Tierisch therapierenMit Tieren bei Burnout helfen

Der studierte Mediziner Wolfgang A. Schuhmayer erklärt warum medizinisch orientierte tiergestützte Therapie rasche Erfolge bei Angst, Depression, Burnout & Co. bringen kann.

Am Brigindohof werden Alpakas eingesetzt, um Menschen bei psychischen Belastungssituationen wie Burnout und Depression zu helfen © Sonja Filiz
 

Wie sind Sie eigentlich auf den Gedanken gekommen, bei emotionalen Belastungen wie Burnout mit Tieren, insbesondere Alpakas, zu arbeiten?
Wolfgang A. Schuhmayer: Mein Schlüsselerlebnis und wenn man so will mein Kurswechsel war ein invasives Melanom. Da neigen viele Menschen dazu, auf ihr eigenes Tun zurückzuschauen, und das war auch bei mir so. Ich war zwar zufrieden mit meinem Leben und meinen Leistungen, wollte aber etwas machen, was Menschen hilft und auch Spuren hinterlässt. Durch Zufall habe ich einen Fernsehbericht über tiergestützte Arbeit und Autismus gesehen, wo mit Alpakas gearbeitet wurde. Ich habe dann bald darauf eine Ausbildung in tierassistiertem Coaching gemacht. Das hat dann auch meine therapeutische Ausrichtung stark beeinflusst.

Wie würden Sie Ihre Therapiemethoden selbst beschreiben?
Die tiergestütze Therapie ist eine so genannte Beziehungsarbeit, bei der das Tier eine Symbolfunktion hat. Es hat auch eine Stellvertreterposition als Sozialpartner und dient als Katalysator, um den Therapieeffekt umzusetzen und zu beschleunigen.

Sie arbeiten da ja auch mit Zwergziegen, Muli oder Pferden: Wie wirken die unterschiedlichen Tiere auf Ihre Patienten?
Als wir mit der Arbeit mit Alpakas begonnen haben, haben wir relativ schnell realisiert, dass es so ist, wie wenn man in einer Ordination nur mit einem Medikament arbeitet. Verschiedene Tiere bieten unterschiedliche Vorzüge in der tiergestützten Arbeit. Deshalb sind verschiedene Spezies von Vorteil, um mit den Patienten besser arbeiten zu können. Hufträger sind von ihrer Mentalität her etwa ganz anders als andere Tiere.

Foto © KK
Was macht die Arbeit mit Tieren so wertvoll?
Sie orientieren sich nicht an Aussehen, Position oder Normen, sondern reagieren auf den Menschen so, wie er an diesem Tag in diesem bestimmten Moment ist. Das merkt man gnadenlos – und damit gilt es dann zu arbeiten. Diese Tatsache macht Tiere zu einem hervorragenden therapeutischen Werkzeug. Je schwerer ein Mensch erkrankt ist, desto schwieriger ist es etwa für ihn, mit einem Pferd zu arbeiten und umso lieber setze ich in so einem Fall ein Alpaka ein.

Welche Qualitäten haben gerade Alpakas im Vergleich zu anderen Tieren?
Tiere sind für mich so etwas wie das Stethoskop für den Internisten. Es gibt Ebenen, die wir verschlüsseln oder verheimlichen. Diese werden in Therapieeinheiten von den Tieren sehr gut aufgeschlüsselt. Das kann ich dann an ihrem Verhalten ablesen. Alpakas sind ganz besonders feinfühlig und lassen sich leicht und gern auf Menschen ein.

Gibt es auch anfängliche Vorbehalte gegenüber den Tieren?
Wenn jemand gleich vorweg sagt, dass er mit Tieren überhaupt nichts anfangen kann, ist so eine Therapie nicht geeignet! Es muss jetzt nicht zwingend eine hohe Tieraffinität da sein. Es reicht, wenn eine neutrale Position zu Tieren vorhanden ist. Viele haben aber etwa anfänglich etwas Angst vor Pferden. Das ist aber kein Problem, sondern man kann diesen Umstand gut nutzen. Man muss in diesem Fall lernen, die Kontrolle über die Situation zu bekommen, das stärkt in weiterer Folge auch Menschen in einer Therapie.

Wie funktioniert Tier­gestützte Therapie?

Tiergestützte Therapie ­umfasst bewusst geplante päda­gogische, psychologische und sozialintegrative Angebote mit Tieren für Kinder, Jugendliche, Erwachsene wie Ältere mit kognitiven, sozial-emotionalen und motorischen Einschränkungen, Verhaltensstörungen und Förderschwerpunkten. Sie beinhaltet auch gesundheitsfördernde, präventive und rehabilitative Maßnahmen. Basis ist die Beziehungs- und Prozessgestaltung im Beziehungsdreieck Klient – Tier – Bezugsperson. Diese Therapie beinhaltet Methoden, bei denen Klienten mit Tieren interagieren, kommunizieren oder für Tiere tätig sind. Die Durchführung erfolgt zielorientiert anhand einer klaren Prozess- und Themenorientierung unter Berücksichtigung tierethischer Grundsätze mit anschließender ­Dokumentation und fachlich fundierter Reflexion.


In welchen Bereichen können Sie jetzt gezielt helfen und wie?
Tiere als Spiegel der eigenen Persönlichkeit erzwingen geradezu den erneuerten Umgang mit den eigenen Strukturen. Sie tragen damit nachhaltig und vor allem rasch zu positiven Schritten in der Persönlichkeitsentwicklung bei. Bestes Beispiel war eine Frau, die zu mir kam und sagte, sie habe Angst. Schulmedizinisch waren da keine Symptome zu sehen. Also kein Zittern oder keine Schweißausbrüche. Ich habe sie dann eine Zwergziege einfangen lassen. Das hat den Grund, dass, wenn der Mensch aufgeregt ist, auch die Ziege aufgeregt wird. Erst wenn sich der Mensch beruhigt, beruhigt sich auch die Ziege. Als die Frau die Ziege angreift, ­beginnt diese sofort wie unter Stromschlägen zu zittern. Das sind Dinge, die uns Tiere zeigen, die wir als Menschen nicht sehen können.

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