Wie hoch wird die vierte Welle?Klimek: "Haben Infektionsgeschehen auch ohne Schule nicht unter Kontrolle"

Die Zahl der Neuinfektionen steigt, ebenso jene der Spitalspatienten. Doch wie hoch wird die vierte Welle? Welche Auswirkung wird die Schulöffnung haben und mit welchen Maßnahmen sollte gegengesteuert werden?

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vierte Welle, Österreich, Neuinfektionen
Die vierte Welle ist da, die Frage ist nur, wie hoch sie wird © (c) lvnl - stock.adobe.com
 

Die Diskussion, ob wir in eine vierte Welle geraten, ist zu Ende. Österreich befindet sich mittendrin. Am Freitag wurden etwas über 1700 Neuinfektionen gemeldet, auch die Belagszahlen in den Krankenhäusern nehmen zu. Nun stellt sich die Frage: Wie hoch wird die Welle?

Es ist eine Frage, die sich auch Komplexitätsforscher Peter Klimek (Science Hub Vienna) stellt. „Es ist möglich, dass wir bei den Neuinfektionen im Laufe des Herbstes Rekordwerte verzeichnen“, sagt er im Gespräch mit der Kleinen Zeitung. Denn im Moment sei eine ungünstige Entwicklung zu beobachten. Die Impfrate stagniert und auch die Bereitschaft sich an die Hygienemaßnahmen zu halten.

„Aufgrund der Impfungen können wir eine höhere Anzahl an Neuinfektionen als vor einem Jahr aushalten“, zieht Klimek einen Vergleich zum Jahr 2020. Er fügt aber ein Aber hinzu. Und dieses bezieht sich auf die Delta-Variante. Mittlerweile ist bekannt, dass diese ansteckender ist, als etwa die Alpha-Variante von Sars-CoV-2. Die Basisreproduktionszahl liegt bei Delta bei acht. Das bedeutet, dass eine infizierte Person bis zu acht weitere anstecken kann. Zum Vergleich: Bei der Alpha-Variante lag der R0-Wert bei 3 bis 4.

Noch unklar: Delta und die schweren Verläufe

„Es ist noch nicht abschließend geklärt, ob Delta auch mehr schwere Verläufe verursacht“, sagt Klimek. Aus diesem Grund, ist es auch schwer vorherzusagen, wie genau sich die Situation auf den Intensivstationen entwickeln wird. Steigen die Zahlen aber weiter wie zuletzt, „könnten auch die Intensivstationen wieder in die Knie gezwungen werden.“

Klimek sieht grundsätzlich drei Methoden, der vierten Welle zu begegnen. Die Impfrate massiv zu erhöhen, noch stärker auf Schutzmaßnahmen zu setzen oder eine natürliche Durchseuchung. Werden keine weiteren Maßnahmen zu den bestehenden gesetzt, wird es über kurz oder lange auf die dritte Variante hinauslaufen. „Die vierte Welle wird dann eine veritable Welle, die dann aber abflacht, weil das Virus nicht mehr so viel Holz zu verbrennen hat.“ Übersetzt bedeutet das, dass sich all jene, die noch nicht geimpft sind, früher oder später infizieren werden. „Das wäre dann das Pandemieende durch natürliche Immunisierung.“

Allerdings mit nicht abzuschätzenden Folgen, denn es wird Menschen geben, die an dem Virus versterben und es wird Menschen geben, die an Long Covid erkranken werden. Wie viele das sein werden, kann man zuvor nicht beziffern. Zudem wird es natürlich jene Gruppen treffen, die eben noch keinen Impfschutz haben. Und das sind vor allem jüngere Menschen und Kinder

Die vierte Welle wird dann eine veritable Welle, die dann aber abflacht, weil das Virus nicht mehr so viel Holz zu verbrennen hat.

Peter Klimek

Um die vierte Welle sich nicht zu massiv aufbauen zu lassen, meint Klimek: „Es sollte eher früher als später wieder auf Masken und Abstand gesetzt werden, auch um das Risikobewusstsein wieder zu erhöhen.“ Auch bei der 3G-Regel solle man nachschärfen. Denn die meisten Ansteckungen würden aktuell im privaten Bereich stattfinden, „da hilft auch die 3G-Regel nicht.“ Die Bundesregierung will übrigens kommenden Mittwoch über weitere Maßnahmen beraten.

Die Auswirkungen des Schulstarts

Zu diesem Zeitpunkt wird das Schuljahr in Ostösterreich schon begonnen haben. Die Tests sieht Klimek als sinnvoll an, er rechnet aber nicht damit, dass diese nach der dreiwöchigen Sicherheitsphase auslaufen werden. „Die Inzidenz wird zu hoch sein, um auf das Testen verzichten zu können.“ Wichtig sei aber auch, die Isolierung und das Contact Tracing nach einem positiven Test konsequent durchzuführen, um Infektionsketten zu durchbrechen.

Die effektivste Vorsorge für einen gesicherten Schulbetrieb sei aber ohnehin die Impfung, und zwar beim Lehrpersonal und bei Eltern. „Diese haben es selbst in der Hand, Verantwortung zu übernehmen und ihre Kinder, die sich nicht impfen lassen können, zu schützen.“ Denn wenn etwa die Eltern geimpft sind, können Kinder eine etwaige Ansteckung aus der Schule nicht mehr in die Haushalte tragen.

