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Hartnäckiger HustenVolkskrankheit kann die Ursache sein

Die chronisch obstruktive Lungenerkrankung, kurz COPD, ist nach Herzinfarkt und Schlaganfall die dritthäufigste Todesursache weltweit. Doch das Wissen über diese Erkrankung sei in der Bevölkerung noch immer erschreckend gering.

Husten ernst nehmen
Husten ernst nehmen © luismolinero - Fotolia
 

Noch wird die Lungenkrankheit COPD viel zu wenig ernst genommen, warnen Lungenfachärzte, dabei sei diese bereits die dritthäufigste Todesursache weltweit.

Deutliche Symptome werden häufig ignoriert, oft wird erst sehr spät ein Arzt aufgesucht. Dadurch geht wertvolle Zeit verloren, denn je früher die Erkrankung behandelt wird, desto größer sind heute die Möglichkeiten, COPD zu „stoppen“. Dies ist von zentraler Bedeutung, denn COPD ist nicht heilbar und führt unbehandelt zu einem qualvollen Tod durch Ersticken.

Symptome erkennen

Laut der Österreichischen Gesellschaft für Pneumologie (ÖGP) sei es wichtig, bereits erste Hinweise auf COPD wie langandauernden Husten ernst zu nehmen und den Arzt aufzusuchen. Aber auch eine Reihe von Risikofaktoren machen die Abklärung, ob eine COPD vorliegt, erforderlich.

Waren bis vor wenigen Jahren die therapeutischen Möglichkeiten noch sehr begrenzt, so macht es die moderne Präzisionstherapie heute möglich, gezielt etwas gegen COPD zu tun. Das Entscheidende, so  Lungenfachärzte: Je früher COPD erkannt und behandelt wird, desto besser die Prognose und Lebensqualität der Betroffenen.

Was hinter "AHA" steckt

Auswurf, Husten, Atemnot – die sogenannten AHA-Symptome können erste Anzeichen einer COPD sein. Aber diese Anfangssymptome werden oft bagatellisiert oder auf andere „Umstände“ oder Erkrankungen zurückgeführt. So ist die Atmung anfangs nur leicht eingeschränkt, Atemnot tritt erst bei körperlicher Belastung auf. Ein Symptom, das abgetan wird: „Ich habe halt keine gute Kondition“.

Auch das Leitsymptom „Husten“ werde leider oft bagatellisiert. COPD sei unter anderem deshalb so heimtückisch, da die ersten Symptome von den Patienten oft nicht richtig wahrgenommen, erkannt und somit auch dem Arzt nicht mitgeteilt würden.

Den Arzt informieren

Gerade in der Erkältungszeit wird länger anhaltender Husten oft nicht ernst genug genommen oder auf eine vorliegende Grippe oder einen grippalen Infekt zurückgeführt und COPD dadurch nicht rechtzeitig erkannt. Patienten sollten daher ihrem Arzt immer über einen länger bestehenden Husten berichten.

Vor allem wenn der Husten über einen Zeitraum von über acht Wochen besteht, sollten die Alarmglocken schrillen. Ein einfacher Lungenfunktionstest, eine Spirometrie, kann erste wertvolle Aufschlüsse über das mögliche Vorliegen einer COPD geben.

COPD sollte unbedingt bereits dann diagnostiziert und behandelt werden, wenn die Symptome klinisch noch keine massive Ausprägung haben. Also wenn der Patient zwar bereits COPD hat, aber die Symptome durch Vermeidungsstrategien noch ‚verstecken‘ kann. Denn: Je früher COPD erkannt und je therapiert wird, umso günstiger ist der Verlauf. COPD kann zwar nicht geheilt, aber der Verlauf verlangsamt bzw. gestoppt werden.

Rauchen ist Hauptrisikofaktor

Rauchen sei mit Abstand der größte Risikofaktor für das Entstehen einer COPD. Die Mehrzahl aller COPD-Patienten sind aktive oder ehemalige Raucher. Im Tabakrauch finden sich zahlreiche Substanzen, die Entzündungsreaktionen verursachen, die das Lungengewebe schädigen. Dadurch wird einerseits die Produktion von Bronchialschleim verstärkt und andererseits der Selbstreinigungsmechanismus der Atemwege beeinträchtigt: Fremdstoffe können nicht mehr ausreichend abtransportiert werden, das Lungengewebe wird zusätzlich geschädigt. Aber: Nicht nur Aktiv- sondern auch Passivrauchen kann zu COPD führen!

