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StudieFette Ernährung schadet dem Gehirn des Ungeborenen

Wenn die werdende Mutter sehr fettreich isst, kann das fatale Folgen für das ungeborene Kind haben - das haben Wiener Forscher nun gezeigt.

Fette Ernährung schadet dem Gehirn des Ungeborenen
Fette Ernährung schadet dem Gehirn des Ungeborenen © pressmaster - stock.adobe.com
 

Eine fettreiche Ernährung in der Schwangerschaft kann fatale Folgen haben: Die fettreiche Ernährung der Mutter kann im Gehirn von Ungeborenen lebenslange Störungen auslösen. Das hat ein Studienteam am Zentrum für Hirnforschung der MedUni Wien gezeigt.

Mütterliche Organismen produzieren bei gesteigerter Aufnahme von ungesättigten Fettsäuren ein Übermaß an körpereigenen Endocannabinoiden, die den fetalen Organismus überfordern und die Entwicklung gesunder Hirnnetzwerke einschränken. Das Ergebnis sind Erkrankungen wie ADHS, Schizophrenie oder Angststörungen. Es ist unwahrscheinlich, dass diese Schäden durch eine spätere Ernährungsumstellung rückgängig gemacht werden können.

Lebenslange Wirkung

Die Studie, die aktuell im Top-Journal Molecular Psychiatry veröffentlicht wurde, untersuchte in Zell- und Mausmodellen, wie sich fettreiche Ernährung der Mutter durch die ganze Schwangerschaft (mehrfach ungesättigte Omega-6-Fettsäuren) auf die Gehirnentwicklung von Ungeborenen auswirkt.

Bei stark fettreicher Ernährung entwickeln Mutter und Kind ein Übermaß an körpereigenen Endocannabinoiden, die bei Schwangerschaft auch von den Müttern an die Ungeborenen weitergegeben werden können. Das überfordert die entsprechenden Cannabinoid-Rezeptoren im ungeborenen Gehirn. Die Gehirnzellen können nicht mehr korrekt ins Gehirn integriert werden und die ihnen zugedachten Funktionen erfüllen. Die Studie zeigt auch, dass diese Einschränkungen lebenslang bestehen und psychiatrische Störungen auslösen können.

Gehirnentwicklung wird beeinflusst

Endocannabinoide sind Substanzen, die vom Körper selbst produziert werden. Sie sind Teil des Endocannabinoid-Systems, das als fundamentales Kommunikationssystem im menschlichen Gehirn und auch anderen Organen fungiert. Endocannabinoide reduzieren im erwachsenen Gehirn durch Bindung zu Cannabinoid-Rezeptoren die chemische Kommunikation („Neurotransmission“) zwischen Nervenzellen. Im sich entwickelnden Gehirn bestimmen sie, an welcher Stelle sich Nervenzellen positionieren und in welcher Weise sie Verbindungen miteinander eingehen. Das bedeutet, dass jede Substanz, die die Cannabinoid-Rezeptorfunktion beeinflusst, auch die Gehirnentwicklung moduliert.

"Überdosis" an Cannabinoiden

„Durch eine längerfristige Überdosis an Endocannabinoiden gehen die Zellen im ungeborenen Gehirn in einen Blockademodus“ erklärt Studienleiter Tibor Harkany, Leiter der Abteilung für Molekulare Neurobiologie am Zentrum für Hirnforschung der MedUni Wien. „Die Überaktivierung der Cannabinoid-Rezeptoren modifiziert dann auch die epigenetischen Programme der Zellen. Deren Aufgabe ist es, die Genexpressionen zu kontrollieren, sind sie aber beschädigt, erfüllen die Zellen nur noch in nicht ausreichendem Maß ihre Aufgaben.“

Darunter leidet die Entstehung von Verknüpfungen unter den Hirnzellen, wichtige Zellnetzwerke kommen nicht zustande. Das Ergebnis können psychische Krankheiten wie ADHS, Schizophrenie oder Angstzustände sein.

Schäden nicht reversibel

„Diese krankhaften Veränderungen innerhalb der Epigenetik von Nervenzellen sind nicht so einfach umzukehren“, erklärt Harkany. „Da hilft es nicht, nach der Geburt auf eine gesunde, fettarme Ernährung zu setzen, der Schaden ist bereits geschehen.“ Auch wenn die Studie auf Tiermodellen basiert, betont Harkany, dass auch andere Studien bereits schädliche Effekte beim Menschen aufzeigen und somit Hinweise auf ähnliche Wirkungsmechanismen beim Menschen gegeben werden können.

„Um hier Therapien zu finden, braucht es Wirkstoffe, die direkt in die epigenetische Regulation der DNA eingreifen“, erklärt Erstautorin Valentina Cinquina, „wir haben solche Wirkstoffe noch nicht ausprobiert, es ist aber ein spannendes Vorhaben, an solchen Interventionen zu arbeiten, die später einmal vielleicht sicher und wirksam eingesetzt werden können.“

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