Simulationsforscher Popper"Welle unter Ungeimpften": Delta lässt Zahlen auch in Österreich steigen

Die Delta-Variante lässt die Infektionszahlen hochgehen. Das sei nicht überraschend, sagt Simulationsforscher Popper. In Spitälern ist die Lage aktuell stabil.

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Simulationsforscher Nikolas Popper: "Man kann sich impfen lassen oder erkranken – eine dritte Variante gibt es nicht."
Simulationsforscher Nikolas Popper: "Man kann sich impfen lassen oder erkranken – eine dritte Variante gibt es nicht." © APA/Helmut Fohringer
 

Fast könnte man meinen, man erlebt ein Déjà-vu. Auf die Euphorie, wieder ein Stückchen des alten Lebens zurückbekommen zu haben, folgt die nächste, weniger frohe Kunde. Denn die Delta-Variante von Sars-CoV-2 hat in Österreich vor etwa drei Wochen das Geschehen übernommen und sorgt für steigende Infektionszahlen – gestern wurden 332 Neuinfektionen gemeldet – die Siebentagesinzidenz ist leicht steigend und liegt aktuell bei 15,2. Diese Entwicklung ist nicht überraschend. Der Anstieg ist die logische Konsequenz der Öffnungsschritte. Die Delta-Variante sorgt für ein zusätzliches Plus. „Das war zu erwarten“, sagt Simulationsforscher Nikolas Popper (TU Wien). Er fügt hinzu: „Die Zahlen werden nun wohl recht rasch ansteigen.“

Die Regierung hat bereits Verschärfungen angekündigt.  "Wir dürfen den 'Fehler des Vorjahres' nicht wiederholen“, heißt es etwa von Gesundheitsminister Mückstein. Mehr dazu lesen Sie hier.

Wobei die Situation in Österreich regional sehr unterschiedlich ist, in einigen Regionen gibt es größere Cluster bzw. Ausbrüche – so etwa jener, der in der Disco Almrausch in Lannach seinen Ausgang genommen hat. Andere Regionen wiederum sind kaum betroffen. „Wir sehen aktuell einige Mini-Epidemien“, erklärt Popper. Das ist auch den unterschiedlichen Impffortschritten in den Regionen geschuldet. Grundsätzlich sind 50 Prozent der österreichischen Bevölkerung immunisiert, die andere Hälfte ist es nicht. Aber dieses Bild verteilt sich nicht gleichmäßig über Österreich. Bricht man die Impfquote auf Gemeindeebene hinunter, zeigen sich große Unterschiede.

Juli 2020 vs. Juli 2021

Die nächsten Öffnungsschritte sollen am 22. Juli vorgenommen werden. So wird die Kapazitätsbeschränkung in der Gastronomie fallen, ebenso die Maskenpflicht im Handel. Vergleicht man die Situation mit dem Juli des Vorjahres, sieht man, dass auch 2020 Anfang des Monats die Zahlen zu steigen begonnen haben und sich dann im Verlauf des Julis recht stabil zwischen 1000 und 1500 aktiven Fällen pro Tag Fällen bewegten.

Eine Steigerung ist auch in den nächsten Wochen zu erwarten. „Aber wie sehr interessiert es uns, dass die Fälle steigen? Wie hoch lassen wir sie steigen?“, sagt Popper. „Das sind Fragen, die die Politik beantworten muss.“ Der große Unterschied zum Sommer des Vorjahres ist die Verfügbarkeit der Impfstoffe bzw. der Impffortschritt. Letzterer sorgt aktuell für eine stabile Lage in den Spitälern und auf deren Intensivstationen. Denn alle in der EU zugelassenen Vakzine schützen wirkungsvoll vor einem schweren Verlauf und damit vor Hospitalisierung.

Die Überlastung des Gesundheitssystems zu verhindern, war das erklärte Ziel der verhängten Maßnahmen in den vorangegangen Wellen. Die Gefahr einer solchen Überlastung sieht Popper aktuell nicht. Was aber nicht bedeutet, dass man unvorsichtig werden sollte. „Wir müssen weiter testen und schnell impfen.“ Denn die Erfahrung zeigt, dass die steigende Zahl an Neuinfektionen sich – zeitverzögert – in den Spitälern abbildet.

"Welle unter den Ungeimpften"

Hinzukommt, dass sich vor allem ungeimpfte Bevölkerungsgruppen mit der Delta-Variante infizieren werden. „Es wird eine Welle der unter den Ungeimpften“, sagt Epidemiologe Gerald Gartlehner (Donauuniversität Krems). Nun sei es notwendig, mit Aufklärung sowie unterschiedlichen Anreizen auch jene Bevölkerungsgruppen zu erreichen, die noch nicht geimpft sind.

Popper gibt zu bedenken: „Wenn von 1000 Neuinfizierten pro Tag nur ein Prozent hospitalisiert werden muss, sind das zehn Personen täglich.“ Auf Basis dieser Berechnung fügt er hinzu: "Man kann sich impfen lassen oder infizieren – eine dritte Variante gibt es nicht."

Anmerkung: Wir haben in Absprache mit Niki Popper das letzte Zitat dieses Artikels angepasst und das Wort erkranken gegen infizieren getauscht. 

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Danke für Ihr Verständnis.

gberghofer
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Keine Vorsichtsmassnahmen zu ergreifen ist rücksichtslos.

Den Virus mit einer Grippe vergleichen klingt sehr nach FPÖ, die nur politisches Kleingeld lukrieren möchte. Wissenschaftlich ist das nicht haltbar .

