Wie reagiert der Mensch auf eine traumatische Situation?
Ein traumatisches Erlebnis ist ein plötzlicher belastender Einschnitt in das Leben. „Es handelt sich um eine abnormale Situation. Da ist es ganz normal, dass Körper und Geist reagieren“, sagt Dagmar Tutschek. Die Psychologin beschäftigt sich seit Jahren intensiv mit Traumata. Die Reaktionen auf das einschneidende Erlebnis können vielfältig sein: Angst, Trauer, Orientierungslosigkeit, Schreckhaftigkeit, Wutausbrüche. Auch körperliche Erscheinungen wie Schweißausbrüche und Atembeschwerden können der Fall sein. Oft kommen Flashbacks dazu – Momente, in denen Bilder des Vorfalls wieder im Kopf auftauchen und das Gefühl schaffen, die Situation erneut zu erleben.

Was unterscheidet eine solche Reaktion von einer Posttraumatischen Belastungsstörung?
Die Symptome sind dieselben. „Der große Unterschied ist deren Intensität und vor allem deren Dauer“, sagt die Expertin. Handelt es sich lediglich um eine Posttraumatische Reaktion, so klingen die Symptome in den ersten drei Wochen wieder ab. Bleiben diese noch über mehrere Monate erhalten und beeinflussen das Leben des Betroffenen stark zum Negativen, kann eine Störung vorliegen. „Um eine Belastungsstörung zu entwickeln, muss ich nicht selbst vor Ort gewesen sein. Auch Angehörige von Opfern oder Helfer können betroffen sein.“


Wie kann man selbst dem Auftreten einer solchen Störung
entgegenwirken?
„Es ist wichtig, sich Ruhe zu gönnen, aber sich dabei nicht sozial zu isolieren“, sagt Tutschek. Wichtig ist, seinem Umfeld klar zu kommunizieren, was man braucht: „Bei einem traumatischen Erlebnis erfährt man einen Kontrollverlust. Es ist wichtig, das Gefühl der Kontrolle zurückzubekommen.“ Dazu sei es zentral, kein Vermeidungsverhalten an den Tag zu legen: „Wenn man die Orte des Geschehens dauerhaft meidet, füttert das die Angst und sie wird immer größer.“


Wie geht man in der Therapie vor?
Es gibt eine Vielzahl an Methoden, die angewandt werden können – so auch Hypnose. „Dafür braucht es aber ein großes Vertrauen zwischen Patient und Therapeut“, sagt die Psychologin. Auch Medikamente können Hilfe bieten – „dauerhaft aber nur in Kombination mit einer Therapie“.

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