und Meeresschutz drängen auf strengere Regeln beim Siegel für nachhaltige Fischerei MSC.

In einem offenen Brief äußerten die Umweltschützer "erhebliche und wachsende Bedenken" am Zertifizierungsverfahren und fordern zügige Nachbesserungen.

In den vergangenen Jahren habe der MSC zum Beispiel umstrittene Fischereien als nachhaltig zertifiziert. Der Fang Tausender gefährdeter und bedrohter Tiere sei die Folge. Diese Praxis führe Verbraucher in die Irre, teilten die Organisationen mit.

Eine Sprecherin des MSC erklärte, man versuche "allen objektiven Einwänden" gerecht zu werden. Die MSC-Standards sollen 2018/2019 erneuert werden.

Auch Greenpeace äußerte harsche Kritik am Gütesiegel: "MSC hat extreme Schwächen. Das Problem sind nicht nur die Fangmethoden und der Beifang, sondern auch schlicht die immer weiter steigende Nachfrage nach Meeresfisch. Um den eigenen Fischkonsum nachhaltig zu gestalten, raten wir, heimischen Fisch wie Saibling oder Forelle zu konsumieren, und auf Meeresfisch wenn möglich zu verzichten“, kritisierte Nunu Kaller, Konsumentensprecherin von Greenpeace in Österreich.

Nicht mehr fangen als nachwächst

Im Regelwerk des MSC für die Zertifizierung ist eigentlich vorgeschrieben, dass Unternehmen nicht mehr Fisch fangen dürfen als nachwächst, keine irreversiblen Schäden im Ökosystem hinterlassen dürfen und "vorbildlich" geführt sein müssen. Die gemeinnützige Organisation bezeichnet ihr Siegel als das weltweit am meisten verbreitete für nachhaltig gefangenen Fisch. Sie war vor 20 Jahren angesichts der Überfischung der Meere gegründet worden.

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Danke für Ihr Verständnis.

CuiBono
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Zum Heringsalat

noch eine Bitte an den Redakteur:

Bitte um ein Rezept oder Bezugsnachweis zum empfohlenen Heringsalat aus EINHEIMISCHEM Fisch.

Unter dem angeführten Link ist nix zu finden und meines Wissens nach wird ein Heringsalat immer noch mit Meeresfisch gemacht.
Hauptsächlich aus Hering (gesäuert/geräuchert/matjesgegärt), hin und wieder auch etwas Makrele oder Schillerlocken (vom Dornhai).

Also - Danke im Vorhinein.

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CuiBono
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Seltsame Preisgestaltung

ICH kaufe und esse gerne heimischen Fisch.
Aber - er ist extrem teuer!

Ich hab nix gegen die EU.
Deswegen kauf ich auch Fisch aus zertifizierten Zuchten in der Friaul.
Wesentlich preisgünstiger als die Kärntner und Salzburger Ware.
Warum eigentlich?

Was mir nicht gefällt, ist dass die Mehrzahl der lokalen Kärntner Angebote aus hochgezüchteten "Fleisch"-Rassen besteht und vom Geschmack her (und wer weiss was sonst noch) nicht mehr viel hergibt.
Kleiner Tip: Watteforellen.

Wenn ich (ursprünglich aus Amerika stammende) Regenbogenforellen (Oncorhynchus mykiss) aus heimischen Zuchten im Handel sehe, kurznasig und aufgrund der hohen Besatzdichte in den Zuchtbecken mit gegenseitig abgebissenen verunstalteten Flossen aber vorgeblich "bio", vergeht mir alles.
Wenn ich dann noch das Preisschild sehe, gibt es eh keinen Kauf mehr. Vielleicht kommt mir noch ein Lächeln aus, aufgrund der offensichtlichen Unverfrorenheit.

Dass mir dann an der Frischfischtheke einer großen einheimischen Handelskette angeblich "geschultes" junges weibliches Fachpersonal gegenübersteht, das nicht weiss, wo bei dem Fisch die Kiemen zu finden sind, passt irgendwie zum Gesamtbild.

Also - bessert Euch.
Oder lasst es.

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