Dass die Periode immer noch ein Tabu ist, erkennt man auch daran, wie viele Synonyme es für den Begriff Periode bzw. Menstruation gibt. Die einen „surfen auf der roten Welle“, wenn sie ihre Monatsblutung haben, die anderen haben Besuch von „Tante Marianne“. Dinge beim Namen zu nennen, fällt in Sachen Menstruation offenbar vielen immer noch schwer. Was eigenartig anmutet, denn etwa jede zweite Person auf diesem Planeten durchläuft den monatlichen Zyklus – durchschnittlich hat frau etwa 450 Mal im Leben „die Regel“.

Doch es kommt Bewegung in die Debatte. Einen – positiven – Anteil daran haben soziale Medien wie Instagram. Ebenda sprechen junge Frauen über die Menstruation und welche Hygieneprodukte sie verwenden. Zum anderen wurden Themen wie freier Zugang zu Hygieneprodukten oder Menstruationsurlaub in verschiedenen Ländern umgesetzt, letzteres erst vor Kurzem etwa in Spanien.

Was bei der Menstruation im Körper passiert

Doch was geht während der Menstruation im Körper vor? „Jenes Gewebe, das sich nach dem Eisprung als Vorbereitung auf eine mögliche Schwangerschaft aufgebaut hat, wird wieder abgebaut“, erklärt Gerda Trutnovsky von der Med Uni Graz. „Es ist ein komplexes Zusammenspiel von Hormonen.“

Die Ausgestaltung dieses Zusammenspiels kann sehr individuell sein. Bei manchen dauert der Zyklus 28 Tage, bei anderen 34. Bei einigen dauert die Regel selbst drei Tage, bei anderen acht. Manche haben starke Blutungen, andere um ein vielfaches weniger. Durchschnittlich verliert eine Frau während der Regelblutung 20 bis 60 Milliliter Blut. Es mag in diesen individuellen Unterschieden begründet sein, dass das Wissen über Menstruation in der Gesellschaft enden wollend ist. Der „Gender Health Gap“, der das Fehlen einer geschlechterspezifischen Medizin aufzeigt, betrifft auch den weiblichen Zyklus. Forschung und Studien zu diesem Thema gibt es wenige.

Regelrechte Vorurteile

So halten sich vehement Vorurteile in Sachen Regel. Etwa, dass Frauen Schmerzen während der Monatsblutung aushalten müssten. Auch hier gibt es individuelle Unterschiede, manche leiden aufgrund von Krämpfen und oder Rückenschmerzen, andere wiederum können mehr oder weniger unbehelligt ihrem Tagesablauf nachgehen. „Keine Frau muss die Schmerzen aushalten“, sagt Trutnovsky.

Es gibt unterschiedliche Mittel, die Linderung verschaffen können. Wärme etwa, Schmerztabletten ebenso wie Massagen. Auch sportliche Betätigung, Yoga und das, was man eine bewusste, gesunde Ernährung nennt, kann Regelschmerzen eindämmen. Bleiben die Beschwerden aber erhalten, sollten diese abgeklärt werden. Starke Schmerzen können etwa ein Indiz für Endometriose sein. Auch Zwischenblutungen bzw. sehr unregelmäßige Blutungen sollten nicht unbeachtet bleiben.

Zu emotional während der Periode

Und gibt es auch noch dieses eine Vorurteil, wonach Frauen während der Periode zu emotional, zu schnell gereizt sind. „Ich finde es problematisch, davon auszugehen, dass Frauen während der Periode nicht leistungsfähig sind“, sagt die Expertin. Zu groß seien die Unterschiede, um alle Frauen über einen Kamm zu scheren. Aus diesem Grund steht sie auch dem Konzept Menstruationsurlaub skeptisch gegenüber, weil eben genau diese Vorurteile wieder mehr Raum bekommen würden. „Wenn eine Frau Beschwerden hat, soll sie die Möglichkeit haben, in Krankenstand zu gehen“, sagt Trutnovsky. „Ansonsten soll jede Frau selbst entscheiden können, wie sie mit ihrer Menstruation umgeht.“