Feinstaub als Risiko

Weitere Risikofaktoren sind: vermehrte Atemwegserkrankungen in der Kindheit, Feinstaubbelastung z.B. durch Verkehr und Industrie sowie andere Schadstoffe aus Luft- und Umweltverschmutzung oder Belastungen am Arbeitsplatz (z.B. Chemikalien in der Kunststoffindustrie oder in Autolackierereien, Staubbelastung auf Baustellen, in Viehställen, im Bergbau sowie bei Schweiß- und Feuerlöscharbeiten etc.).

Menschen, die an einer schweren, seltenen Erberkrankung leiden, dem sogenannten Alpha-1-Antitrypsin-Mangel, sind ebenso hochgradig COPD-gefährdet. „Wer zu einer Risikogruppe gehört,", heißt es, sollte, auch wenn er nicht an chronischem Husten leidet, spätestens ab dem 50. Lebensjahr beim Lungenfacharzt abklären lassen, ob eine COPD vorliegt.

COPD zieht gesamten Körper in Mitleidenschaft

COPD kann auch mit anderen Erkrankungen der Lunge ‚vergesellschaftet‘ sein. So treten bei COPD-Patienten häufiger als bei lungengesunden Gleichaltrigen Lungenkrebs, Lungenfibrose, Lungenhochdruck und Atemstörungen während des Schlafes auf.

In weiterer Folge zieht die Erkrankung den gesamten Körper in Mitleidenschaft: Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Bluthochdruck, Diabetes mellitus, Osteoporose, aber auch Blutarmut, Muskelabbau und Gewichtsverlust zählen zu den Folgen einer COPD. Auch psychische Erkrankungen, vor allem Angstzustände und Depressionen, die mit der Schwere der Erkrankung zunehmen, sind ein häufiger Begleiter der COPD und beeinträchtigen die Lebensqualität zusätzlich schwer.

Vor allem im fortgeschrittenen Stadium der Erkrankung, in dem Patienten mit schwerer Atemnot zu kämpfen haben und permanent Sauerstoff mittels „Nasenbrille“ zugeführt bekommen müssen. Auch wenn die modernen mobilen Sauerstoffgeräte ein enormer Fortschritt gegenüber früher sind, leiden die Patienten unter der Einschränkung ihres Bewegungs- und Aktionsradius. Dies führt sie oftmals in soziale Isolation. „Nasenbrille und Sauerstofftherapie zeigen sofort, dass es sich um einen schwerkranken Menschen handelt. Und alleine das empfinden viele Betroffene als sehr belastend und stigmatisierend“, so die ÖGP.

Neue Therapien

Nun zur guten Nachricht: Dank einer besseren Kenntnis der verschiedenen Ausprägungsformen der COPD, neuer Erkenntnisse und eines tieferen Verständnisses der komplexen Zusammenhänge dieser Erkrankung, moderner diagnostischer Möglichkeiten sowie neuer Medikamente und Begleittherapien können COPD-Patienten heute viel besser und mit deutlich weniger Nebenwirkungen behandelt werden als früher. Die ÖGP: „Menschen, die an COPD leiden, haben zwar dieselben Symptome, aber unterschiedliche Ausprägungsformen der Erkrankung. Und genau diese gilt es nun zu erkennen. Die ‚richtige Therapie‘ muss bei der ‚richtigen Ausprägung‘ zum Einsatz kommen. Und das gelingt uns heute immer besser.“

Die verschiedenen therapeutischen Möglichkeiten, wie inhalative Medikamente, Sauerstofftherapie, nicht-invasive Atemunterstützung, Ventile zur Reduktion der Lungenüberblähung usw. können heute also zunehmend gezielt dort eingesetzt werden, wo sie den meisten Erfolg bringen. Dadurch wird wertvolle Zeit gewonnen, Nebenwirkungen werden vermieden und Kosten gespart. Und ganz wesentlich: Die Lebensqualität der Patienten wird deutlich erhöht.