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Experten-Forderung

Verhütung auf Krankenschein

Österreich ist europaweiter Spitzenreiter bei Schwangerschaftsabbrüchen und eines der wenigen Länder in Westeuropa, wo Verhütungsmittel nicht auf Krankenschein zu bekommen sind. Laut Experten sollte sich das ändern.

© APA
 

Exakte Zahlen über in Österreich vorgenommene Abtreibungen gibt es nicht. Doch Christian Fiala, Leiter des Gynmed Ambulatoriums, schätzt, dass etwa 20 Abbrüche pro 1.000 Frauen und Jahr vorgenommen werden. Das sei eine Folge der fehlenden Kostenübernahme von Verhütungsmitteln, die es in Österreich im Gegensatz zu anderen Ländern nicht gibt. Experten fordern deshalb kostenlose Verhütungsmittel.

Österreich ist europaweiter Spitzenreiter bei Schwangerschaftsabbrüchen und eines der wenigen Länder in Westeuropa, wo Verhütungsmittel nicht auf Krankenschein zu bekommen seien, meinte Fiala. Das müsse sich jetzt ändern, denn "wirksame Verhütung darf keine Frage des Einkommens sein", forderte der Gynäkologe.

Studien würden zeigen, dass sich Frauen bei Übernahme der Kosten von Verhütung für die wirksameren Langzeitmethoden entscheiden (Spirale, Sterilisation). "Verhütungsmittel auf Krankenschein", forderte nun auch ein parteiübergreifendes Jungendbündnis aus Jungen Grünen, der Sozialistischen Jugend und sowie der Bundesjugendvertretung kurz vor den Nationalratswahlen.

Fakten

Laut Österreichischem Verhütungsreport 2012 berichten Frauen und Männer, dass sie sehr häufig wenig wirksame Methoden (Pearl Index größer als 20) anwenden: Coitus interruptus/ "Aufpassen" (11 Prozent), Tage zählen (9 Prozent), Selbstbeobachtung (8 Prozent), oder mittelmäßig wirksame Methoden (PI 10-20) wie das Kondom (88 Prozent). Das führt zu unnötig vielen ungewollten Schwangerschaften, wobei sich etwas mehr als die Hälfte der Frauen für einen Schwangerschaftsabbruch entscheiden.

Da Schwangerschaftsabbrüche in Österreich nicht von der Krankenkassa bezahlt werden, gibt es keine Statistik. Schätzungen gehen von etwa 30.000 Abtreibungen pro Jahr aus, eine sehr hohe Anzahl im internationalen Vergleich. Dem gegenüber stehen 78.952 Lebendgeborene im Jahr 2012.

Der Weltverhütungstag (World Contraception Day, WCD) ist eine jährlich stattfindende, multinationale Kampagne, die sich auf eine Vision für eine Welt, in der jede Schwangerschaft gewollt ist, konzentriert. Die Botschaft des im Jahr 2007 ins Leben gerufenen Weltverhütungstages ist, das Bewusstsein für Empfängnisverhütung zu schärfen, damit alle Menschen Entscheidungen über ihre sexuelle und reproduktive Gesundheit auf Basis qualifizierter Information treffen können.

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