Kritik an VortragendenUmstrittene Ringvorlesung zu Corona-Fragen an der Uni Wien

Eine Ringvorlesung an der Uni Wien sorgt für Diskussionen - vor allem im Netz. Die Auswahl der Referentinnen und Referenten ist der Stein des Anstosses. Ein erster hat nun seine Teilnahme wieder abgesagt.

×
Artikel gemerkt

Gemerkte Artikel können Sie jederzeit in Ihrer Leseliste abrufen. Zu Ihrer Leseliste gelangen Sie direkt über die Seiten-Navigation.

Zur Leseliste
Ringvorlesung, Universität Wien
Eine Ringvorlesung wird von unterschiedlichen Vortragenden gestaltet, in diesem Fall wird die Auswahl ebenjener kritisiert © Unsplash
 

Auf sozialen Medien und zum Teil auch an der Universität Wien gibt es derzeit eine Kontroverse um eine Ringvorlesung zum Thema Corona-Pandemie. In der Lehrveranstaltung sollen auch Wissenschafter vortragen, die bisherige Corona-Maßnahmen kritisiert haben bzw. mit umstrittenen Äußerungen aufgefallen waren. An der Uni Wien verweist man auf die akademische Freiheit, ein erster Vortragender hat bereits abgesagt.

Eine Ringvorlesung ist eine Lehrveranstaltung, die nicht nur von einem einzigen Vortragenden gestaltet wird, sondern in der verschiedene Personen, zum Teil auch von anderen Hochschulen, zu Wort kommen. Im Rahmen der Online-Lehrveranstaltung "Corona - eine interdisziplinäre Herausforderung" sollten Studierende "die Möglichkeit einer transdisziplinären wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit der derzeitigen pandemischen Situation abseits von Leitmedien, politischen Narrativen und Sozialen Medien erhalten". Ziel sollte unter anderem sein, eine "Vielfalt qualifizierter wissenschaftlicher Meinungen kennenzulernen sowie Kontroversen, Dialoge zwischen unterschiedlichen Positionen und Perspektiven", heißt es in der Beschreibung im Vorlesungsverzeichnis.

Uni Wien distanziert sich von manchen Aussagen

Zumindest in Sachen Kontroversen dürfte das gelungen sein - nicht aber das Abseits-Lassen Sozialer Medien. Auf Twitter wurde - auch von Wissenschaftern der Uni Wien - die Auswahl der Vortragenden kritisiert. Diese umfasst unter anderem den Leiter der Abteilung für Allgemein- und Familienmedizin am Zentrum für Public Health der Medizinuni Wien, Andreas Sönnichsen. Er war mehrmals medial gegen die Anti-Corona-Maßnahmen aufgetreten - auf der Homepage seiner Abteilung distanziert sich die Medizinuni nach wie vor von seinen Aussagen zum Thema Corona-Infektion. Er sei "weder Experte auf dem Gebiet der Biologie, Diagnose oder Therapie von Viruserkrankungen" noch Leiter einer Organisationseinheit der Uni.

Ebenfalls mit Vorträgen vertreten sind der als Kritiker der Maßnahmen bekannte Public-Health-Experte Martin Sprenger oder der Psychoneuroimmunologe Christian Schubert (Medizin-Uni Innsbruck). Letzterer lehnt die Corona-Impfung persönlich ab und sprach sich auch mit drastischen Worten gegen eine Immunisierung von Kindern aus.

Sönnichsen wie auch Schubert scheinen mit Aussagen auf einem Flyer auf, der vor Wiener Schulen verteilt wurde und zahlreiche Falschbehauptungen enthält. Einen Faktencheck zu diesem Flyer können Sie hier nachlesen.

"Es gilt die akademische Freiheit"

Die Uni Wien verwies auf Anfrage der Austria Presse Agentur darauf, dass die Ringvorlesung von Forscherinnen und Forschern verschiedener Unis gestaltet werde. "Auch für diese Form gilt die akademische Freiheit." Man distanziere sich "von jeglicher COVID-Verharmlosung und appelliert weiterhin an alle Studierenden und Mitarbeiter*innen, sich impfen zu lassen".

Laut "Standard" (online) hat ein anderer Vortragender aufgrund der Zusammenstellung der Vortragenden seine Teilnahme abgesagt. Der Leiter des Complexity Science Hub Vienna (CSH), Stefan Thurner, meinte, sich "vorab nicht gründlich genug mit dem Umfeld beschäftigt" zu haben. Ein Diskurs mit kontroversen Positionen sei zwar nötig. Allerdings: "Es muss sich um Positionen handeln, die auf Wissenschaft fußen."

Kommentare (3)
dude
9
23
Lesenswert?

Bravo, Uni Wien!

Genau so sollte wissenschaftlicher Diskurs aussehen!
Ein Armutszeugnis ist es für jenen Vortragenden, der sich weigert daran teilzunehmen, nur weil ein Kollege mit einer anderen Meinung, dort eine Vorlesung hält!
Das ist Kindergartenniveau, das auf einer Uni nichts zu suchen hat: "Nein, wenn der Franzi auch in der Sandkiste ist, dann gehe ich dort sicher nicht hinein!"

johannisbeere
12
12
Lesenswert?

Es ist nicht Kindergartenniveau, ...

.. denn er begründet das nachvollziehbar: "Es muss sich um Positionen handeln, die auf Wissenschaft fußen." Wenn sie das nicht tun, warum sollte er sich mit ihnen beschäftigen?

dude
9
13
Lesenswert?

Akademische Freiheit?

Sie zitieren die Aussage eines Wissenschafters, der seinem Kollegen vorwirft, dass dessen Positionen nicht auf Wissenschaft fußen, liebe Johannisbeere! So kann man es sich natürlich leicht machen, den Kollegen, der eine andere Meinung vertritt, diffamieren und dem Diskurs ausweichen. Doch irgendwie Sandkiste...