Mein Graz
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@alfa166

Dann lass es halt.
Und übersteh die Erkrankung gut und ohne Folgeschäden.

Alfa166
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@Graz

Da ich weder in großen Menschenansammlungen anzutreffen bin, noch auf Konzerte udgl gehe, mich regelmäßig teste, desinfiziere und die Hände wasche, freiwillig die FFP2 Maske trage, gehe ich davon aus in naher Zukunft nicht zu erkranken.

rechtsblinker
7
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gratis Test

Irgendwann ist es aus mit den gratis Test. Das wird man wieder einmal über seine eigene Sturheit nachdenken. Viel Spaß bis dann!

Mein Graz
9
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@alfa166

Weiß das Virus das auch?

Alfa166
20
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Ob das Virus das weiß oder nicht ist mir herzlich egal.

Ich mache Dinge im Leben für mich und nicht für andere und damit sind alles möglichen Dinge, sei es beruflich oder privat gemeint.

DannyHanny
5
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Alfa 166

Gute Strategie.......das würde jedes Virus abschrecken ! 🙈

pianofisch
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„….impfen lassen oder erkranken“ ???

Allein diese schlampige Formulierung zeigt, dass der Popper kein Interesse an Objektivität hat.
Man kann sich infizieren ohne zu „erkranken“, weil es auch die symptomfreien Infizierten gibt.
Die sind nicht erkrankt!

MuskeTiere4
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Wenn die politisch Verantwortlichen ebenso öffnen wie Anfang Sommer 2020

und dann wieder bei Schulbeginn spätestens das Wehgeschrei über den verschlafenen Sommer losbricht, habe ich beim Déjà-Vu, beim zweiten und wiederholten Mal kein großes Verständnis. Da schwingt sich sogar Minister Mückstein auf zu behaupten, dass es "diesmal kein Missmanagement" geben würde! Vorsicht! Solange, erwiesenermaßen, die junge Generation noch immer nicht ausreichend vollständig geimpft wurde!
Erkrankung heißt für die Menschen erhöhte Virenlast und Ansteckungsmöglichkeiten. Für das Virus heißt es "Jippie! Ich kann alle meine Möglichkeiten ausprobieren und neue erfolgreichere Ansteckungsstrategien entwickeln!"
So niedrig uns diese Lebensform auch vorkommen mag, von Steigerung seiner Effektivität versteht es etwas!
Das unterschätzen viele gerne und geflissentlich, so wie jener wirtschaftswissenschaftliche Experte gestern auf Servus TV.
Übrigens, Erkrankung heißt auch Verlust von Ferien- und Erholungszeit mitsamt lästiger Quarantäne! Eine echte Spassbremse eben, das Coronavirus!

Vielgut1000
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Der Unterschied zum Sommer 2020: Impfen lassen.

Die Regierung kann nur anbieten, sich Impfen zu lassen - um damit weitgehendst einen schweren Verlauf der Coronainfektion zu verhindern. Das muss freilich jeder für sich entscheiden.

elli13
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Hetze

Und die Hetzjagd auf die Ungeimpften geht weiter.
Schon komisch, wenn an den Worten von Wissenschaftlern gezweifelt wird und an jenen von Politikern nicht.
Wie mein Papa schon sagte: Der Herrgott hat dir deinen Kopf nicht gegeben, um dich davor zu schützen, dass es nicht in deinen Hals hineinregnet.
Womöglich täte uns eine Betrachtung der Thematik von mehreren Seiten ganz gut, anstatt alles auf dem Hassbild "Ungeimpft" aufzubauen

Hausverstand100
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Wenn mir ein Impfgegner

Klar, verständlich und mit nachvollziehbaren Fakten darlegen könnte, warum er sich nicht impfen lässt, wäre ich ja eh still!.
Die meisten verbreiten jedoch ohne nachzudenken nur irgendwelche Theorien aus den asozialen Medien weiter!

future4you
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Empfehlung der Ethikkommission

Impfen und konsequentes Testen als wirksame Maßnahme: Selbst die so bedachte Vorsitzende der Ethikkommission spricht sich für eine Impfung aus, um weitere gesundheitliche und wirtschaftliche Schäden abzuwenden. Es ist absolut unverständlich, dass wir erst bei rund 50% von Geimpften sind.

pescador
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@future4aou

Ja, es ist kaum zu verstehen. Aber wenn man Dokus wie gestern in Servus TV sieht, wundert es kaum dass die Menschen verwirrt und unsicher sind.

henslgretl
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Absolut

richtig. Die Doku auf Servus TV war grenzwertig. Ich finde es verantwortungslos, dass Menschen derart verunsichert werden.

STEG
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Servus TV

Ich finde die Berichterststtung betr. Corona auf ServusTV verantwortungslos. Wäre interessant, ob der Eigentümer Mateschitz geimpft ist (so wie Trump heimlich)?
Ohne Impfung wird es bei seinen internationalen Geschäften in Zukunft auch schwierig. Die Milliarden wollen verwaltet werden und sein Alter sprechen für eine Impfung. Das Virus macht keinen Unterschied, ob jemand reich oder arm ist. Jeder hat nur ein Leben, er auch!

CloneOne
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achja die Zahlen...

wie auch bei den ganzen Statistiken passen die Zahlen auch nicht. Die Zahlen die wir immer lesen sind die "ausgelieferten Dosen" nicht die verimpften! Österreich halt.

Kommentare 26-42 von 42