Durch die Rückkehr der Kinder an die Schulen wird es auch einen Anstieg in den Zahlen geben, man dürfe den Anstieg dann aber nicht auf den Schulbeginn schieben, „denn wir haben das Infektionsgeschehen auch jetzt, ohne Schule, nicht unter Kontrolle.“

Was wäre wenn ... 100 Prozent Durchimpfungsrate?

Fakt ist, je mehr Menschen geimpft sind, desto weniger kann das Virus in der Gesellschaft zirkulieren. Wären 100 Prozent der impfbaren Bevölkerung immunisiert, würde der Basisreproduktionswert unter 0 liegen. Was bedeuten würde, dass sich durch den Impfschutz keine Welle mehr aufbauen könnte. Zugleich würde bei Geimpften mit Impfdurchbrüchen, die Viruslast schneller wieder abnehmen. „So können sich auch weniger Mutationen bilden.“ Wie sehr uns Mutationen in Bedrängnis bringen können, zeigt die Delta-Variante. Denn sie ist derart infektiös, dass, würde sie auf eine ungeimpfte Population treffen, auch ein Lockdown sehr wenig ausrichten könnte.

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Danke für Ihr Verständnis.

TrailandError
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3G gibts eh

Meine Familie im Umfeld ob jung und alt ist geimpft- also Mali ist des dann ziemlich egal. Meine Geduld mit den Impfmuffeln ist erschöpft. Keine zusätzlichen Maßnahmen- ich sage nur … wer nicht hören will muss fühlen !

Amadeus005
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Wenn man die Zahlen sieht

Wieso gibt es dann keine Maßnahmen? Wegen dem Sommertourismus, der das auf Kosten des Wintertourismus macht?
Funktioniert ja eh gut, wenn die Regierung ihr Stammklientel mit Steuergeldern der Allgemeinheit füttert und ruhig hält, während die Allgemeinheit und die Jugend später dafür brennen muss. - Ist den aktuellen Politikern ja egal. Die haben bis dahin ihren Reibach schon gemacht. Wenn frühere Politiker auch so gedacht hätten, dann wäre Ostösterreich im Ostblock und der Eiserne Vorhang wäre immer noch da.

Wendel1980
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Eben weil wir nicht der Ostblock sind…

… sondern jeder frei und selbst verantwortlich ist, sollte es keine weiteren Maßnahmen gehen. Jeder kann selbst entscheiden, mit der Impfung ist der Staat aus dem Schneider. Andersrum formuliert: Wer sich nicht impfen lassen will, ist selbst schuld. Genauso wie beim Rauchen, Alkohol, oder ungesundem Essen.

597d9dec92ec7a16808b398aa9fdf4a7
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Ist das der Präsident

der Impfstoffindustrie?

Carlo62
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Bist Du der Präsident

der beratungstesistenten Querdenkern?

Lepus52
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Wann lernen wir dazu!

Ein Vergleich mit dem Grippevirus ist zulässig, nur Ihr Schluß daraus ist falsch. Auch das Grippevirus hätte keine Chance, wenn sich alle impfen lassen würden! Da das Coronavirus doch um einiges gefährlicher ist, wäre daraus ein ganz anderer Schluss zu ziehen. Impfpflicht und basta! Anderen Viren wurde in der Vergangenheit auch so erfolgreich begegnet. Heute wird herumgeeiert und jeder, der stümperhaft "googeln kann" fühlt sich berufen Halbwahrheiten und Unsinn zu verbreiten und glaubt eine Stunde "googeln" ersetzt ein langwierigen Studium und wissenschaftliches Arbeiten.

Stemocell
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Indem Sie sagen,

dass man andere Viren auch per Impfung ausrotten konnte, vergleichen Sie indirekt auch Pocken oder Polio mit Corona, was aber weitaus abwegiger ist, als die Influenza mit Corona zu vergleichen. Pocken und Polio mutieren nicht, außerdem sind es keine Zooonosen, sie befallen also nur den Menschen.
Um diese Unterschiede zu verstehen, brauche ich nicht studiert zu haben.
Corona ist nur momentan gefährlicher als die Grippe, weil das Virus neu ist und geschwächte Menschen keine ausreichende Antwort des Immunsystems haben.

Amadeus005
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Kann so sein

Aber wollen wir 10 Jahre dahinraffen lassen, bis sich von selbst genug Abwehrstoffe etabliert haben?

Stemocell
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Natürlich nicht,

deswegen gibt es ja mittlerweile die Impfung als wirkungsvollen Schutz. Jeder hat die Möglichkeit dazu. Wer nicht will: Selbst Schuld

Stemocell
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Vielleicht wird man ja

bei der 16. Welle einsehen, dass das Virus gekommen ist, um zu bleiben. Trotz Impfung, trotz Lockdown, trotz Maskenpflicht, trotz Panikmache…
Ich kann impfen so viel ich will, falls das Virus ähnlich mutiert, wie das Grippevirus, wird es niemals ganz verschwinden, da wir immer einen Schritt zurück sind.
‚Das Infektionsgeschehen unter Kontrolle haben‘?
Hatten wir das jemals beim Grippevirus?
Ein Blick nach Australien zeigt, dass es selbst mit den härtesten Maßnahmen nicht möglich ist, das Infektionsgeschehen zu 100% zu kontrollieren.
Wann lernen wir endlich dazu?